Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

19. Februar 2018
von JvHS
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Heimat – und ihre Narrative

Nun ist für die neue Regierungskoalition ein Heimatministerium geplant, welches – mit Horst Seehofer besetzt – den Begriff wieder mit den national-konservativen Inhalten füllen soll. Liberale Inhalte sollen allenfalls aus dem Bereich national-ökonomischer Herkunft stammend Einzug halten. Der Verdacht kommt auf, dass die Inhalte wieder mehr das abgrenzende, vorurteilsbehaftete, dumpfe Gefühl der Ausgrenzung des Anderen stärken soll. Der Heimatbegriff wird der Springflut der Blut-und Bodenideologie ausgeliefert sein, so wie es Polen, Ungarn, die östlichen Länder am Rande Russlands und die Hillbillies des Donald Trump und der Teaparty-Bewegung schon vorgemacht haben.

Ideologisch das Gewehr bei Fuß stehen schon AfDler bereit, die braune Flut weiter anzufachen. Die Gemengelage von romantisierenden, nostalgischen Gefühlsduseleien bis zum faschistischen und rassistischen Terror ebnet der ideologischen Flut Tür und Tor.

Wie diffizil der Umgang mit dem Begriff „Heimat“ sein kann, zeigt sich an den überall aus dem Boden sprießenden Heimatvereinen. Insbesondere dann, wenn die seltene Aufarbeitung von politischer Geschichte im Mittelpunkt des Interesses steht. Zu oft liegt der Schwerpunkt auf das Plattdeutsche und die Dialektpflege. Wenn der soziologische Unterbau fehlt, wenn die Dekonstruktion nicht erfolgt, kommt eher die Nostalgie im Sinne von „Früher war alles besser“ und die völkische Facette zum Tragen.

Noch sind die Zeitzeugen unter uns, die die Auswirkungen des Nazi-Deutschlands erlebt haben. Und dennoch erfolgt die Dokumentation von Vorgängen der Judenverfolgung, der Bereicherung an der Arisierung der Vermögen der Verfolgten und das angstbesetzte Mitmachen oder Weggucken mit besonderer Vorsicht und manches Mal auch nur dezent und unaufdringlich, statt mit der Wucht der berechtigten Anklage.

Die Rücksichtnahme auf die Familien und ihre Verstrickungen in der Nazizeit soll das zarte Pflänzchen der Aufklärung nicht gleich am Anfang schon wieder gefährden. Eine Rücksichtnahme, die aus der Tradition der direkten Nachkriegsjahrzehnte stammt, in der von Adenauers Staat die Aufarbeitung beiseitegeschoben wurde und die falschen Signale gesendet wurden durch die Integration der Globkes, Gehlen, Filbinger und Kiesinger in die Machtpositionen bis hin zum Bundeskanzler.  Statt Aufarbeitung erfolgte Behinderung und Verdrängung. Die Unfähigkeit zu trauern (Mitscherlich) über die Verstrickung in die Gräueltaten des Faschismus und das im privaten gehegte Denken und seine Gesinnung des Faschistischen sind bis heute wirksam – eine Ursache für das Wiedererstarken der rechten Politik.

Das neue Heimatministerium soll nun den Teufel mit dem Beelzebub austreiben- ein Konzept, das schon immer in die Hose ging! Rechte Gesinnung und Denken salonfähig machen, stärkt nur die falsche Seite. Welche Auswüchse im Falle der Machtübernahme durch die Rechtsradikalen erfolgen, kann an dem Agieren der polnischen Regierungsmehrheit nachvollzogen werden: es wird mit Gefängnis bestraft, wer die Mitschuld polnischer Staatsangehöriger am Holocaust benennt. Wahrheiten unterdrücken ist schon immer ein Prinzip diktatorischer Regierungen gewesen, welche die Rechtsstaatlichkeit beseitigt und auf Gesinnung aufbaut. (siehe Türkei, Polen, Ungarn u.a.)

Heimat – das ist einerseits die Herkunftsseite, die Sozialisierung des Menschen von Kindheitsbeinen. Lief diese gut, ergab sich die Erinnerung an das Geborgen sein, das wohlige Gefühl einer unbedrohten Kindheit. Lief es noch besser, dann waren die Anteile eines kritischen fördernden Erlebens der Boden, auf dem humanistische Geisteshaltung sich entwickeln konnte. Neugier, Gerechtigkeitsempfinden, Empathie und der unbedingte Freiheitswille, ein friedvolles Leben in Gemeinschaft zu sichern, das sind die positiven Seiten eines Heimatbegriffes.

Heimat, das ist auch die Region, die gegen die Ausbeutung durch die Ökonomie geschützt werden muss. Heimat, das ist der Lebensraum, der gegen die Bevorzugung des Aktiengesetzes gegenüber den Menschenrechten verteidigt werden muss. Heimat, das ist der Raum, in denen sich die Lebensentwürfe von Menschen realisieren lassen müssen, ohne in die Zwänge von Hartz-IV zu geraten, weil die Gesetze den Unternehmen diese Möglichkeit über Gebühr ermöglicht. Heimat, das ist die Region, die gegen Fracking, Feinstaubverseuchung, Atomkraftwerksgefährdungen und Braunkohlenraubbau geschützt werden muss. Heimat, das ist auch das Grundwasser, das weder durch die Gülleverseuchung noch durch den Gülletourismus und das Füllen der Geldtaschen weniger Landwirte gefährdet werden darf.

Und das Gleichmachen von Heimat, das Einebnen des Unterschiedlichen- auch gegenüber eines bajuwarischen Narrativs, wie es im Heimatministeriums eines CSU-Fürsten zu befürchten gibt  – dazu formulierte Adorno: „Keine Heimat überlebt ihre Aufbereitung in den Filmen, die sie feiern, und alles Unverwechselbare, wovon sie zehren, zum Verwechseln gleichmachen.“ (Th. W.Adorno, Résumé über Kulturindustrie)

Wir brauchen keine Gleichmacherei und die Anpassung an das bayrisch verzerrte Heimatgefühl, von dem Horst Seehofer formulierte:  „Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsystem wehren – bis zur letzten Patrone.“ – Eine Brandstifterformulierung, wie sie auch in der AfD zuhauf zu finden ist.

Heimat hat viel mit persönlichen Bildern zu tun, ist zudem, was die eigenen Lebensentwürfe betrifft, mit utopischen Elemente versetzt, die jedoch immer auch ein Grundbedürfnis zu befriedigen haben: Wohnen, Sicherheit und Urvertrauen in das freie Gestalten dieses Wohn- und Lebensraumes. Ein Staat, eine Nation kann niemals Heimat sein, allenfalls der vertragliche Boden für das gemeinsam zu gestaltende Gerüst eines Gemeinwesens.

Und Gesinnungen schaffen keine Zukunft! Sie verhindern sie.

Das wusste auch Ernst Bloch, als er formulierte:

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat. (Prinzip Hoffnung)

7. Februar 2018
von JvHS
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Nahles, Nöler, Nörgler

Es wird der Dame Nahles – Funktionärin und Fraktionsvorsitzende der SPD im neuen Bundestag und Mitglied der Führungsebene der SPD  – immer nachhängen, jenes Wort von „in die Fresse“. Nein, eine intellektuelle Großleistung ist damit nicht verbunden. Ob man es Mut nennen kann, diesen falschen Zungenschlag in die Welt zu setzen, ähnlich der Zumutung ihres Gesanges am Rednerpult im Bundestag, das mag dahingestellt sein. Es hat schon ein wenig von Rumnölen an sich und passt sich dem Stil und der Leistungsebene der SPD insgesamt an, in dem so den Nörglern begegnet wurde. Insgesamt macht die Führungsriege um die bekannten Köpfe der SPD kaum den Eindruck, dass sie den Anforderungen zu den notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen Kompetenz halber gewachsen sei. 

In einem Spruch aus den frühen 1960er Jahren des letzten Jahrhundert kursierte ein ähnliches pubertäres Sprüchlein, in dem der kategorische Imperativ verballhornt wurde:

„Was du nicht willst, dass man dir tut, das tu`auch nicht, was willst du denn? Eins in die Fresse?“ 

Wo sind die Think-Tanks der SPD, der Kräfte, die dem „Weiter so“ durch kreative Ideen Einhalt gebieten können? Wenn nun die dritte GroKo innerhalb von 13 Jahren ihre Tätigkeit aufnimmt, dann steht zu befürchten, dass die Abgehängten in der Gesellschaft weiter zurückgedrängt werden. Die Ungerechtigkeit weiter anwächst, die Bevorzugung der Vermögenden weiter ausgebaut wird und die Altersarmut weiter um sich greift. 

Zuviel Sand wird in die Augen der Gesellschaft gestreut. Fast ist man geneigt, den Deutschen zu empfehlen: wählt endlich mal umfassend eindeutig und gebt entweder den Konservativen (nicht den AfD-Populisten, auch nicht der Ein-Personen-FDP oder den Grünen) eure Stimme bis zur absoluten Mehrheit. Dann kann dieser Staat deutlich konservativ und noch stärker in Richtung Wirtschaftsmacht umgestaltet werden. Und jeder, der nicht als Vermögender profitieren wird,  kann erkennen, dass dies das Werk der Konservativen ist und nicht irgend einem Koalitionspartner angehängt werden kann. Koalitionen sind Mist, halbe Sachen und faule Kompromisse!

Oder gebt einer linken Sammlungsbewegung umfassend eure Stimme und eine neue geistige und gesellschaftliche Wende könnte ausprobiert werden. Immer geht es um die Verteilungsfrage. Und um Egoismus oder Solidarität, Reichtumsförderung oder Armutsbekämpfung, Privatisierung oder gesellschaftliche Verfügung über die Infrastruktur in der Hand des Staates, Schutz der Unternehmen oder der Umwelt.

Vor allem ist aber darauf zu achten, dass der Rechtsstaat erhalten bleibt, dass die Gewaltenteilung nicht gefährdet wird und dass auf dem Boden des Grundgesetzes agiert wird. Was wir nicht brauchen, sind Gebilde wie sie in Polen, Ungarn, Türkei und anderen autokratischen Staaten entstehen, in dem das Nationalkonservative und  die Zerstörung des Rechtsstaates  gefördert wird. 

Dass dem Wahl müden Volk jedoch eine personelle Erneuerung in den Parteien/Blöcken präsentiert werden muss, das geht dem angedachten Modell voraus.

 

5. Februar 2018
von JvHS
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Abendstimmungen

„Die Konsequenz der Natur tröstet schön über die Inkonsequenz der Menschen.“ – Johann Wolfgang von Goethe 

„Die Natur verbirgt ihr Geheimnis durch die Erhabenheit ihres Wesens, aber nicht durch List.“ – Albert Einstein

„Indem die Natur den Menschen zuließ, hat sie viel mehr als einen Rechenfehler begangen: Ein Attentat auf sich selbst.“

„Wenn man die Natur wahrhaft liebt, so findet man es überall schön.“ – Vincent van Gogh

 

1. Februar 2018
von JvHS
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Wenn Staaten und Gesellschaften von Politik und Unternehmensrecht dominiert werden

 

Tihange – Dossier des Aachener Zeitungsverlags 

Spezialausgabe zum Themenbereich: Atomunfall und Notfallpläne für Schulen und Kindergärten

Wenn Staaten und Gesellschaften von Politik und Unternehmensrecht dominiert werden, dann wird der atomare Krug solange zum Brunnen des Profits getragen, bis er zerbricht und halb Westeuropa verseucht. Das geschieht nun trotz aller Proteste, Eingaben und Gutachten wider besseren Wissens  – vielleicht sogar mit Billigung der letzten Regierungen auch in D –  belegbar am Beispiel des maroden Atomkraftwerkes Tihange in Belgien. 

Nun hat ein besorgter Vater und Mediziner Fragen an die Behörden der Schulverwaltung und die Schulen gestellt, wie diese im Ernstfall vorbereitet sind und was sie tun werden. Antworten sind so gut wie keine zu finden. Notfallpläne gibt es nicht, Einzelmaßnahmen obliegen den jeweiligen Schulen. Es ist ein Hohn, dass für bestimmte Altersgruppen kostenlose Jodtabletten verteilt werden, welche die Gefahr minimieren soll. Aus Tschernobyl und der Explosion der Schilddrüsenkrebsfallzahlen hat man wohl nichts gelernt. Das erinnert fatal an die Ratschläge der Behörden in den fünfziger Jahren, bei einem Atomangriff sich unter die Holztische in den Schulen zu bücken oder im Freien eine Aktentasche über den Kopf zu halten.

Mit den vorherrschenden Winden aus Süd-West werden im Fall des Super-GAUs die betroffenen Gebiete ganz Belgien, große Teile der Niederlande und Luxemburgs sowie NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen umfassen. Neben den Großstädten, Düsseldorf, Köln, Dortmund bis hin zu Hannover und Bremen sind ganze Landstriche verseucht und im Umkreis von 200 km um Tihange wohl unbewohnbar. Wohin mit den Millionen betroffener Menschen alleine aus dem Großraum der Region zwischen Aachen, Krefeld und dem Ruhrgebiet? 

Es bleibt unfassbar, dass die belgischen Behörden und das belgische Unternehmen Electrabel dieses Risiko seit Jahren in Kauf nehmen.

In einer ganzseitigen Spezialausgabe beschäftigt sich der Aachener Zeitungsverlag in seinen Ausgaben mit dem Thema und den Versuchen des Mediziners und Vaters Andreas Prömpler, eine zufriedenstellende Antwort seitens der Behörden zu bekommen, welche Notfallpläne für Schulen und Kindergärten bestehen. Zudem ist eine Informationsbroschüre zu einem Vortrag der  „Ärzten gegen den Atomkrieg“ (IPPNW) abrufbar hier

Update vom 04.02.2018 : Telepolis zu Tihange 

Ist das Atomkraftwerk Tihange noch gefährlicher als angenommen?