Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

21. November 2017
von JvHS
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Herbstwind entblätterte selbsternannte gelbe Pracht

Was von der selbsternannten gelben Pracht mit dem scheinbar taffen Drei-Tage-Bart noch wirklich übrigblieb, ist ein jämmerlicher Rest, der nun mit einer durchschaubaren Kampagne versucht, das Sichtbare und die Essenz wieder umzudeuten.

Und der scheinbar strahlende Erneuerer wurde schon im ersten lauen Windchen des Herbstes 2017 kräftig gerupft. Wie soll so jemand mit seiner Resttruppe den eigentlichen Stürmen der politischen Realität trotzen?

Im Übrigen – und das gilt für alle Parteien – die übertragene Verantwortung als gewählter Vertreter im Parlament ist im Grundgesetz formuliert und lautet: zum Wohle des (gesamten) Volkes zu handeln! Und dies verlangt, das Augenmerk auf die gesamte Bevölkerung zu richten und die Aufgaben zur Weiterentwicklung des Gemeinwohls abzuarbeiten; nicht nur für die eigene Klientel oder die eigene Lebensplanung zu handeln. Da täte es Not, zunächst und nochmals, wenn denn schon mal geschehen, Platons „Der Staat – als Politeia, sprich Verfassung und öffentliche Verwaltung“ zu lesen und zu beachten.

Die heutigen Menschen im Land haben gelernt, die vorgesetzten Bilder und Deutungen nicht unbedingt für real zu halten. Das Höhlengleichnis ist dafür ein guter Hinweis. Und Platon gab den Rat, die offensichtlichen Dinge und Erscheinungen zu hinterfragen. Der Staat muss nach dem Prnzip der Gerechtigkeit regiert werden, forderte er. Und ein paar Tugenden setzte er dazu zunächst voraus. Die scheinen in einem egozentrischen Leben heutiger Politdarsteller aber keine Rolle mehr zu spielen. Zu korrigieren oder zu modernisieren wäre allerdings Platons Verständnis von der Gesellschaftsform. Er hielt aus seiner Sicht die Demokratie für zu instabil. Ob er da an Leute wie Christian Lindner gedacht hatte?

Die Verantwortung der Menschen als Wähler liegt darin, nicht dem Schein verhaftet zu bleiben. Nicht dem Üblichen der Scheinwelt von TV-Shows und inhaltsleerem Auftreten zu folgen und dem schönen Schein von Marketing-Bla-Bla verhaftet zu bleiben, sondern zu erkennen, was nur Schatten auf der Wand sind. Und nicht Haben und Sein zu verwechseln.

20. November 2017
von JvHS
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Der Herbst 2017 – das Versagen der selbsternannten politischen Eliten

„Eitelkeit ist die bekannteste Kulisse vor dem Leid der Minderwertigkeit.“ – Ludwig Marcuse, Argumente und Rezepte. Ein Wörter-Buch für Zeitgenossen

„Eitelkeit ist eines der häufigsten Motive der Parteinahme.“ – Carl Spitteler, Politische Sympathien und Antipathien

„Die alte Ordnung, die heute noch genau so besteht wie damals, nahm und gab dem Deutschen; sie nahm die persönliche Freiheit, und sie gab ihm Gewalt über andere.“(Tucholsky)

 

Was sich hinter dem Kürzel „FDP“ verbirgt, ist nach den gescheiterten Sondierungsgesprächen hervorgetreten. Im Gegensatz dazu sieht man den Rüpeln von der CSU  dabei sofort ihre Doppelmoral beim Buchstaben „C“ an.

Was wir in Deutschland gar nicht brauchen, ist eine FDP mit dem Geist des neoliberalen und nationalkonservativen Kerns, verkleidet in der Maske eines Drei-Tage-Bartes. Wer die alten Geister wie Herrn Minister Pinkwart  wieder installiert, der hat nichts, aber auch gar nichts gelernt und begriffen. Die alten Herrenzimmer-Denkweisen sitzen tief verankert im Fleisch einer alerten Gruppe, die nichts anderes im Sinn hat, als ihre Klientel zu bedienen. Das neue Gesicht Lindner zeigt sein wahres Gesicht. Zur Bewahrung der Privilegien der eigenen Wählerschaft ist diesen Söldnern eines wirtschaftsverinnerlichten Dienens und Verbandelns nichts zu schade: nicht einmal die AfD und CSU noch rechts zu überholen. Das praktizierten schon die Nationalliberalen und Junker in der Weimarer Republik und sie öffneten damit den Elementen der totalen Herrschaft und der Banalität des Bösen Tür und Tor.  Geschichte wiederholt sich doch, nur in neuen Kleidern und Bildern.

Wer neben den geschichtsorientierten Pfaden – und wenn  anscheinend in Bezug auf die FDP-Spieler heutiger Provenienz auch der Eindruck vermittelt wird, dass diese nicht selten nur unbewusst jene entlanggehen – die Befangenheit dieser Leute betrachtet, der muss vor allem auch die Ursprünge des Neoliberalismus betrachten, um dessen langwirksame Einflüsse einschätzen zu können.

Hier ist das Netzwerk Mont Pèlerin Society unbedingt in den Blick zu nehmen.

Ergänzende Nachrede siehe hier: Von rechts und links und der Geschichtsinterpretation

17. November 2017
von JvHS
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Schatten an der Wand – oder was ist Politik

Die Politik ist ein Versuch der Politiker, zusammen mit dem Volk mit den Problemen fertig zu werden, die das Volk ohne die Politiker niemals gehabt hätte.“ – Dieter Hildebrand

Das ist Politik! So lautet oft die Aussage, wenn mal wieder im politischen Circus ein Wortbruch erfolgte, ein fauler Kompromiss eingegangen wurde oder wenn eine Affäre an das Licht der Öffentlichkeit gelangte. Spektakuläre Ereignisse wie Watergate in den USA, die einen Präsidenten Nixon zurücktreten ließen oder die Spionage-Affäre um Willy Brandt, der ebenfalls zurücktrat, sind heute ebenso an der Tagesordnung, aber kaum noch denkbar, dass ein Rücktritt aus moralischen und ethischen Gründen erfolgen würde.

Einerseits wirken die Netzwerke der Lobbyisten, der „Behüter“ des Neoliberalismus wie die NSMW schon im Vorfeld und zeitgleich beim Aufdecken der Gaunereien mit ihren Meinungsbildern irritierend und falsche Fährten legend. Andererseits sind die verursachenden und betroffenen Politiker nicht mehr willens, die Verantwortung zu übernehmen und zurück zu treten. Das war bei Helmut Kohl und Schäuble in Sachen Spendenaffäre schon so und macht nicht halt bei den aktuellen, politischen Verantwortlichen.

Das ist Politik, heißt es, wenn Rüstungslieferungen in Krisengebiete genehmigt werden, obwohl Gesetze dies verbieten. Es sei politische Notwendigkeit, heißt aus den Mündern der offiziellen Lautsprechern wie den Regierungssprechern, wenn mal wieder Regierung und Parlament die Entsendung von Soldaten in einen Krieg genehmigten, obwohl auch dies dem Gedanken des Grundgesetzes widerspricht.

Das ist Politik, hören die Menschen die Pseudobegründung für den Bruch von Wahlversprechen, für das Zustandekommen von neuen Gesetzen, die keineswegs dem Wohl des Volkes förderlich sind. Das ist Politik und die sei oft alternativlos, wenn die Armutsberichte geschönt, die Arbeitslosenzahlen auf falschen Datenerhebungen basieren und Entscheidungen durchgepeitscht werden im Kabinett und den Fraktionen, die Konsortien Milliarden an Mautgebühren zukommen lassen durch die Verlängerung von Verträgen und damit auf Staatseinnahmen verzichtet wird, die den Bildungsnotstand lindern könnten. Das ist nicht einfach nur Politik, das ist die Politik von Leuten in einem Ministeramt, die diese Entscheidungen treffen.

Das ist alternativlose Politik, heißt es nicht selten aus dem Mund der Kanzlerin, wenn die Folgekosten der Atomenergie für die Entsorgung nicht von den seit Jahrzehnten profitierenden Unternehmen zu tragen sind, sondern der Allgemeinheit aufgebürdet werden.

Das ist Politik, wird möglicherweise wieder die Behauptung lauten, wenn die CDU mit ihrer Verantwortung auch auf europäischer Ebene nicht gegen die Weitergenehmigung von Glyphosat in der Landwirtschaft stimmt. Sich enthalten und damit den Deal von Bayer in Leverkusen schützen, welche Monsanto mit mehr als 60 Mrd. gekauft hat und nun bangen muss, ob diese Investition nicht in den Sand gesetzt wurde. Ist Politik in solchen Fällen nicht einfach nur noch der verlängerte Arm unternehmerischer Entscheidung?

Was ist denn Politik? Das sollte und muss der Bürger jederzeit sich fragen. Und jede Entscheidung der politisch agierenden Entscheidungsträger hinterfragen! Pseudoantworten werden auch schon seit Generationen unters Volk gestreut und an den Stammtischen und familiären Kaffee-und-Kuchentafeln weitergegeben. `Politik sei ein dreckiges Geschäft´, lautet dort die Botschaft. Eine wirkmächtige Aussage, die viele Bürger davon abhält, sich mit dieser anscheinend unappetitlichen Gemengelage zu beschäftigen. Damit soll der einfache Mensch nicht in Berührung kommen. Mit dem will er nichts zu tun haben. Eine sehr nützliche Atmosphäre für die Politiker, um die politischen Geschäfte so unbehelligt wie möglich umzusetzen. Notfalls, wenn zu viele Fakten über Ungereimtheiten ans Licht der Öffentlichkeit gelangen, kann noch immer daraus ein „streng geheim“ gemacht werden, welches als Verschluss-Sache dem Vergraben in nicht mehr kontrollierbare Archive der Geheimdienste unterliegen wird.

Was ist denn nun Politik und müssen wir Bürger dies in der erlebten Form stillschweigend akzeptieren? Soll also Politik weiterhin eine moralisch und ethisch freie Zone sein? Wenn nach dem Zustand und dem Wesen von Politik gefragt wird, dann ist auch danach zu fragen, was ein Politiker ist.  

Was Philosophen und Soziologen dazu gesagt haben, soll in den nachfolgenden Beiträgen und in lockerer Reihenfolge aufgeführt werden.

 

14. November 2017
von JvHS
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Das alte Denken, der alte Mief – und Herrenzimmer als Hinterzimmer der Nation

  1. Das alte Denken und der alte Mief,
  2. die alten Methoden im neuen Gewand
  3. und die unseligen Konzepte
  4. des „Krieges als Fortsetzung der Politik„.
  5. Wohlverkündend durch die amtlichen Lautsprecher
  6. in Bild und Ton
  7. quillt das unselige Weltbild wieder hervor
  8. aus den Herrenzimmer und Hinterzimmern der Nation
  9. als Armseligkeit des Denkens.

 

Dagegen hatte der unvergessliche Hanns-Dieter Hüsch den sprachlichen Widerstand gesetzt – aufklärend, aufrüttelnd und mahnend.

Freunde, wir haben Arbeit bekommen!

Und schon steht der deutsche Spießer wieder auf dem Sprung
Hält seinen Vormund leicht geöffnet
Zu schlucken, was da fault!
Schon laufen alt und jung und Christ
Und kleiner Mann in seine Arme
Und alles fängt von vorne an!
Die national-soziale Lederhosenreaktion
Ihr blutiges Beil noch unterm Bett
Sie fordert schon, im altbekannten Ton
Für Deutschland ein gesundes Nationalkorsett!

Ich versteh’s nicht –
Kein Mensch regt sich
Und das deutsche Volk pflegt sich!

Die Herren sagen: „Randerscheinung!“
Und viele sind sogar der Meinung
Dass man nun diese neo[demokratische]-liberale Farbe
Doch endlich wieder ganz genau unter Kontrolle habe!
Den Scheitel gerade und die Nägel kurz geschnitten
Das wuchert um sich, zieht Messer blank –
Gen Ost[deutschland]europa wird natürlich auch geritten!

Ich versteh’s nicht –
Kein Mensch regt sich
Und das deutsche Volk pflegt sich!

 
Ich kann es nicht poetisch sagen
Ich weiß nur noch von jenen Jahren
Wo Menschen wie ein Stück Vieh für den Gefreiten waren!
Ich versteh’s nicht –
Keiner geht auf die Straße!
Nur, wenn Gammler dort zu seh’n
Bleiben viel Leute steh’n
Und es leuchtet in ihren so friedlichen Augen:
„Nur weg mit diesen Untermenschen, die nichts taugen!“
Das ist des Spießers Zucht und Ordnungssinn –
Bollwerk gegen den Kommunismus!
 „Gegen Mode und Sex, Geld und Gewinn
Hilft bei uns nur ein neuer Faschismus!“
 
 
Das ist der alte Hugenberg-Mief
Die Hindenburg-Diadochen!
Der braune Mob, das sitzt so tief
Kommt immer wieder gekrochen
Und sitzt an unserem Familientisch
Und isst mit uns das gleiche Brot
Und fängt mit uns denselben Fisch –
Und schickt Millionen in den Tod!

Ich versteh’s nicht –
Kein Mensch regt sich
Und das deutsche Volk pflegt sich!

 
 Doch, ich denke, darauf können wir uns nicht verlassen
Unsre Freiheit wird bedroht vom selben Feind!
Die Bevormundung, sie nimmt kein Ende
Diese deutsche Krankheit kriegt man nicht
Mit Anpassung zu fassen!
Und man möchte mit den Gammlern gehen
Und den freien Himmel täglich sehen!Und wir lägen am Boden und wären nicht wer
Und hätten kein Geld und kein Vaterland mehr
In Kellern säßen wir dann und auf Bäumen
Und wären beschäftigt mit anderen Träumen
Und wir sehen manchen Kontinent!
Und wir kennen manchen, den man hier nicht kennt
Und wir hören kein dummes und falsches Geschwätz mehr
Und fürchten kein Notstands- und Nazigesetz mehr!Doch, das geht nicht, das geht nicht
Denn es gibt ein paar Freunde, die uns brauchen
Und es gibt noch ein paar Menschen, die gescheit sind
Und es gibt noch ein paar Kinder, die noch längst nicht so weit sind
Und es gibt noch ein paar Tote, die uns beim Wort genommen –
Freunde, wir haben Arbeit bekommen!
Hanns-Dieter Hüsch