Wir sind die Urheber ist eine Aktion der Künstler und Autoren gegen die Bestrebungen, das Urheberrecht auszuhebeln.
Der Aufruf erfolgte im genau dem Medium, welches die Plattform dafür schafft, dass dem ungefragten Kopieren und den nicht genehmigten Nutzungen des geistigen Eigentums Tür und Tor geöffnet wurde.
Die Antworten auf die Aktion sind postwendend erfolgt, was nicht wundert in Zeiten des Bloggens und der Gezwitscher-Debatten-Kultur.
Die Stellungnahmen und Argumente prallen stellvertretend für die verschiedenen Motivationen aufeinander. Auf der einen Seite die Kulturschaffenden, die das legitime Recht besitzen, dass ihr Schaffen und ihre Ergebnisse angemessen entlohnt werden. Damit sitzen sie aber gleichzeitig im gemeinsamen Boot mit jedem der sein Einkommen über seine Arbeitskraft sichern muss. Eine Solidarität mit jenen, die aufgrund eines perfiden Entlohnungssystems á la Zeit-und Leiharbeitsverhältnisses schon zu oft nicht mehr vom Lohn alleine existieren können, wäre durch die Teilnehmer des Aufrufs aber ebenso wünschenswert.
Auf ihrer Seite stehen leider auch die Verwertungsindustrien und – dienstleister wie der kritikwürdigen GEMA und den Abmahnungsmaschinerien gewisser RAe-Kanzleien, die mittels ihrer Strukturen und Verfahrensweisen längst nicht nur die Interessen der Urheber vertreten, sondern zu einer Pestbeule des Kulturbetriebs und der Freizeitkultur geworden sind. Die Urheberrechte und die damit verbundenen Verwertungswege sind zum Geschäftsmodell der zuvor genannten geworden. Den Autoren und Künstlern ist die Hinterfragung und die Notwendigkeit alternative Wege zu gehen – zum Abbau der durch die Verselbständigung der Verwertungsindustrie sich insgesamt nachteilig für Kulturschaffende wie Kulturnutzende zeigende Entwicklung - nicht abzunehmen.
Auf der anderen Seite steht eine Denkweise, die pseudoargumentierend hinsichtlich der Freiheit des Internets agiert, dass die Freiheit des Netzes nicht durch die Berücksichtigung des Urheberrechtsgedanken eingeschränkt werden darf. Die Unsachlichkeit sowie die Unversöhnlichkeit spiegelt sich im nachstehenden Zitat des Bloggers Udo Vetter wider:
Zitat: “Die heute noch so stolzen Urhebern müssten dann die bittere Erfahrung machen, dass das freie Netz wichtiger ist als ihr unbestrittener Beitrag zur Kultur. Das Motto wäre dann: Besser jeder kann frei online seine Meinung sagen, als dass alles den Bach runtergeht, bloß weil ein paar Schriftsteller meinen, sie hätten den unbedingten Anspruch an die Gesellschaft auf ein solides Auskommen pro Essay oder Roman.” Zitatende
Eine freie und zufällige Gruppierung, die im Parteienspektrum gerade Fuß fasst, macht sich genau mit dem “Entweder-Oder” im Sinne der freien unentgeltlichen Nutzung anderen, wenn auch immateriellen, Eigentums einen Namen und bekommt parlamentarische Vertretungsdimensionen, die zudem das konstruktive Regieren immer schwieriger macht. Dumm nur, dass niemand darauf hinweist, dass Gauner auch Gauner genannt werden müssen und der immanenten Unmoral auch noch durch das Wählen dieser Vereinigung Vorschub geleistet wird.
Wir müssen zwar mit der eigenen Widersprüchlichkeit und Unvollkommenheit leben, aber moralische Verantwortung fußt einerseits nicht auf vollständige Erkenntnis, erst recht nicht auf Selbsterkenntnis und jene ist auch nicht Voraussetzung, moralisch handeln zu können. Erkennen können, was Unrecht ist, ist dem “common sense” schon immanent, zumindest wer in unserem Kulturkreis aufgewachsen ist. Jemanden eine Sache oder eine Idee oder eine geistige Leistung wegzunehmen – also sowohl auf der materiellen Ebene wie auf einer immateriellen Ebene – sich anderes Eigentum anzueignen, ohne eine Gegenleistung oder eine Genehmigung zu haben, bleibt Diebstahl. Und Diebe muss man Diebe nennen, da hilft auch keine beschönende Umschreibung als Pirat .
In der sachlichen Auseinandersetzung kann nur gewünscht werden, dass dies mittels des reflektierenden Denkens geschieht. Impulse setzen durchaus auch Aufrufe wie oben gezeigt. Insofern kann dieser Aufruf nur unterstützt werden, was der Autor mit seinem Beitrag belegt.
Update 19:49 Uhr / 11.05.2010: Es ist gut, wenn die Debatte versachlicht wird. Die gibt es nicht für lau.