Kunsthandwerk – Heimat des ganzheitlichen Tuns

Robert Seidl – Jazzmusiker und Kunsthandwerker im Gitarrenbau inmitten seiner selbstgebauten Gitarren

Neben den traditionellen Kunstgattungen der Malerei, der Grafik, der Fotografie, der Bildhauerei und der Plastiken, weiten sich die Kategorien hin zum Kunsthandwerk der Glaskunst, der Textilkunst und des Musikinstrumentenbaus.

Robert Seidl in seiner Werkstatt – Rückseite des Korpus in der selbstgefertigten Passform beim Einleimen des Steges, der Auflage für den Deckel sein wird.

Einer der Teilnehmer der aktuellen Kunsttour ist Robert Seidl aus Wassenberg. Er lebt und arbeitet im Ortsteil Birgelen, ist Jazzmusiker und spielt Gitarren, die er selber baut. Das Auge für die Form und die Flächengestaltung hat er von seinem gelernten Beruf als Fotografenmeister. Mit Ausdauer und Disziplin widmet er sich dem Gitarrenbau und gestaltet perfekt verarbeitete Instrumente mit besonderer Ästhetik. „Es sind alles Unikate – und ich spiele sie alle“, betont Seidl. Er habe schon in jungen Jahren immer mal an seinen Instrumenten Verbesserungen und Reparaturen durchgeführt. Richtig bauen und komplett herstellen, dass mache er erst seit 2013. Eine Zielgruppe habe er nicht, allenfalls durch den Fokus auf die Herstellung von Halbakustikgitarren, die immer elektrische Verstärkungselemente eingebaut haben. Er mache keine Auftragsarbeiten, sondern alle Instrumente seien freie Arbeiten, ergänzt er noch. 

Robert Seidl – Kunsthandwerker für individuelle, handgefertigte Gitarren mit dem Selbstbau für die Biegung der Korpusteile der Gitarren.

„Ich verwende überwiegend heimische Hölzer wie Ahorn, Eiche, Pflaumenholz oder auch mal das Holz vom Wassenberger Sämlung“, verweist Seidl auf eine Besonderheit. Alle Exponate sind handgefertigte Einzelstücke mit ganz individuellem Design. Oft ist der Korpus und Klangkörper aus einem Stück Holz herausgearbeitet, wie bei einem Boot. Die Schalllöcher haben die Form eines F-Schlüssels wie bei einer Geige. Bei einer der frühen Exemplare ist das runde Schallloch mit einer geschnitzten Rosette verziert. Eine der Besonderheiten seiner Gitarren, an denen man eine „echte Seidl“ erkennen könne, ist die durchgängige Gestaltung von Kopf und Hals aus einem Stück.

Robert Seidl – Gitarrenbauer für individuelle Unikate halbakustischer Gitarren – mit dem Korpusteil aus heimischen Hölzern.

Sein Design geht über das Kunsthandwerk hinaus und Seidl verpasst mit der Lust an der Kreativität seinen Gitarren den Nimbus einer Unverwechselbarkeit. Er sei auf jeden Fall ein Bauchwerker, lautet seine Antwort auf die Frage, ob er mehr Handwerker, Kopfwerker oder aus dem Bauch heraus arbeite. Er ahnt schon, wie das gewählte Material einmal klingen werden, deutet Seidl an, auch wenn der Beleg erst vorliege, wenn die Seiten aufgezogen sind und zum ersten Mal der Klang nachvollzogen werden kann.

Werkstatt von Robert Seidl – mit Gitarrenbausteinen aus heimischen Hölzern.

Sein Handwerk ist mehr als durch Gewohnheit erlangte Geschicklichkeit. Die Ästhetik seiner Kunstwerke ist sichtbar in der Linienführung, dem Herausarbeiten der Maserung und der Form und wird fühlbar beim Anfassen des Instruments in der Spielhaltung. In der Werkstatt lässt er die Interessenten für seine Instrumente den Herstellungsprozess nachvollziehbar beobachten. Wie der Schuster seine Leisten, so stellt er für jedes Unikat auch eine Passform her, in dem der Korpus seine Form erhält. Jedes Einzelteil, wie z.B.  die Auflage für den Deckel, welches er aus einem Stück Holz herstellt, das durch millimetergenaue Schnitte zu einem flexiblen Band gestaltet wird, zeigt seine technologischen Kniffe und sein Einfühlungsvermögen für das verwendete Material. Dass hier noch eine Einheit von Arbeit und Endprodukt gelingt, die zufrieden macht, kann mehr als nachempfunden werden. Auf Seidl trifft die Aussage von Kurt Schwitters zu:

„Kunst ist nichts anderes als die Gestaltung mit beliebigem Material“.

Die Motivation zur Teilnahme begründet Seidl so: „Ich will mein Kunsthandwerk und die gefertigten Unikate der Öffentlichkeit vorstellen“. Bei der Kunsttour steht den Interessierten am Samstag und Sonntag Robert Seidl – Am Hoverberg 7 in Wassenberg-  zur Verfügung. (jwb)

Gitarre von Robert Seidl mit Korpus aus Eichenholz, mit Kopf und Hals aus Pfirsichholz des Wassenberger Sämlings und Steg aus Pflaumenholz.

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