Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Unsere Gesellschaft entwickelt sich zum Tollhaus – der Verlust der letzten demokratischen Strukturen droht

„Ach, die Welt ist so geräumig,  Und der Kopf ist so beschränkt.“ – Wilhelm Busch

Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche? Weil ich den Menschen spüre, den ich suche.“ – Erich Mühsam

„Alle Ereignisse sind in dieser besten aller möglichen Welten ineinander verkettet.“ – Voltaire, Candide oder Die beste der Welten

„Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.“ – Erich Fried

 

Die westliche Gesellschaft ist ein Tollhaus geworden.

Auf der einen Seite sind die Ziele und Absichten der Konzerne, die mit dem verengten Blick der Söldner aus den Reihen der Betriebswirtschaftler und Manager agieren, das Aktiengesetz im Blick und im Hirn haben und ihre Seilschaften bis in die Spitzen der nationalen und EU-Regierungen nutzen, um den Umbau zum Neoliberalismus und den Abbau der sozialen Marktwirtschaft weiter voranzutreiben und zu zementieren. Flankiert werden sie von Stiftungen und Einrichtungen wie dem INSM (Institut Neue Soziale Marktwirtschaft – eine zynische Umdeutung der sozialen Markwirtschaft), die Meinungsmache und Lobbyismus betreiben im Sinne der Finanzgeber aus der Unternehmerschaft. Ausgewählte Zirkel und Vereine wie die Atlantik Brücke sorgen für die Einflussnahme auf Politik und öffentliche Meinung durch personelle Besetzung in den Medien und Think Thanks mit willfährigen Gesinnungsträgern.

Der so betriebene gesellschaftliche Umbau – beginnend mit Kohls „geistig moralischer Wende“, extrem fortgesetzt durch den „Basta-Kanzler“ Gerhard Schroeder, zusammen mit seinem grünen Ersatzkanzler, dem janusgesichtigem Joschka, und seiner unseligen Agenda 2010 und der nun bald 16jährigen Tätigkeit Angela Merkels als Ausführungskanzlerin der Investitionssicherungsziele der Vermögenden und der Großkonzerne aus Pharma, Automobilindustrie und Banken- und Finanzwirtschaft – hat die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet und die Umverteilung von unten nach oben  vorangetrieben. Die Privatisierungen aus dem Daseinsfürsorge-Bereich haben zu Altersarmut, Wohnungsnot, Bildungsnotstand und damit verbundenem Fachkräftemangel geführt. Die Entwicklung der Tafeln als Versorgungsteil für einen Großteil der einkommensschwachen Schichten legt davon Zeugnis ab.

Fehlende Weichenstellungen und der Investitionsstau beim Weg in die digitalisierte Gesellschaft sowie versäumte Konzepte zur Sicherung der sozialen Marktwirtschaft in Zeiten der Robotik – die immer stärker den Menschen ersetzen wird – , sowie die parallel entstandene Bankenrettung- Folge der Gier der Finanzwirtschaft und die dadurch bewirkte weltweite Finanzkrise –  verstärken die Wirkung der verfehlten Zukunftspolitik in der Ära Merkel.

Die Folgen sind europaweit durchgeschlagen und zeigen sich in der riesigen Jugendarbeitslosigkeit in den südlichen Nationen Europas ebenso wie in den Zusammenbrüchen der Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien und Zypern. Um die Vermögen der Anleger in diesen Staaten zu retten, wurden vor allem die Lohnempfänger belastet und ihre kleinen Sparvermögen geopfert. Die so  notwendigen Rettungsmaßnahmen wurden durch eine breite Privatisierungswelle staatlicher Ressourcen und den Ausverkauf der staatlichen Reserven finanziert. Die Verursacher auf Seiten der Finanzwirtschaft wurden geschont, die Zeche bezahlte die Bevölkerung.

Die Ausbeutung der Lohnempfänger in den Industrieländern, die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen besonders in Afrika durch Konzerne wie Nestlé, welche die Wasserversorgung in den klimageschädigten Ländern kommerzialisierte, aber auch die Subventionspolitik in der EU-Agrarwirtschaft, welche der Selbstversorgung in den afrikanischen Ländern zerstörte, sind die Ursachen für die Flucht der Menschen aus ihren Ländern.

Die Verteilungs- und Hegemonialkriege im vorderen Orient durch die ehemaligen und neuen Kolonialmächte der angelsächsischen Länder zur Sicherung des Einflusses auf die Energiequelle Erdöl haben eine schon religiös verfeindete Gesellschaft innerhalb der Muslime destabilisiert und dem religiösen Fundamentalismus und Extremismus den Boden bereitet. Die Zerstörung der Infrastruktur und Lebensgrundlage in den Ländern Irak, Libyen, Syrien etc. haben eine Völkerwanderung bewirkt, die in der geologischen Nähe Europas diesen Erdteil als Rettungsziel naheliegend machte.

Die weltweite Verquickung geopolitischer Entscheidungen und die erfolgten kriegerischen Konsequenzen ergeben ein Konglomerat an Problemen, die auf eine EU-Struktur trafen, welche die Schwächen dieser Vereinigung sofort offenlegte. Fehlende Regierungsstrukturen auf EU-Ebene, fehlende Unterordnung der nationalen Parlamente und fehlende Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit der EU-Entscheidungen in den östlichen Nationen wie Polen und Ungarn haben den Weg bereitet, dass diese Nationen keine Solidarität und Gemeinsamkeit entwickelten, sondern mehr und mehr die eigene Nation zuerst bedient sehen wollten. Der Rechtsruck bekam seine Dynamik, die nun bis in die Demokratie abbauenden Entwicklungen reichen. Davon ist Deutschland mit der AfD, einer panikartig agierenden CSU, einem rechtskonservativen Bündnis in Österreich, einer rechtsnationalistischen Regierung in Polen und einem fanatisch nationalistischen Ungarn ebenso betroffen wie Italien mit seinem Bündnis aus Nationalfaschisten. Dass im Trump-Amerika der Rechtsruck durch die Manipulation bildungsferner und verarmter Gesellschaftsschichten stattfand, welche bei den Konservativen mit Trump,  einem Urkapitalisten, Unterstützung fand, der sich als Geschäftemacher versteht, besonders durch Sicherung der eigenen Geschäftsinteressen, ist gleichermaßen destabilisierend für die weltweiten Demokratien.

In diesem Tollhaus verlieren die Salonsozialisten á la Augstein ihren Überblick. In den etablierten sozialen Parteien sind keine Persönlichkeiten (bleiben wir bei den lebenden Politikern auf europäischer Ebene, wäre das vielleicht noch Jeremy Corbyn) mehr zu finden, die eine Vision und eine Vorstellung von einer sozialen Gesellschaft haben, in der Solidarität, Humanität und Empathie als Stärken und Werte gesehen werden, auf denen eine Demokratie aufbauen und bestehen kann. Die Separierung der sozialen Ansätze in Linke, SPD und Grüne hat für eine Schwächung bis zum Verlust der Volksparteigröße geführt.

Gleiches droht der anderen konservativen Volkspartei, die auf dem Weg ist, in die Aufteilung von den Parteiteilen der Mitte bis hin zu nationalistischen Parteisektoren. Der Verlust der Verbindung der Volksparteien zu ihrem demokratischen Erbe auf der Grundlage des Grundgesetzes schaffte den beunruhigenden Rechtsruck und Aufwind für undemokratische Teile in der Gesellschaft. Es wird Zeit, dass alle demokratischen Kräfte eine Allianz eingehen, dem immanenten 20% tigen – Anteil rechtsradikaler Weltsicht in unserer Gesellschaft die Grenzen  aufzuzeigen! Zu befürchten ist allerdings das Gegenteil. Die Ausweitung des Unpolitischen, die Ausweitung der Egoismen in Wirtschaft und Gesellschaft bereitet den Boden für unselige Zeiten.  

Stattdessen zieht die Arroganz und ethische Dummheit á la AfD in die Parlamente ein. Es wird klar sein, dass damit, sollte der Zulauf zu dieser nationalkonservativen bis nationalistischen Partei anhalten, sie irgendwann an der Regierung teilhaben wird. Und es ist vorauszusagen, dass nach dem Muster Polens, Ungarns und dem alten Erben der Faschisten sie alles tun wird, die Rechtsstaatlichkeit zu schwächen und die Demokratie in eine diktatorisch ähnliche Autokratie umbauen wird. Die Regionalpartei CSU mit ihrem verqueren Selbstverständnis bewegt sich mit ihren negativen Vorbildern auf gleichen Pfaden.    

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