Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Ästhetik – natur- und menschbedingt

 

„Ansehen fördert die Künste.“ – Marcus Tullius Cicero

Nur die Natur schafft ästhetische Wirkungen und in seinem temporären Dasein eben auch sehr schnell vergängliche Kunst, von der Adorno sprach, wenn als Bedingung die Zwecklosigkeit erfüllt war.

„Erst an dieser Stelle, wo es keinen Zweck erfüllt, es gleichsam als ein An-sich-Seiendes auftritt, bedeutet ein Kunstwerk überhaupt etwas.“

„Aufgabe von Kunst ist es heute, Chaos in die Ordnung zu bringen.“ – Theodor W. Adorno, Minima Moralia

Spannungen zwischen dem sinnlichen und dem geistigen Erkennen bedürfen immer einer dekonstruktiven Analyse einerseits, sowie einer Auflösung und damit andererseits die Akzeptanz von Sinnlichkeit und Geistigkeit. Heute scheint der sinnliche Genuss, oft reduziert auf Geschmack und zeitgeistigem Stil, die Überhand zu gewinnen. Die geistigen Fähigkeiten auch im Sinne der Kritik der Urteilskraft (Kant) scheinen mehr und mehr ins Hintertreffen zu gelangen. Doch Genuß ohne geistige Durchdringung bleibt reiner Konsum.

„Die Schwierigkeit und das eigentliche Problem einer wirklichen philosophischen Theorie des Schönen, die ja nun einmal das Zentrum des Ästhetischen abgibt, läßt sich vielleicht auf diese Weise formulieren: Auf der einen Seite ist es unmöglich, einen Begriff des Schönen derart zu konstruieren, daß die Spannung zwischen diesen Momenten – den Momenten des Sinnlichen und des Geistigen – einfach weggeräumt wird, indem die beiden in eine ununterschiedene Einheit gesetzt werden, wie es mit dem Symbolbegriff immer wieder versucht worden ist. Auf der anderen Seite aber ist es auch genau so unmöglich, nun den Begriff der Schönheit oder die Idee der Schönheit zu polarisieren in der Weise, daß sie sagen: Das Schöne setzt sich zusammen aus einem Sinnlichen und aus einem Geistigen, und das Sinnliche ist dabei bloßer Träger des Geistigen. Das Wesen der Bestimmung des Schönen scheint mir vielmehr darin zu liegen, daß zwar diese beiden Momente als voneinander unterschiedene, also als gegeneinander gespannte vorliegen, daß sie aber durch einander vermittelt sind. Das heißt, daß es nichts Geistiges im Kunstwerk gibt, das nicht zugleich auch sinnlich wäre, und daß es nichts Sinnliches im Kunstwerk gibt, das nicht zugleich auch geistig wäre, ohne daß dabei aber nun das Geistige und das Sinnliche jemals einfach ineinander aufgingen.“ (S. 165 f. Adorno in Vorlesungen zur Ästhetik) 

Jede vom Menschen bedingte Ästhetik bedarf beider Momente, um als Werk, als Handlung und als Darbietung Kunst zu sein.

„Und ein Kunstwerk verstehen heißt unter diesem Aspekt eigentlich gar nichts anderes, als der Konstellation oder der Dialektik innewerden, in der diese Momente zueinander stehen, also zu verstehen, in welcher Weise das Sinnliche das Geistige ist und in welcher Weise das Geistige sinnlich ist, die beiden Momente also immer auseinanderzuhalten und immer doch zugleich zusammenzudenken. Wer nur die sinnliche Seite des Kunstwerks wahrzunehmen vermag, der befindet sich im Grunde in einem vorästhetischen oder (…) in einem kulinarischen Zustand.“ (S. 166 ebd.)

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