Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Wenn Geschichte sich fatal zu wiederholen droht

Der 1884 geborene deutsche Autor und Schriftsteller Lion Feuchtwanger schrieb seine Trilogie „Erfolg – Die Geschwister Oppermann – Exil“ in den Jahren 1930, 1933 und 1940. Seine Beschreibung der Intrigen und des Zustandes der bayrischen Realität des Jahres 1930 im ersten Band „Erfolg“  sind ebenso ein Spiegelbild der heutigen Zustände wie die Beschreibung der Veränderung des liberalen Bürgertums durch das schleichende Gift der rechtsradikalen Propaganda und ihrer sprachlichen und handelnden Grenzüberschreitungen in allen Teilen der Gesellschaft im Zeitraum 1932/1933.

Erschreckend auch die Wiederholung des gesellschaftlichen Abdriftens in autoritär-totalitäre Zielbeschreibungen, in gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sowie in die Verbreitung demokratiezerstörender Konzepte und Modelle des Faschismus, sobald die ökonomischen Rahmenbedingungen für  den Großteil der Bürgerschaft sich extrem verschlechtern. Auch hier wieder die Parallelen der damaligen Zeit hin zur Entwicklung der Hitler-Diktatur ähnlich dem heutigen Zustand in Deutschland und Europa hin zum völkisch-konservativen Nationalismus.

Engstirnigkeit, Ängstlichkeit, Vorurteile, Gefühlsarmut/Empathieunfähigkeit, Sprachlosigkeit, Hass und Gewaltbereitschaft auf der einen Seite sowie Gier, Vorteilsnahme, Machtmissbrauch, politische Büttelhaftigkeit und Reichtum auf der anderen Seite sind zum Ende der Weimarer Republik mit vielen Parallelen sichtbar und vergleichbar mit der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung des Jahres 2018. Was die große Arbeitslosigkeit in den Jahren 1928-1933 betraf, entspricht den prekären und selbstausbeutenden Arbeitsverhältnissen der heutigen Zeit. Auch zum Ende der Weimarer Republik waren die Auslöser für die Not und das Elend der Arbeitnehmer ein Börsencrash und Kapitalvernichtung, vergleichbar  der Banken- und Finanzkrise in den letzten Jahren. Das Ergebnis war das Auseinandergehen der Schere zwischen Arm und Reich.

Auf dem rechten Auge blind seiend und in die Exekutive hinein tragend waren damals wie heute Ursachen für den Rechtsruck in die autoritäre und terrorisierende Staatsform der Hitler- und Nazi-Diktatur. Weitere Parallelen werden sichtbar durch die Bereitschaft der konservativen Kräfte mit den Rechtsradikalen unsägliche Bündnisse einzugehen. Die Wiederholung zeigt sich aktuell, wenn Planspiele in Sachen bei der dortigen CDU bestehen, zukünftig mit der AfD zusammen die Regierung zu stellen.

Auch heute zeigt sich der verquere Gedanke der Konservativen, dass dem rechten Spuk und dessen Ziel, die Demokratie zu zerstören, in einer Koalition mit der AfD schon Einhalt geboten werden könne. Die Geschichte lehrt uns eines fürchterlich anderen Erkennens, dass – sobald der Fuß der Rechtsradikalen in der Tür zur Regierungsmacht steht – der politische Gegner liquidiert wird. Österreich macht es gerade vor – die heimlich geplante Einschränkung der Pressefreiheit ist erst der erste Schritt der völkischen Rechten in der dortigen Koalition.

Update vom Tag der Deutschen Einheit: 031018 siehe Link: Wer Rede- und Pressefreiheit einschränkt, der sperrt auch Menschen ein und weg. Ungarn und die Türkei sind aktuelle Beispiele. Wer in deren Einflussbereich als kritischer Geist lebt, kann nur diese Länder verlassen. Die Emigration und Flucht wird dann für den, der Mittel genug hat, zur lebensrettenden Notwendigkeit. Der große Rest der Bevölkerung wird sich ducken, wird schweigen und hoffen, verschont zu bleiben oder sich zum verbrecherischen Mittun entscheiden. Wie im Schneeballsystem wird die Lawine dann ins Verderben führen. Das Ausgrenzen nach innen und außen, das national-patriotische und völkische wird sich gewaltsam Bahn brechen. Das Recht des Stärken, „America first“, „Hungary first“, „Turkey first“ wird sich wieder für eine Zeit lang etablieren. Diesem Gedanken per Krieg Nachdruck zu verleihen, wird die logische Konsequenz sein.

Lion Feuchtwanger beschrieb die Entwicklung zum Holocaust bevor dieser Realität wurde. Ein Blick in diesen erzählerisch fesselnd dargestellten Weg in den Abgrund, auf den sich Deutschland bewegte, sollte heute den Blick über den Tellerrand ermöglichen. Vielleicht hilft es, das gute Leben in der Demokratie zu erhalten.

Update II vom 041018: Bertelsmann-Studie zum Thema Populismus

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