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Schere im Kopf vom Chefredakteur – exemplarisches Beispiel für falsch verstandene Aufgabenerfüllung

Nichts gehört der Vergangenheit an, alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden“
(Fritz Bauer, 1903-1968, Generalstaatsanwalt in Frankfurt und Urheber der Auschwitz-Prozesse)

Mit diesem Zitat beginnt der Journalist Bernhard Serger eine Geschichte um Zensur oder vornehm zurückhaltend beschrieben, um eine Entscheidung des Managers in der Position des Chefredakteurs der Badischen Zeitung, die an das Verhalten der „Schere im Kopf“ erinnert.

Diese hat dazu geführt, den Bericht des Journalisten  – nach der Printveröffentlichung – aus der Online-Präsentation zu löschen und keine Lesebriefe zuzulassen. Der Bericht hatte zum zentralen Inhalt, dass bei einer Werbebroschüre um das 80jährige Bestehen eines Geschäftes in Freiburg,  von der Existenz des Geschäftes vor 1937 und der Arisierung des Geschäftes keine Erwähnung erfolgte. Der jüdische Unternehmen, der von den Nazis gezwungen wurde, sein Geschäft weit unter Wert abzugeben, führte bis 1937 das damals schon 60 Jahre alte Unternehmen, das vom Gründer 1887 eröffnet worden war.

Der heutige Inhaber hatte dieses Unternehmen vom ehemaligen Profiteur der Arisierung in den 1980er Jahren übernommen . Auch wenn der heutige Inhaber nichts mit den Nazizwängen auf jüdische Besitzer zu tun hatte, erwähnte er aber nichts von der Arisierung und der unseligen Vorgeschichte. Das aber kann als Geschichtsverdrängung gewertet und missverständlich verstanden werden. Zumindest hinterlässt dieser Fakt ein Geschmäckle, welches in seinem Sozialcharakter Bestandteile von Gedankenlosigkeit enthält.

Es muss doch klar sein, dass zur angestrebten „Identität von langjähriger Qualität“ vom heutigen Besitzer sich auf einen Zeitraum bezogen wird, der von einem „unmoralischen Raum“ und „zweifelhaften Zeiten“ definiert ist. Dieses zu verschweigen, diskreditiert geradezu die beworbene Identität. Es verweist sogar auf eine gewisse  Verantwortungslosigkeit, die zugleich Ausdruck des Zeitgeistes ist und unfreiwillig zur Bejahung der heute wieder praktizierten gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit wird. Als Ergebnis wird auch damit der gesellschaftliche Sozialcharakter deutlich nach rechts und in die radikale Geschichtsverdrängung verschoben.

Die Potenzierung dieser Wirkung erfolgt jedoch durch die Entscheidungen des Chefredakteurs. Statt konstruktiv und verantwortungsvoll mit den notwendigen Fakten zur Berichterstattung umzugehen, wird zensiert, versteckt und unterlassen. So arbeitet dieser Mensch an dem Zerfall der aufklärten und souveränen Identität mit, und ermöglicht die Zufallsproduktion historischer, sozialer und kultureller Faktoren, deren zeitgeistige Prägung deutlich an der Richtungsänderung zur Rechtsradikalität mitwirken.

So schaffen beide Akteure in der geschäftlichen Beziehung eine marketingbedingte Realität, die nichts mehr mit Authentizität zu tun hat, sondern eine künstliche Wirklichkeit vorgaukelt, die rundum geschichtliche und persönliche Wahrheitsfakten ausklammert. Dafür kann es keinen Beifall geben!

Die nachfolgenden Texte lassen den Vorgang durch den Berichterstatter und den Kommentar auf der Plattform Meedia nachvollziehen.

  1. Kommentar von Bernhard Serger über ein merkwürdiges Verhalten beim Chefredakteur der Badischen Zeitung mit Tendenz zur „Schere im Kopf“
  2. Artikel  von Bernhard Serger im eigenen Layout zuvor in der Badischen Zeitung veröffentlicht.

Update:

Dass ein schleichendes Gift des falschen Verantwortungsverhaltens nicht nur bei Medienvertreter Wirkung zeigt, sondern auch in anderen Ländern und anderen Gesellschaftsbereichen, das zeigt ein Bericht zum juristischen Alltag in Spanien. Im Sinne der Banalität des Bösen und Menschenschädigenden (auch und gerade durch das pervertierte Finanz- und Bankwesen), welches sich nur vermeintlich als nicht absichtsloses Handeln mit verheerenden Folgen für die vielen abhängigen Mitmenschen zeigt, produzieren selbst oder gerade Funktionsträger der höchsten Gerichten noch „fremdbestimmte Unmündigkeiten“!

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