Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Nostalgiemärchen als Ersatz für Lösungen gesellschaftlicher Probleme beschreiben das rechtsradikale Vorgehen

Die versprochenen Früchte im politischen Herbst des Jahres 2018 sind zwar rot, aber nicht gesund.

Den wirklich reaktionären, unmissverständlich Machtgierigen in den rechtspopulistischen bis rechtsradikalen Bewegungen, wie Trump in den USA und Gauland, Weigel und Höcke in der AfD, stilisieren sich als Opfer der Reichen und Etablierten. Dabei gehören sie selber zu den Privilegierten und Vermögenden, ja propagieren das Ziel des Neoliberalismus in  verschärfterer Form, in dem sie – wie Alice Weigel – für den Finanzkapitalismus (Goldman Sachs) tätig waren oder – wie Trump – die Macht missbrauchen und Steuererleichterungen durchsetzen, welche lediglich den oberen 20 Prozent der Vermögensinhaber zugutekommen. Meist verbunden durch Einschränkungen im Bereich der Daseinsfürsorge und zulasten der sozialen Absicherung oder der dringend benötigten Finanzierung z.B. von Bildung und Gesundheitsreformen.

Dennoch werden sie nicht als „Falschspieler“ von ihrer Klientel bewertet. Die Methode, sich zu Opfern zu erklären, ist in allen Fällen gleich. Sie begehen ständig Grenzüberschreitungen hinsichtlich gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und gegen demokratische Rechtsstaatlichkeit. Diese – sogar teilweise rechtswidrigen – Vorgehensweisen werden dann zu Recht kritisiert und auch in der Öffentlichkeit darauf hingewiesen. Dann kann man sich als Opfer des Establishments darstellen.

Dennoch „verzeiht“ oder übersieht die eigene rechtsgerichtete Klientel dieses Paradoxon und stellt sie von jeglicher Fremdtäuschung frei. Analytisch gesehen weist dieser Fakt auf die Wirkweise der rückwärts gerichteten Werteversprechen der Rechtspopulisten hin. Nostalgisch verbrämt wird ein Weltbild von „Ordnung“ vermittelt, in dem Figuren wie Gauland, Weigel und Konsorten als „fürsorgliche Autoritäten“ versprechen für Führung zu sorgen, unter der  die Bürger sicher leben und – falls nötig –  durch Zwang, Ausgrenzung und staatlicher Kontrolle den – sich dem nicht unterwerfenden – Mitmenschen schon Beine machen zu wollen. Es wird das Märchen erzählt,  die ehemals so „erfolgreiche“ Werteordnung der 1933er und 1950er Jahre wieder herstellen zu wollen. Dann würde eine „Harmonie“ von Herrschenden und Beherrschten (Herr und Knecht / Herrenmensch und Untermensch) wieder zur Geltung gebracht werden. Und alles werde gut! Die Verniedlichung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder das Leugnen der massenhaften Mitschuld daran wird entweder selber von den selbsternannten Führungseliten der AfD – der Armseligkeit für Deutschland – praktiziert (Björn „Bernd“ Höcke) oder toleriert, mit dem Ziel, die Regierungsmacht zu demontieren und zukünftig selber zu erhalten. (*)

(*) Prof. Dr. Christoph Butterwegge weist in seinem Beitrag auf Zeit Online vom 24.10.2018 auf die Fremdtäuschungsabsichten der AfD-Parlamentarier hin, die den Parlamentsalltag in verheerender Weise mit Rechtspopulismus überzieht.

Weil keine Lösungen zu den real bestehenden Problemen der Gesellschaft angeboten werden, kann sich auf das Nostalgiemärchen konzentriert werden. Es werden mit diesem Narrativ und Denkmodell ja keine real notwendigen Entscheidungen getroffen, sondern nur Luftschlösser versprochen. Der inhaltliche Achsenbruch des Herrn Gauland zeigte sich, als er zu diesen notwendigen Zukunftslösungen befragt wurde und keine Antworten hatte und seine Unfähigkeiten in vielen Interviews zur Genüge sichtbar wurden.

Zu den Grenzüberschreitungen der rechtsnationalistischen AfDlern gehören auch die Schuldzuweisungen (die 68er – Generation und die Sozialdemokratie einerseits, sowie die Flüchtlinge und der Islam andererseits) und die Unterstützung von Vorurteilen. Eine perfide Selbstinszenierung und wirkmächtige Fremdtäuschung der vielen Unzufriedenen, die mit Pegida-Aktionen und Fremdenhass-Schürung eingefangen werden.

Nostalgie ist eine machtvolle politische Motivation, vielleicht noch stärker als die Hoffnung. Hoffnungen können enttäuscht werden, Nostalgie aber ist unwiderlegbar“. Mark Lilla

Was ist dem entgegen zu setzen? Das Versagen der SPD, weil sie sich dem Wertekanon der CDU – nämlich den Schutz der Vermögenden, die Ausrichtung nur auf die Industrie und den Finanzkapitalismus, die Vernachlässigung der Daseinsfürsorge – nicht nur genähert hatte, sondern durch die Agenda 2010 noch übertroffen hatte, ist rückgängig zu machen! Es ist wieder Sozialdemokratie zu realisieren, dann kann ein Aufhalten der Demokratiezerstörung gelingen.

Das ist bei dem Hype der Grünen-Partei durch jene kaum zu erwarten. Dort haben sich die Kräfte á la Wirtschaftsliberalismus der FDP und die Verteidigung der Mittelschichtprivilegien mit angehauchter Umweltthematik durchgesetzt. Es steht zu befürchten, dass der neue grüne FDP-Ersatz die Fehler der alten privilegierten Etablierten nicht korrigieren und den Demokratieabbau nicht aufhalten wird.

Update vom 251018:

Franziska Schreiber …Aus dem Innenleben der AfD – die eigentlichen Demokratiegefährder!

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