Bald wird es wieder zu spät gewesen sein oder vom Blindsein für die wirklichen Gefährder

Da ohne das Denken – auch und gerade das der Art nach philosophische – kaum jemand der Menschen etwas über Moral wüsste, ist die Schlussfolgerung wohl legitim, wenn auch nicht zureichend, dass diejenigen, die keine Moral haben, wohl auch nicht richtig denken. Das Böse nannte Hannah Arendt im Blick auf Adolf Eichmann gedankenlos. Dabei bedachte sie, dass gerade in der Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsteile bis hin zur Stigmatisierung die Quelle der Banalität des Bösen liegt, weil für die ausgegrenzten Mitmenschen nicht mehr der Schutz, der Respekt  und die Solidarität gelten solle, wie für die privilegierte Klientel.

Das traf auf die Taten der Nazis hinsichtlich der vernichteten Menschengruppen ebenso zu, wie es heute zutrifft auf die Taten der von Trumps hofierten „weiße Rassisten“ oder den von der AfD hofierten rechtsradikalen Kräfte. Dass diese Kräfte die eigentlichen Gefährder der Demokratie darstellen, scheint nun auch den Verfassungsschützern aufzugehen. Dass genügend Brandstifter unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit sukzessive ihre Gesinnung unters Volk bringen und alle Mitmenschen, die außerhalb ihres rechtsnationalen und neoliberalen Weltbildes stehen, auch sprachlich diffamieren („Linkgsgrüne ähneln immer mehr politischen Zombies…“)  und damit die Ausgrenzung salonfähig machen und  vorantreiben, ist an genügend Beispielen nachvollziehbar.

Das Selberdenken schützt nicht automatisch vor Destruktionsverhalten und bestätigt, dass Gedankenlosigkeit zur Ursache der Banalität des Bösen werden kann, vor allem, weil zwar Erkenntnisvermögen vorhanden ist, es aber nicht eingesetzt wird aufgrund fehlender positiver Moral. Deshalb gehört zur Aufklärung auch, auf fehlende Verantwortung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aufmerksam zu machen und Täter auch Täter zu nennen. Nur so kann Schaden anzurichten verhindert werden.

Ein Trump befeuert ebenso skrupellos den gefährlichen Mangel an Urteilskraft bei seiner Klientel, wie dies auch die Figuren der AfD von Gauland, Weigel, von Storch bis zu Höcke und Konsorten  mit ihren Grenzüberschreitungen praktizieren. Eine solche Kritik ist notwendig, aber nicht ausreichend. Es muss seitens der  sozialliberalen und demokratischen Kräfte auch endlich politisches Handeln erfolgen  und in exekutive Aktivitäten gegen die rechten Brandstifter und Gefährder münden. Denn die Akzeptanz, dass Menschen unter dem Etikett von Meinungsfreiheit und Besorgnis oder Angst ihre Ressentiments, Menschenfeindlichkeit und Hassbereitschaft ausleben können, ist unerträglich.

Nach 70 Jahren Ächtung der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und des rechtsradikalen Denkens, wird die Akzeptanz zur Antiaufklärung und Täuschung ebenso immer größer, wie der Glaube eines beachtlichen Anteils der Bevölkerung an die Propagandainhalte und Dumpfheit der Trumps  dieser Welt. Somit wird es zur Notwendigkeit, das Recht auf jeden unmoralischen und unethischen Gedanken zu verweigern.

Update vom 09.11.2018:

Ein überlebender Zeitzeuge der sogenannten „Reichspogromnacht“  berichtet in der NZZ und zieht folgende Schlussfolgerung:

“ Ich glaube nicht, dass die Menschen aus der Geschichte lernen. Der Weg von der Zivilisation zur Barbarei ist kurz

Wer die tumben Horden betrachtet, die den 09.11.2018 für ihre böswillige Ignoranz und Gesinnungstrottelei missbrauchen, könnte geneigt sein, dem Zeitzeugen Recht zu geben.

Update II vom 09.11.2018

Die Sprache entlarvt ihn – dem Merz mit dem kleinen „e“. Die Kategorien seines Denkens, die auch sein Handeln bestimmen, sind von reiner Kälte der puren Ökonomie geprägt. Für die sozialen Werte bleibt kein Platz. Menschen sind reine Faktoren im Planspiel der Umsetzung elitärer Ziele. Der Schutz die Vermehrung der Vermögen sind die dominierenden Themen in seinem Weltbild. Das Verkaufen dieser Ziele ist Gegenstand von Propaganda – in seiner Blackrock und Goldman Sachs- Sprache Marketing genannt- und deshalb ist der Diskurs um die inhaltlichen Ziele der Partei, einer Gruppe von Menschen mit ihren Vorstellung von Lebensentwürfen auch nur ein „Markenkern“.

Wer ihn zum Vorsitzenden wählt, ist entweder Anhänger seiner Lebensphilosophie – Finanzmacht ist alles, was die Welt ausmacht – oder zu naiv zu erkennen, welche Verkürzung die politischen Inhalte des „Merz´schen Weges“ bedeuten.