Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Die Lüge in der Welt der Politik

Eine Lüge hat dreimal den Weg um den Globus gemacht, ehe die Wahrheit Zeit hatte, die Stiefel anzuziehen.  Mark Twain

Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen gegenüber deinen Nächsten. Auf Deutsch: Du sollst nicht lügen. Ein mehrere Jahrtausend altes Gebot, in Stein gemeißelt und religiös verankert – und dennoch täglich eingesetzt. Was eine Lüge ist, scheint jeder zu wissen. Und ab einem bestimmten Lebensalter – dann, wenn der entwickelte Intellekt ein Kind erkennen lässt, was täuschen, verschweigen, umformulieren, bewusst schädigen ist – dann lügt schon ein Kind und weiß, dass es dies tut.

Die Lügen führen in die Irre, zerstören Vertrauen und Freundschaften. Entziehen dem Zusammenleben den Boden, was den Respekt gegenüber den anderen und die Würdigung der anderen Person betrifft. In einem besonderen Umfeld scheint die Lüge zur alltäglichen und grundsätzlichen Form der Kommunikation geworden zu sein: in der Politik bei der Darstellung von Konflikten und als Begründung für bestimmtes Handeln.  

Bei den alten Griechen war Platon über das Potenzial der Lüge bestens informiert. Sein Odysseus nutzte so manchen Trick, so manche Täuschung, um sich aus den Gefahren zu befreien. Platons Lob könnte so zusammengefasst werden: Die Intelligenz ist dem wahrhaftigen, aber naiven und wenig wissenden, bildungsfernen Menschen überlegen – ihn deswegen zu täuschen, in die Irre zu führen und zu manipulieren, fällt dann umso leichter.

Daraus folgt: ist Lügen immer falsch? Oder darf ich mein Leben, das in Gefahr ist – z.B. bei der Gefahr, gefoltert zu werden durch unmenschliche Schergen von den Gestapo-Knechten, über die Stasi-Verbrecher bis zu den CIA- und Guantanomo-Söldnern – durch Lügen versuchen zu retten? Und ist dies eine andere Lüge, als die des korrupten Politikers, der sich den Interessen der Lobbyisten anbiedernd unterworfen hat und bei Aufdeckung seiner Taten, die Öffentlichkeit belügt? Und unterscheidet sich dann qualitativ nochmals die politische Unwahrheit durch voreilige Schlussfolgerungen wie in Sachen Vergiftung des Doppelspions oder bei den ausbeutenden, gierigen Unternehmern á la Cambridge Analytica/Facebook-Skandalen, wenn als Erklärung falsche Fakten und falsche Weltbilder als Wahrheiten verbreitet werden?

Wahrnehmung von Fakten und deren Wertung aufgrund von Bildung , Information und Wissen sowie Erkenntnissen beeinflusst den Empfänger, der statt zu denken, zu hinterfragen und kritisch zu werten, nur naiv glaubt und Fake-News hinterherläuft.

Welche Abhilfe kann geschaffen werden, um die Lüge zu entlarven und den entlarvten Lügner mit Konsequenzen zu konfrontieren? Ist Kants „kategorischer Imperativ“ – Handle nur nach der Maxime, von der du zugleich wollen kannst, das sie ein allgemeines Gesetz werde“ eine Lösung zur Vermeidung der Lüge und der daraus resultierenden Manipulation der Menschen? Wie muss einem Menschen begegnet werden, der sich nicht Kants Moral anschließt, sondern Machiavellis „Der Fürst“ und dessen Beratungsinhalte zu eigen macht?

Der Politiker – als Machiavellist – täuscht, lügt, heuchelt, vertuscht und verfälscht Fakten, um das Volk auf die falsche Fährte zu führen und zu manipulieren.

Können Wahrhaftigkeit und Kontrolle als regulierende Elemente und die philosophischen Grundlagen von Platon über Augustinus, Thomas von Aquin, Kant, Nietzsche bis Harry Frankfurt helfen, die Scheinwelt der Politik zu durchschauen?

Lügen schaffen eine Scheinwelt, mit dem Ziel, andere auszuschließen oder sich nicht ihrer Schuld stellen zu müssen. Einerseits wird die Autonomie der belogenen Menschen dadurch beschädigt, weil die selbstbestimmten Entscheidungen behindert werden. Transparenz, Kontrolle und Aufklärung stehen für ein menschenwürdiges Leben – nicht dagegen die Lüge, die Täuschung und die Verheimlichung.

Update vom 01. April: Die Mittel entheiligen den Zweck!

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