Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Chemnitz – das Antlitz verbrannter Erde der Menschlichkeit

Rechter Idealismus ist der Despot des sich aktuell  ausbreitenden Denkens – Politik ist der Despot des Machtwillens und seiner Blindheit auf dem rechten Auge  – Wirtschaft ist der Despot des unsolidarischen Handelns und der Ausschöpfung und Maximierung der Gewinne (jwb)

“Man kann sagen, dass der Faschismus der alten Kunst zu lügen gewissermaßen eine neue Variante hinzugefügt hat – die teuflischste Variante, die man sich denken kann – nämlich: das Wahrlügen.” – Hannah Arendt,

“Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.” – Max Horkheimer

Wer sich die Sprache der neurechten Schreiber und Redner wie Götz Kubitschek in Deutschland, Martin Sellner in Österreich oder Renaud Camus in Frankreich anschaut, stellt fest, dass sie mit verqueren Gedankengebäuden arbeiten, die Umschreibungen von Blut und Boden-Theorien enthalten, sowie von rassistisch-völkischen Abstammungswurzeln der alteuropäischen Germanen und Franken  und den Trennungsnotwendigkeiten der Ethnien faseln. Renaud Camus fantasiert von einem „großen Austausch“ der weißen Ethnien durch fremde Ethnien und nichtchristlichen Religionen.

Sowohl Kubitscheck als auch Renaud Camus wohnen und leben in ehemaligen Ritterburgen und produzieren einen mythologisch angehauchten Stil des Bemühtseins zur Vermeidung alter, völkisch-rassistischer und nationalsozialistischer Vokabeln, obwohl gerade in den sichtbar gewordenen Argumenten und Behauptungen nichts Anderes an Inhalten erkennbar wird. Mit Martin Sellner haben die vorher Genannten die Ideologie der Identitären Bewegungen als Kernstück ihrer Pseudotheorien gemeinsam. Auch hierin wird sichtbar, dass zwar von „Ethnopluralismus“ gesprochen wird, aber Rassismus gemeint ist. Im Zentrum steht die propagandistische Vokabel vom „Großen Austausch“. Damit wird die angstbesetzte These unters verschwörungsaffine Volk gebracht, dass durch die Migration die alt-europäische Bevölkerung gegen eine nichteuropäische „ausgetauscht“ werde.

Mit den Mitteln der Schulung (Kubitschecks` „Institut  für Staatspolitik“ ) der öffentlichen Redner bei den rechtsradikalen Gruppierungen wird versucht, gebetsmühlenartig die rassistische und fremdenfeindliche Argumentation in die potenziell vorurteilsgläubigen und verschwörungsnahen Köpfe zu hämmern, insbesondere bei den  Bevölkerungsteilen der östlichen Bundesländern. Die “Experten und Führungskräfte” aus dem Netzwerk der Rechtsradikalen und der AfD übernehmen in den Schulungen die Propagandasprache der Provokation, der Hetze und begehen moralisch-ethischen Grenzüberschreitungen bis hin zu den versteckten Aufrufen zur Gewalt gegen andersdenkende und anderslebende Menschen.

Ziel ist die Abschaffung demokratischer Strukturen, die Schwächung der Ordnungskräfte und die Destabilisierung der Öffentlichkeit. Stattdessen sollen autoritäre, totalitäre, ausgrenzende und unterdrückende Strukturen an ihre Stelle treten. Dass Kubitschecks wirtschaftliche Aktivitäten nahelegen, dass sie durchdrungen sind von nationalökonomisch-neoliberaler sprich urkapitalistischer Machart, sollte vor allem die Lohnempfänger in seiner Anhängerschaft nachdenklich machen. Dass er zudem als „spiritus rector“ der AfD gilt, zeigt ein weiteres Mal deren Nähe sowohl zum völkisch-rassistischen Weltbild sowie den Neoliberalismus der AfD-Abgeordneten.

Der Rechtsextremismusforscher Helmut Kellershohn vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung e. V. (Abkürzung DISS  )  beschreibt den Rechtsextremismus bei Kubitscheck und Kumpanen als eine „Synthese von Nationalismus und Rassismus“, erkennbar an den kernideologischen Kategorien

Zitat

  • „die Gleichsetzung von Volk und Nation, also die Idee einer nach völkisch rassistischen Kriterien ‚homogenisierten Nation‘“,
  • „die Rechtfertigung eines ‚starken‘ (sprich: autoritären bis diktatorischen) Staates“,
  • „die Überhöhung des Volkes zu einem Kollektiv-Subjekt“ (siehe Volksgemeinschaft),
  • „die Heroisierung des Volksgenossen, des ‚anständigen Deutschen‘“,
  • „umgekehrt die völkisch/rassistische Konstruktion eines inneren Feindes“ (siehe SündenbockfunktionFremdenfeindlichkeit),
  • „ein biopolitisches Verständnis des ‚Volkskörpers‘“,
  • und „ein chauvinistischesMachtstaatsdenken“.

Zitatende  Quelle:  wikipeadia

Statt die Bedingungen für die sozialen Verwerfungen in den herrschenden Strukturen der heutigen westlichen Gesellschaften der EU und den USA in den nachstehenden Kategorien zu verorten, wird ein mit den Versatzstücken der Neo-Nazi-Ideologien durchtränkte Pseudotheorie aufgetischt.

1: Klimaveränderungen

Zunächst ist der Hinweis auf die Klimaveränderungen sinnvoll. Historisch waren schon immer Klimaveränderungen und ihre Folgen wie Dürre, Wasserknappheit, Versteppung und Wüsten dort, wo vorher Ackerflächen waren, ursächlich für die Flucht der dort lebenden Menschen in andere Regionen. Afrika und die Sahelzone sowie die Dürren  in Ostafrika sind dafür  exemplarische und aktuelle Beispiele.

2: Kriege

Die großen Kriegsereignisse im vorderen Orient seit den 1990er Jahren, die Destabilisierung der Staaten wie Syrien, Irak und Iran sind weitere Ursachen für die Flüchtlingsströme. Die mit Kriegen geführten Einflussnahmen der westlichen wie östlichen Großmächte sind jedoch zunächst ebenso ursächlich für die Wanderungsströme in friedliche Staaten. Die dortigen kulturellen Traditionen der geflüchteten Menschen führen zu Konflikten mit anderen Lebensentwürfen in westlichen Industrienationen. Besonders dann, wenn die Infrastruktur zu spät aktiviert wurde und fehlende Ressourcen eine kontrollierte Einreise unmöglich machten. Eine geordnete Integration wurde versäumt. Dass sie durchaus gelingen kann, lässt sich an den verschiedenen Orten und positiven Beispielen nachvollziehen.

3: Ressourcenverknappung

Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen insbesondere in den afrikanischen Ländern durch Großmächte jeglicher Couleur einschließlich der Wasserversorgung, die privatisiert wurden (Néstle als Negativbeispiel) sind weitere Ursachen für eine Art Völkerwanderung. Die Gefahren für die nackte Existenz sind überwältigend. Nowendige Hilfen zur Selbsthilfe wurden nicht ausreichend installiert. Die Bedingungen für die dort lebenden Menschen  (Hunger – Durst – Krankheiten) lassen Afrika ein weiteres Mal in Richtung Europa aufbrechen. Die nationalistischen Lösungsmodelle auch von EU-Ländern verschärfen durch fehlende Solidarität die Lage.

4: Verteilungskämpfe

Die Verteilungskämpfe auf den verschiedensten Ebenen führen wiederum zur Ausbreitung negativer Verhaltensweisen. Auch diese sind in der Historie der Menschen seit jeher geführt worden mit gleichen Ergebnissen. Was früher als Todsünden bezeichnet wurden (Neid, Völlerei, Selbstsucht, Habgier, Geiz, Wut/Hass etc.) wird heute sozialpsychologisch kategorisiert als Persönlichkeitsstörungen und Suchtstörungen. Das Ergebnis ist das gleiche: Egoismus, fehlende Empathiefähigkeit, Hass und Gewalt breiten sich aus.

Die ökonomische Struktur und der Neoliberalismus als moderne Variante des Kapitalismus schaffen diese Bedingungen, die zu Armut und Ersatzkriegsschauplatzauseinandersetzungen zwischen den Betroffenen der neoliberalen Ausgrenzung und Benachteiligung führen, egal aus welchem Land sie stammen.

Im Wertekanon der Rechten fehlt dieser Blickwinkel völlig (oder wird bewusst ignoriert) und wird von Parteien wie der CSU oder der AfD auch bewusst überdeckt. Stattdessen werden die Vorurteile und das Sündenbocksystem ins Bewusstsein der Menschen gepeitscht. Da kommt das Judentum dem Nazi im Nationalsozialismus ebenso recht, wie der (islamistische) Fremdenhass den Neonazis und Salonrechten mit neoliberalem Zuspruch heute.

Es ist ja auch viel bequemer dem Fremden mit Gewalt auf der Straße zu begegnen, als dem Ausbeutungssystem des Neoliberalismus als Ursache für die eigenen gescheiterten Lebensentwürfe entgegen zu treten. Das Abreagieren mittels Lynchaktionen und Pogromen öffnet jeglicher Wut ein Ventil- ganz im Sinne der Brandstifter und Profiteure. Dieses Verhalten schafft aber keine notwendigen und zureichenden Veränderungen der sozialen Bedingungen.

Die Bedingungen in den neuen Bundesländern sind zudem noch von der eigenen Sozialisation der letzten 80 Jahre geprägt. Eine Aufarbeitung der totalitären Strukturen ist nicht im geringsten Ansatz geschehen. Die nachhaltigen Wirkungen sind nun aktuell mit der Durchdringung des rechts-konservativen bis rechtsextremen Weltbildes nachvollziehbar. Chemnitz ist das Ergebnis! Pegida ist die wuterfüllte Ausdrucksform, die AfD und die rechtsradikalen Netzwerke die Plattform.

“Wir sind das Volk” zu skandieren, ist Selbsttäuschung par exellence. Und, wer so unhinterfragend auf von rechtsextremen Brandstiftern organisierten und instrumentalisierten Demos mitläuft, ist ebenso mitverantwortlich für die Banalisierung des Bösen. (Hannah Arendt)

Warum wundern diese Mitläufer sich dann, wenn sie von besonneren Menschen gefragt werden, ob sie Nazis sind? Es gibt kein richtiges Leben im falschen! Wer Straftaten billigt, macht sich ebenfalls schuldig. Die Standardaussagen, man sei kein Nazi, wirkt nicht überzeugend. Und das Volk sind sie noch lange nicht, allenfalls ein “völkisches Völkchen” aus den Untiefen Sachsens.

Update: Ein Text dazu.

Update2: Ein weiterer Text zum Thema: Vernetzung von AfD, Pegida und dem rechtsradikalen Netzwerk.

Die dort aufgeführte These, das Ziel der rechtsextremistischen und völkisch-nationalen Vertreter von AfD sei die “bürgerliche Mitte” ist nachvollziehbar und durchaus vergleichbar mit der Vorgehensweise Hitlers und seinen Nazis. Hier wird versucht, das Potenzial des rechtsnationalen Denkens in den großbürgerlichen und neoliberalen Schichten zu aktivieren. Nicht zuletzt ist dies auf Plattformen wie der “Achse des Guten” nachvollziehbar. Hier wird rechtskonservatives und neoliberal durchsetztes Schriftgut zuhauf veröffentlicht. Und das scheint das verlorene Kriebeln im Bauch der dortigen Etablierten mit Herrenzimmerromantik-Feeling und gesättigten Empathieunfähigen eine neue Variante zu liefern. Natürlich als Botschaft rhetorisch geschickt eingebracht und mit dem vom liberalen Bildungsbürgertum entliehenem Intellektuellenanstrich versehen. Brandstifter für die Zerstörung der demokratischen Gesellschaftsform bleiben sie dennoch.

Update3: Ist 2018 mit 1932 vergleichbar? Ein Beitrag auf Zeit-Online von Prof. Michael Wildt – Historiker mit Themenschwerpunkt Nationalsozialismus

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