Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Die Sprache der Brandstifter und Verführer

 

“Sie (die Nazis) haben die unglaubwürdige Kühnheit, sich mit Deutschland zu verwechseln! Wo doch vielleicht der Augenblick nicht fern ist, da dem deutschen Volke alles daran gelegen sein wird, nicht mit ihnen verwechselt zu werden.” Thomas Mann, 1936  

Zitat aus der Rede des Prof. Dr. Heinrich Detering vor der Vollversammlung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken:

” Erstens sind in den meisten relevanten Fällen nicht die Ausdrücke allein das Problem, sondern ihre Verwendung und die Kontexte, in denen sie geäußert werden. Es geht nicht allein um die Wörter, sondern es geht um die Pragmatik, um die Performanz. Nicht das Wort “Vogelschiss” ist böse, sondern seine Anwendung auf den industriell organisierten Massenmord an den europäischen Juden. Und zweitens ist eine Analyse politischer Äußerungen nicht so leicht auf rhetorische und oder stilistische Phänomene zu reduzieren, wie Fachfremde das oft annehmen. Es ist ebenso banal wie grundlegend wichtig, daran zu erinnern, dass Wörter und Sätze sich meistens auf außersprachliche Wirklichkeiten beziehen, deren Sichtweise und Darstellung damit ebenfalls zur Debatte steht.”

….

Ich verweise hier auf die Arbeiten des Jenaer Soziologen Robert Feustel zur Übernahme von AfD-Sprache in Teilen der CSU und begnüge mich auch hier mit einem einzigen, Ihnen allen bekannten Satz des Innenministers Horst Seehofer: “Die Migrationsfrage ist die Mutter aller politischen Probleme in diesem Land.” Nehmen wir auch diesen Satz ernst, und nehmen wir ihn beim Wort, dann besagt er erstens, dass “die Migrationsfrage” – wie immer die auch genau lauten mag – eine Überbietung aller anderen Fragen bedeute; so wie die vom Minister zitierte Redensart Saddam Husseins von der “Mutter aller Schlachten” diejenige Schlacht androhen sollte, der gegenüber alle anderen Schlachten verblassten (als ein “Vogelschiss”, sozusagen). Zweitens besagt er, dass alle politischen Probleme eine gemeinsame Mutter haben – was schon für sich genommen eine überraschende Behauptung ist – und dass diese Mutter, dieser Ursprung, der alle anderen Probleme gebiert, die Migrationsfrage sei. Es gäbe, so besagt der Satz, keine politischen Probleme mehr, wenn es “die Migrationsfrage” nicht gäbe.

(Erlauben Sie eine Zwischenbemerkung über die andere Seite, den Sprachgebrauch der AfD-Gegner: Denen wird oft vorgeworfen, zu rasch mit Begriffen wie “Faschismus” oder “Nazis” bei der Hand zu sein. Ich möchte gern dagegen fragen: Wo sollte man diese Begriffe bei der Hand haben, wenn nicht hier?)

Zitatende

Wenn ein alterssturer Mann aus dem Gauenland mit den kackgelbbraunen Hunden auf der Krawatte seine Brand-Sätze loslässt, dann wirken diese wie die Brandstiftung zur Unterminierung der Demokratie und wie die indirekte Aufforderung zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Dass alle Christen, sollten sie diese Partei der Ansammlung ewig Gestriger (AfD) gewählt haben, sich mit der nachstehenden Rede des Prof. für Neuere Deutsche Literatur Heinrich Detering auseinandersetzen sollten, scheint eine dringende Notwendigkeit zu sein. Gehalten wurde diese beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

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