Die Innensicht der temporär Ausgegrenzten – Pseudodiskurs auf der Grundlage des Weltbildes „Leistung muss sich wieder lohnen“

Der kritische Leser wie auch der Blogbetreiber hier fragen sich, warum gerade ein zunächst differenziert erscheinender Text zum Thema Integration, Ausgrenzung, Islamophobie, radikaler Islamismus und seine in der Folge sichtbarer Hass und nicht tolerierbare Gewalt auf einer Plattform veröffentlicht wird, die – zwar oft genug rhetorisch und schreibend geschickt verpackt – unverkennbar durch ihre rechts-nationalen, neoliberal-konservativen Grenzüberschreitungen in den oben genannten gesellschaftlichen Feldern negativ agitiert?

Wohlwollend könnte unterstellt werden, dass die Motivation des Autors Dr. phil. Dr. scient. med. Damir del Monte darin bestanden haben könnte, ein vordergründig positives Beispiel auf der überwiegend und Brandstiftung bewirkenden Plattform mit dem Namen „Achse des Guten“  zu geben, um die sich dort üblicherweise bildenden Gesinnungsblasen zu durchbrechen.

Dennoch ist auch und gerade ein solches Vorgehen immer der Gefahr ausgesetzt, dass die auch differenziert betrachteten Themenbereiche zu sehr aus dem Blickwinkel der Gesinnung des rechts-nationalen, neoliberal-konservativen Vermögensbürgertum betrachtet werden. Dass nur scheinbar eine neutrale Argumentation erfolgt ist, wird im Verlauf des Textes erkennbar.

Nun ist es eben so geschehen – und es wird Zeit, die scheinbare differenzierte Betrachtung des Autors einmal zusammenzufassen.

Wer ist dieser Autor phil. Dr. scient. med. Damir del Monte ?

Er beschreibt sich in seiner Vita so: Studium und Ausbildung zum Psychologen an den Universitäten Hannover und Köln und zum Neurologen an den Universitäten Heidelberg und Salzburg. Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeiten in:

Zitat:

Ausbildungen in Psycho-, Trauma- und Körpertherapeutischen Verfahren (Kausale Psychotherapie nach Fischer, MPTT, EMDR, Brainspotting)  / Ausbildungen in Schmerz- und Sporttherapie

Fachlicher Fokus: Funktionelle Neuroanatomie, Gehirn-Körper-Interaktion, Neuro- und Medizindidaktik, Psychotraumatologie, Schmerz

Zitatende

Zurzeit ist er Gesellschafter der Firma: Dr. Dr. Damir del Monte – encephalon medicine media production GmbH  in Karlsruhe, ergänzt um weitere geschäftliche Aktivitäten  sowie Mitglied  in der Forschungsgruppe DYSKONNEKTIVITÄT – BEI  DEPRESSION  an  der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg (Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität) .

Welche Themen spricht er in seinem Beitrag an?

Als erste kritische Anmerkung steht das Verhalten der Journalisten in den Mainstream-Medien von TV und Printmedien im Mittelpunkt. Er nimmt dabei eine Gesinnungsethik der Journalisten-Zunft wahr, die sich mit dem Establishment in Politik gemein mache. Del Monte bezieht sich auf Sloterdijk und dessen Statement von der „zügellosen Parteinahme“ durch die Medien-Anchormen á la Claus Kleber.

Zitat: „… es ist die Gesinnung, die Teile der Wirklichkeit ins Dunkel hüllt. Es ist diese vermeintlich edle und moralisch hochstehende Haltung, in der man sich mit den politischen Eliten verbunden weiß. Die Preisgabe der Distanz, ein Sündenfall journalistischen Wirkens, verliert – als moralische Verpflichtung verklärt – jeglichen Schrecken. Diskreditierung statt Auseinandersetzung, Verzerrung durch Selektion statt tiefgehender ergebnisoffener Analyse, persönliche Wertung statt Ringen um Objektivität, Erziehung statt Informationsvermittlung. “ Zitatende

Hier wäre eine Gegenkritik angebracht, vor allem, weil genau dieses Verhalten auch bei den meisten Autoren der „Achse des Guten“ nachvollziehbar ist. So stellt sich die Frage, ob dieser einleitende Abschnitt in Wirklichkeit ein wenig Anbiederung an die Leserschaft der Plattform ist oder doch Teil der eigenen rechtskonservativen Gesinnung? Daran anknüpfend dann auch die weiteren Fragen, warum die richtige Analyse zur falschen Schlussfolgerung und den zu hinterfragenden angeführten Beispielen führt:

Zitat… „Die Preisgabe journalistischer Tugenden erfolgt somit nicht durch bewusste Lüge (was eine solche natürlich nicht ausschließt), sondern subtiler durch die kollektive Setzung der immer gleichen und nicht zu hinterfragenden Parameter. Ob die „Tatsache“, dass 40 µg/m³ NO2 gesundheitsschädlich seien, die „Feststellung“, dass Grenzen sich prinzipiell nicht schützen ließen oder die „Verkündung“, dass der Islam zu Deutschland gehöre; Prämissen werden gesetzt, Fixpunkte des Denkens festgelegt.“ Zitatende 

Interessanter und relevanter sind die nachfolgenden Abschnitte, in der aus dem Innenerleben der von Ausgrenzung betroffenen Sozialisation des Kindes, Jugendlichen und Studenten del Monte berichten. Zitat: … In den 1970er Jahren als Gastarbeiterkind in diesem Lande groß geworden, durchlief ich viele Stationen, über die sich heute Experten und unverdient in den Expertenstand Erhobene auslassen.“ Zitatende

So gehören dazu die durchaus nachvollziehbaren Feststellungen und Wertungen wie:

Zitat „…An vielen Stellen überließ man es dann auch den ausländischen Communities selbst, sich zu organisieren. Für die meisten von ihnen stellte dies auch kein unüberwindliches Problem dar. Denn zum einen beförderte die Tatsache, einziges Gastarbeiter-Kind in einer Schulklasse zu sein, sowohl die Kontaktaufnahme und somit natürlich auch den Spracherwerb, zum anderen erlaubte die eigene kulturelle Prägung, viele Andockstellen zum Werte- und Normengefüge der Mehrheitsgesellschaft auszumachen, ohne eigene Identitätsimplosionen zu riskieren.“

Sowie:

„Die Vorstellung, Integration sei in erster Linie eine von der aufnehmenden Gesellschaft zu erbringende Leistung, herrschte damals noch nicht vor. Es bedurfte auf Seiten der Migranten sehr wohl des Wunsches und Bestrebens, Teil der aufnehmenden Gemeinschaft werden zu wollen, was natürlich beinhaltete, Sprache und elementare Normen des Lebensvollzugs anzuerkennen und teilen zu wollen.

Dass eine erfolgreiche Integration ohne Assimilation ablaufen könnte, stellt eine von vielen Fehleinschätzungen des aktuellen Zeitgeistes dar. Dass Assimilation wiederum nicht mit Selbstaufgabe gleichzusetzen ist, beweisen Millionen hier wirklich heimisch gewordener Menschen jeglicher Couleur, die das Eingehen in diese Gesellschaft nicht als Identitätsbedrohung, sondern als Bereicherung verstehen. Denn weit entfernt von irgendeinem politischen Kalkül zeigte sich der gemeine Deutsche meiner Kindheit – wenn auch manchmal ohne überbordende Herzlichkeit – so doch sehr wohl korrekt und sehr hilfsbereit.

Eine Anpassung wollte sich jedoch nicht bei allen Migrantengruppen einstellen. Schon sehr früh waren es insbesondere Teile der islamisch geprägten Gemeinschaften, die aus unterschiedlichen Gründen Mühe hatten, Zugang zu dieser Mehrheitsgesellschaft zu finden. Mitnichten speisten sich diese Gründe allein aus der Abwehrreaktion der Mehrheitsgesellschaft. Dass es diese auch gab, soll hier keinesfalls verschwiegen werden, doch wäre es unredlich, hier eine Einbahnstraße zu postulieren.“

Und:

„…Die von der deutschen Gesellschaft lange Zeit nicht wirklich zur Kenntnis genommene Revitalisierung eines sehr konservativen, vielfach radikalen Islams in der gesamten islamischen Welt seit den 1970er Jahren veränderte auch die Haltung und das Selbstverständnis vieler in Deutschland lebender Muslime. Diese Veränderungen spürten wir, die wir türkische und arabische Bekannte und Freunde hatten, schon in den 80er Jahren auf zum Teil frappierende Weise.“ 

Zitatende

Dass Gewalt ein Teil dieser Lebenswirklichkeit gewesen ist und es noch ist, ist ohne Zweifel nachvollziehbar. Auch dass in der Ghettowelt und der Einflusssphäre der Imame, der kriminellen Clan-Führungen und den patriarchalischen Strukturen eine Abgrenzung dieser zugewanderten Teile der Gesellschaft real ist, lässt sich nicht bestreiten. (Das gilt aber genauso auf der anderen Seite einer Integrationsgesellschaft!) Zu hinterfragen sind allerdings die Schlussfolgerungen del Montes! Denn der Griff zur Schuldzuweisung wie es das Schlagwort Multikulti impliziert, also die Schuld für die Fehlentwicklung in Sachen Integration jenem Teil der Gesellschaft zuzuweisen, der zu liberal sei in den Augen der rechtsnationalen „Achsenvertreter“, macht deutlich, dass der Doppeldoktor sich hinter einer eigenen und doch bekannten Gesinnung versteckt, der man die Nähe zur PEGIDA-Argumentation ansieht.

Auch die nachfolgende Argumentation ist eine hilfreiche Möglichkeit des Verstehens, was im Umfeld der Migrationsthemen passiert, wenn auch wieder im Licht der verzerrenden Plattform „Achse des…“   der bedauerlichen Fehlinterpretation der ewig konservativ-nationalistisch Gestrigen gefolgt wird. Nachstehend weitere Auszüge:

Zitat: „…Warum wir heute traurig und zugleich zornig sind?” 

“Weil wir, die wir uns mit diesem Deutschland verbunden fühlen, entsetzt darüber sind, welches Zerrbild von eben diesem Land gezeichnet wird. Ja, wir haben – insbesondere in unserer Jugend – sowohl Gewalt, wie auch Rassismus und Nationalismus vielfach und auch in Deutschland erlebt. Doch selten durch Deutsche. Es waren in erster Linie Migranten wie wir, die sich hier besonders hervortaten. Im Falle der türkisch- und arabischstämmigen Communities gar mit jeder neuen Generation in steigendem Maße.

Erfasst von der neo-islamischen Welle, die auch nach Deutschland schwappte, ist das „Muslimische“ zu einem immer bedeutenderen Element der eigenen Identitätsbildung geworden. Die positive emotionale Aufladung wurde und wird durch eine Selbstattributierung gespeist, die sich als stolz, mutig, stark, ehrbar, erhaben und dem einzig wahren Gott zugewandt betrachtet.

Insbesondere die männliche Psyche bietet dankbar Resonanzräume für so viel Selbstüberhöhung, wohl wissend, dass Allah insbesondere den Mann in sein Herz geschlossen hat. Dieser Zustand verlangt nach keiner empirischen Analyse, nach keiner Reflexion. Die gefühlte Kohärenz trägt und kompensiert die real bestehenden Widersprüche. Wo die Widersprüche doch zu mächtig werden, greift das Opfer-Narrativ. Die Schuldigen, die Täter: der militante Westen, die Juden, die Ungläubigen im Allgemeinen oder die deutschen Rassisten im Besonderen.“

„Das, wofür sich sehr viele Menschen (meine Frau und ich zählen uns dazu) in den Bereichen Kinderschutz, Opferhilfe, Traumaprävention und -therapie seit vielen Jahren einsetzen, wird insbesondere von einer Elite aus Politik-, Kunst- und Medienschaffenden mit Füßen getreten. Nicht ohne dabei in einer Art narzisstischer Aufladung selbstgerecht auf all die herabzusehen, die deren Übertoleranz zu hinterfragen wagen.”

“Die Geschichten und Erfahrungen der Erzieher/innen, Lehrer/innen, Ärzte/innen, Polizisten/innen, Rettungssanitäter/innen spiegeln die tagtägliche alarmierende Überforderung und nicht zuletzt das Leiden wider, das in dieser unserer Gesellschaft überall dort erwächst, wo Menschen- und Weltbilder, Lebensanschauungen, gesellschaftliche Normen und Rechtsauffassungen aufeinanderprallen.”

“Medial dürfen wir seit Jahren einem unwürdigen Schauspiel beiwohnen, dessen Aufführung mir als Traumaforscher und Traumatherapeut die Zornesröte ins Gesicht treibt: Die tausendfach erfolgte Gewalt an sowie Demütigung und Erniedrigung von Frauen durch Männer, deren Frauenbild den Weg aus dem Mittelalter in die moderne europäische Gegenwart gefunden hat.“

Zitatende

Mir scheint die Beschränkung der in manchen Beispielen zutreffenden Analyse ist – nur auf die gesellschaftlichen Gruppen von „Politik, Kunst- und Medienschaffenden“ zu begrenzen – einseitig und nicht hinreichend, auch weil gerade der Teil der Gesellschaft – die Inhaber der wirtschaftlichen und finanzkapitalen Macht – ausgeklammert wird, der die Umgestaltung der Gesellschaft zu einer egoistischen, narzisstischen und unsolidarischen Masse massiv mit ihrem neoliberalen Konzept beeinflussend vorantrieben.

Das Kleinreden des wachsenden Rechtsradikalismus ist eine typische Reaktion, die letztlich zu einer Erkenntnis – nach dem Schrecken erneuter „1000 jähriger gescheiterter Reiche“ – führen muss, die lauten wird: „Bald wird es wieder zu spät gewesen sein!“ Leider auch deswegen, weil in der gesamten und in vielen Teilen zutreffenden Analyse des Dr. Dr. del Monte  der hauptsächliche Teil ausgeklammert blieb: der der neoliberalen Wirtschaftskonzeption und dem des dahinter stehenden Weltbildes!

„Denn wer Elite sagt, muss auch Kapitalismus und Neoliberalismus sagen!“

Hier schließt sich der Kreis mal wieder: auch der Doppeldoktor gießt Öl ins Feuer der Brandstifter, nicht ganz so offensichtlich wie bei anderen Beiträgen auf der „Achsenwelt“, aber doch deutlich erkennbar.