Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Niemand ist gegen ein Urheberrecht, das die Urheber stärkt – Das EU-Urheberrecht stärkt nur die Verwertungsindustrie und produziert Zensur

Lasst euch nicht verarschen – und werdet nicht zum “puppet on the string”.

“Aufklärung ist gleichzeitig wie der Blick von oben über das Ganze, sowie beobachtete Auffälligkeiten durch die Lupe. Sie wird zum Ärgernis für diejenigen, die verantwortlich sind für die Auffälligkeiten und Grenzüberschreitungen – und manchmal für den Mist und Dreck, den jene verursacht haben”! (jwb)

Viele Nutzer des Internets fühlen sich wie das “Kind, das mit dem Bade” ausgeschüttet wird. Und die meisten dieser Nutzer sind nicht gegen ein Urheberrecht, das die wirklichen Urheber stärkt – besonders gegen Facebook und Google und Co.  Aber der von dem Berichterstatter Axel Voss (CDU-MdEP) zur Reform des EU-Urheberrechts vorangetriebene Text ist das Ergebnis der Lobbyarbeit der Verleger und Verlagsunternehmen á la Bertelsmann, Burda und Springer.

Insbesondere die Artikel 11-13 und vor allem der Artikel 13 ist in seiner inhaltlichen Ausgestaltung das genaue Gegenteil dessen, was das Urheberrecht bewirken soll! Dazu kommt noch, dass die technische Umsetzung der gesetzlichen Vorlage nur durch Uploadfilter geschehen soll. Diese aber sind nicht in der Lage, eine Parodie oder ein kritisches Zitat von einem illegalen Gebrauch zu unterscheiden. Um nicht in Haftung gegen einen Verstoß genommen zu werden, würden alle neu geschöpften Werke wie Parodien, Kritik etc. gelöscht. Auch wenn sie legal wären! Das aber kommt der Zensur von Inhalten sehr nahe.

Dagegen protestieren nicht nur 5 Millionen Menschen mit einer Petition, sondern nach dem Ignorieren durch die Kanzlerin und dem Nachgeben der Justizministerin Barley, ihre Zustimmung zu Uploadfilter als Fachministerium zu verweigern, nunmehr schon mehr als 300 Foren mit mehr als 13,5 Millionen User

Auf der gestrigen  Demo in Berlin (hier der Bericht dazu) hielt der Chefredakteur von netzpolitik.org, Markus Beckedahl, eine aufklärende Rede. Er ist zudem Verleger und Urheber und ist wie viele Journalisten und Mitverleger gegen das EU-Urheberrecht in der geplanten Version. Und das von den Autoren und lobbyierenden Textentwerfern formulierte neue EU-Urheberrecht ist derart kompliziert, dass selbst Axel Voss als voran peitschender Berichterstatter dies nicht verstanden hat, wie er in zahlreichen Interviews in den Medien belegte!

Zitat von Markus Beckedahl:

“Das von der Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichte  Buch „Urheberrecht im Alltag“ erklärt auf 385 Seiten, was man als aktiver Nutzer im Netz alles beachten sollte, um bloss keine unbewusste Urheberrechtsverletzung zu begehen.

Das hätte Axel Voss mal lesen sollen, damit er verstanden hätte, dass von den Uploadfiltern in Artikel 13 nicht nur Youtube und Facebook betroffen sein könnte, sondern das halbe Internet noch dazu.”

“Denn eigentlich sagt die Rechtsprechung, dass Erlöse aus Verwertungsgesellschaften komplett den Urhebern gehören sollten. 

Aber mit Artikel 12 sollen die Urheber die Hälfte vom Kuchen mit Verlegern und Medienkonzernen teilen. 

Wenn Euch jemand sagt, diese Reform stärkt die Rechte von Urheberinnen und Urhebern, dann sagt einfach: Artikel 12 macht das Gegenteil.”

Zitatende

Und auch diese Zitate hier, könnten dazu führen, dass dieser Beitrag gelöscht werden müsste, weil ich beim Urheber keine Lizenz erworben habe. Und selbst meine eigenen hier gezeigten Fotos müsste ich in einer Uploadfilter-Datenbank (und diese Ressourcen hätten nur Google, Facebook und Co.) einspeisen, damit niemand behauptet, ich verstieße gegen Urheberrechte! Nutznießer wären am Ende dann wieder nur Google, Facebook und Co., gegen die das neue EU-Urheberrecht angeblich vorgeht.

Würde ich diesen Text auf einem der oben genannten 300 Foren posten, müsste der Forenbetreiber entweder mit Uploadfilter im Vorhinein ein Hochladen verhindern, oder teure Linzenzen (in Form von Pauschalabgaben an Verwertungsgesellschaften) vorab erwerben. Das aber bedeutet, um sich gegen Ansprüche, die dann Abmahnanwälte gebührenpflichtig zusenden würden, zu verhindern, dass die Foren verschwinden. Übrig bleibt eine Großverleger-Klientel, die auch Aufklärung von Korruption, Kritik an politischen Entscheidungen durch die Uploadfilterpolitik verhindern würden.

Aber vielleicht ist das ja auch das eigentliche Ziel, eine kritische und unbequeme Öffentlichkeit aus dem Internet zu verbannen. Da könnten Handelsverträge wie CETA, TiSA und TTIP ohne Einsprüche bequem ohne Diskurs eingeführt werden.

Dabei ist ein Blick über den Tellerrand der eigenen politischen Gesinnung ein notwendiger Schritt zur Vertretung der Europa-Parlamentsvertreter für alle gesellschaftlichen Teile! Sehr geehrte Damen und Herren Befürworter im EU-Parlament, selbst die Wissenschaft mahnt eine Korrektur des Artikels an!

Update vom 03.03.2019: Das Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München erhebt Einspruch!

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