Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

In memoriam – Siglaf Droste

“Wo die Zivilcourage keine Heimat hat, reicht die Freiheit nicht weit.” – Willy Brandt

Zum Tode des Wiglaf Droste – Gedankenfetzen eines peripheren Lesefreunds seiner Literatur

Ich kannte Wiglaf Droste nicht persönlich, bin ihm nie begegnet, weder in den traurigen Resten  heruntergekommener Studentenpinten, noch nach durchzechter Nacht in spärlicher Bekleidung. So wird aus dieser Schrift weder ein verlogener Nachruf, noch ein Geschreibsel á la Pennäler-Aufsatz „Mein schönstes, sentimentales Erlebnis mit Wiglaf“.

Bevor er selber unterging, schaffte die „Titanic“ dies schon vor ihm. Er litt, wie so viele schreib- und wortbegabte Sensibelchen, an der ihn umgebenden Gesellschaft und schrie schreibend sich das Leid und den Selbsthass von der Seele – oder war es eher von der Leber? Sich als Produkt einer Generation der Verdammten dieser Erde am besten kennend, wehrte und rächte sich dieser Träger kreativen Sprach-Potenzials mit Spott, Zynismus und sprachlicher Finesse gegen die Heuchler, gegen Bigotterie und den Mief der Rechten unter der temporären Maske des Linkssein-Gehabe.

Dass Droste nicht frei war von Fremd- und Selbsttäuschung, das machte ihn in seiner sonstigen Klarheit umso menschlicher, wenn auch anfälliger für die legalen Drogen und Süchte. Konsequent war er nicht nur mit seinem Versmaß, wenn es galt, den Rhythmus zu schlagen gegen die Blender, sondern gerade gegen jene und nur temporär nahestehenden Zechkumpanen, wenn diese sich entblößten, demaskierten und ihr wahres Sein – das sich im rechtskonservativen Milieu auf der „Achse des Guten“ im dort eigentümlichen Schlangenöl sich gemütlich suhlend –  zu erkennen gaben. Den dortigen miefigen Simplicissimus der besonders bigotten Art strafte Droste dann mit absolutem Schweigen. Und in der Tradition Tucholskys scheute er nicht davor zurück und ging „Auf sie mit Idyll“.

Denn jegliche ideologische Kloake – und war sie noch so propagandistisch verkleidet – verortete der Siglaf mit einem fingerzeigenden Versmaß:

„Und das Klo, zu dem er kroch, war von Villeroy und Boch“.

In Stuttgarter Lehrstunden beschreibt er den Zustand der Gesellschaft und jener Teile, die sich verkaufen und einfangen lassen: vom neoliberalen Getue bis zu den islamophobischen Marktschreiern der neuen Rechten, öffnen sie sich und die Wege und Pforten den Mächtigen.

Es werde an Stuttgart 21 sichtbar „… was von einer durch den Niedergang konkurrenzlos gewordenen Demokratie übrig bleibt: Ihre Fassade bleibt bestehen, ihre Inhalte werden aufgelöst und abgeschafft. … Politik schrumpft auf die Aufgabe zusammen, den reibungslosen Ablauf der Geschäfte zu sichern und das Volk mit künstlichem Brot und Massenspielen (á la Privat-TV) ruhig zu stellen.“

Und weiter geht´s mit: „Dazu bedarf es einer hoch diversifizierten Verblödungsindustrie ebenso, wie das, was ein digitaler Neandertaler mit Universitätsabschluss braucht, um sich intelligent zu dünken.“

Es winden sich die Hirne,

es singt der Rundfunkchor:

Je weicher die Birne,

umso härter das Brett davor.

Und auch für jene, die im teutschen Sumpf watend und darin mit der AdG- Achse des Guten – versinkend, von „Blut und Boden“ fasselnd, die es bis „aufs Blut“ zu verteidigen gelte, aber selber noch niemals seit ihrer Kindheit da waren, der „Heimat“ – auch für jene hat Droste ein paar Zeilen parat:

„Schön ist die Heimat,

sofern man sie hat.

Schön auch der Hering,

besonders der Brat –“

 

Möge Siglaf Droste seine Heimat gefunden haben.

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