Von Rankings in der Welt der Wissenschaften und ihren Erstellern

 

Es ist ein wesentliches Anliegen des Neoliberalismus und seiner Protagonisten, dass Vergleichbarkeit und Datenerhebungen stattfinden, um diese gewonnenen “Erkenntnisse” dann in Produktivität der Anlagevermögen profitabel umzusetzen. Das Prinzip gilt für alle Lebensbereiche, auch für Bildungseinrichtungen wie Schule und Hochschule.

Datenerhebungen und Auswertungen zu den Hochschulen schlagen sich dann in Rankings nieder, die einen geldwerten und vermögenswerten Vorteil ergeben. Prof. Stephan Schleim von der Uni Groningen hat das  Ranking der besten 100 Hochschulen weltweit näher untersucht. Erstellt wird die Rangliste von einem Privatunternehmen namens TES, dem Times Higher Education (THE) als Sparte gehört.

Auf seinem Blog beschreibt er Hintergründe und Ziel des Rankings:

Zitat “Es handelt sich also um die Zeit in der sich, ausgehend von den Regierungen Thatchers und Reagans in den 1980ern, das Denken ausbreitete, dass alles zählbar gemacht und verglichen werden müsse. Das Denken also, das sich, aus der Betriebswirtschaftslehre kommend, als New Public Management auch überall in der Verwaltung ausbreitete und speziell für das Hochschulwesen in der Bologna-Erklärung von 1999 mündete (Fünfzehn Jahre Bologna-Erklärung – eine Polemik). Das Denken schließlich, das im größeren Kontext von Globalisierung und Individualisierung ein Grundpfeiler des Neoliberalismus ist.” (Quelle)

Die Fragwürdigkeit der Datenerhebung stellt er nachvollziehbar fest. Eine derart unwissenschaftliche Strukturierung der Datenerhebung und Auswertungen macht dieses Ranking – das in seiner Wirkung dennoch unbestreitbar großen Einfluss auf die Wissenschaftswelt hat – mehr als fragwürdig! Schleims Feststellungen und Bewertungen scheinen bemerkenswert zu sein, ebenso wie die Tatsache, dass das Ranking in den Mainstreammedien ungefragt übernommen wird. Eine Hintergrundrecherche unterbleibt auf dort jeden Fall.

Ein wesentliches Ergebnis seiner Untersuchung betont Schleim vor allem in der Tatsache, dass der Einfluss des amerikanischen Finanzkapitals in Form seiner Investmentunternehmen größer ist, als der Einfluss der Wissenschaftlicher und Studenten auf die Erhebungsstruktur und Dateninterpretation des Rankings. Da ist die Leitung der Universitäten dann eher ein autokratischer Mitwirkender in der neoliberalen und globalen Vereinnahmungswelt  Das Spiel um die Exzellenz-Unis in Deutschland scheint dabei auch nicht unbeeinflusst zu sein!

Schleim endet mit der Frage, warum die weltweiten Unis dieses Spiel mitspielen, wenn das Rankingverfahren am meisten den englischsprachigen Universitäten aus dem anglo-amerikanischen Umfeld nutzt?