Von Forumsdiskussionen und der Debatten-Kultur

Es besteht die Gefahr, dass die Stammtischqualität in den Kommentarenspalten der Medien und in den Forenbeiträgen  sowie den sozialen Medien das Absinken der Debattenkultur mit beeinflusst. Negativfiguren wie Trump, Farage und Johnson sind die Blaupausen dafür.

Ohne politische Erziehung (zur demokratischen Kultur)  ist das souveräne Volk ein Kind, das mit dem Feuer spielt und jeden Augenblick sein Haus in Gefahr bringt.  Johann Heinrich Pestalozzi                                                                                                                                                                      

Am Beispiel eines Fotoforums lässt sich dies abbilden.  

Es ist schon ein Kreuz mit der „Unternehmens-Ethik“ (in Normen – manchmal auch Qualitätssicherung genannt –  und Hausordnungen gegossen) und der Moral (die Unwägbarkeiten menschlicher Schwächen zu regeln) mit dem Ziel,  die  Steuerung des gewünschten Verhaltens zur Einhaltung der Forums-Hausordnung zu implementieren.

Glaubwürdigkeit ist dabei ein zentrales Merkmal zur Durchsetzung dieser Unternehmensziele. Glaubwürdigkeit in der Stringenz der zugelassenen Inhalte und im Verhalten durch die Steuerungsinstanz- und nicht mal hier so und dort anders zu agieren. Vor allem, wenn die Regelung, nichts Politisches zu diskutieren, zur Ausnahme erklärt wird, wenn es um die eigene Existenzsicherung geht, wie dies in Sachen Urheberrechtsrichtlinie und Artikel 13 etc. praktiziert wurde. Was wäre  politischer, als genau der Widerstand, der dort organisiert wurde. (Damit kein Missverständnis entsteht: das war richtig und notwendig! Und viele Forumsmitglieder haben dies ohne Wenn und Aber unterstützt!)

Wenn aber später eine politische Debatte zum Themenumfeld des Forums  unterbunden wird, insbesondere wenn es das Geschäftsmodell tangiert, da ist dann argumentativ und gefühlsmäßig Gerechtigkeit im Spiel. Und die Glaubwürdigkeit wird zumindest angekratzt.

Wo den Emotionen Raum gegeben wird, da ist das Abgleiten in die Stammtisch-Ebene nicht mehr weit. Und dann ist wie immer zu beobachten, dass im Wechsel die Positionen von Täter – Helfer – Opfer in der Auseinandersetzung eingenommen werden.

Wie damit umgehen? Der Forumsbetreiber hat dazu seine Vorstellung formuliert. Dazu hat er nicht nur ein Recht, sondern auch auf die Durchsetzung dieser Vorstellung. Es ist jedermanns eigene Entscheidung, das zu akzeptieren. Im anderen Fall muss das Forumsmitglied eben seine Konsequenzen ziehen. Wird in der Mehrheit diese Konsequenz gezogen, ergibt sich eine Gefährdung des Geschäftsmodells.

Allerdings ist es ein Ding der  Unmöglichkeit, völlig  unpolitisch zu agieren. Der Mensch ist nun mal ein „zoon politikon“, ein politisch-soziales Wesen. Das betrifft schon jedes Foto im Forum und jeden Kommentar dazu – oder die Äußerungen in den Signaturen.

Niemand kann nicht politisch agieren – selbst die Forderung nach unpolitischem Verhalten ist eine politische. Die Frage bleibt, wo die Grenzen gezogen werden. Sie sind im Eingangspost formuliert. Reduziert sich das Forum aber auf ein dort so postuliertes „Fachforum“, dann stellt sich zumindest die Frage, was das inhaltlich sein soll? Eine Bilddiskussion würde diesen Rahmen schon sprengen, es sei denn, es würde auf rein formale Kriterien beschränkt wie Tonalität, Flächen- und Formenverhältnis, Harmonie/Disharmonie, Textur etc. In der Realität wäre es eine inhaltsleere Diskussion im Sinne der hinter dem offensichtlich Liegenden – wenn auch dann den interpretierbaren Bestandteilen. Die Interpretation dazu sind immer geleitet von der Sozialisation des Diskussionsteilnehmers.

Und wie immer ist jeder Text, der hinterlassen wird, auch immer ein Teil, in dem etwas über die eigene Persönlichkeit des Schreibenden ausgesagt und öffentlich gemacht wird. Und das ist dann auch eine politisch-soziale Äußerung.

Wer das leugnet oder ignoriert wissen will, braucht kein Forum, sondern ein Technik-Lexikon oder eine Foto-FAQ.