Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Haldenzauber – was eine ehemalige Abraumhalde zum Publikumsmagneten macht

In den ehemaligen Steinkohlen-Revieren sind die Abraumhalden ein beredtes Zeugnis vergangener Abbaumühen zur Energiegewinnung. Das gilt auch für die ehemalige Zeche Sophia Jakoba in Hückelhoven, die zum Steinkohlenrevier Aachen gehörte. Im Zuge der Zechenstilllegung im Juni 1997 waren soziale Umbrüche zu bewältigen, die nicht ohne Belastungen und Traumata betroffener Familien abliefen.

Der Stadt Hückelhoven liegt der Umbau der Wirtschaft bis heute am Herzen. Die Schaffung neuer Infrastrukturen  und die Ansiedlung neuer Unternehmen sollten und sollen alternative Arbeitsplätze schaffen. Auch die drei Abraumhalden im Bereich der Stadt Hückelhoven sollten neuen Verwendungsmöglichkeiten dienen. Auf der zweitältesten Halde – der Millicher Halde – ist nun zum zweiten Mal in der dunklen Jahreszeit  ein Illuminationspark mit Lichtobjekt-Installationen aufgebaut worden. 

In der Dunkelheit wird die Umgebung ausgeblendet und es konzentrieren sich die Blicke auf die Lichtobjekte. Die faszinieren Groß und Klein mit einer Fantasie- und Märchenwelt.

Die Bandbreite des eigenen Selbstverständnisses, aber auch der (S)Ichbezogenheit, lässt sich auch bei diesem Event nachvollziehen. So werden – je nach Temperament und Selbstbild – von einem Großteil der Besucher die Licht-Objekte in Besitz genommen. Nicht der ästhetische Genuß steht im Vordergrund, sondern das Selfi-Machen vor und auf den Licht-Objekten, natürlich ohne Blick für die Bedürfnisse der Mitmenschen und ohne Hinterfragen, welche Abwandlung der Objekte damit erfolgt. Egal auch, ob damit die Gesamtkomposition plötzlich aussieht wie “Arsch auf Eimer”.  Das Bedürfnis der Aufwertung der eigenen Person ist übermächtig. Die Selbstvergewisserung und die Erinnerungsdokumentation, hier gewesen zu sein und dies mit Smartphone-Bilder zu belegen, stehen an erster Stelle. Dafür hat man ein teures Ticket bezahlt. Dafür will mann/frau was haben. Dafür kämpft mann/frau sich durchs Gestrüpp.

Möglich wird es durch die Toleranz der vielen anderen Besucher. Vielleicht wird diese Botschaft mit- und  wahrgenommen: Freiheit, die ich gerne hätte und mir nehme, ist eine Freiheit, die durch die Toleranz der Mitmenschen ermöglicht wird. 

Die Eule als Symbol der Klugheit und Ratgeberin war vielleicht auch schon immer eine Täuschung. Ihr wahres Wesen ist das eines lautlosen Jägers und Raubtieres.

Das dialektische Aufbrechen und das Ertragen von Dunkelheit geschieht durch die Licht-Ästhetik mit verniedlichenden Märchenfiguren. Kinder wollen als konsumierende Zielgruppe schließlich einbezogen werden. Die angstfernen Objekte werden einerseits zum Gegenpol gegenüber der angstbesetzten, gewalttätigen und grausamen  Realität, andererseits zum Potenzial für steigenden Umsatz. Nach heutigem Sprachgebrauch eine Win-Win-Situation. 

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