Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Freiheit und Mündigkeit in Zeiten einer Pandemie

“Das Freisein von etwas erfährt seine Erfüllung erst in dem Freisein für etwas. Freisein allein um des Freiseins willen aber führt zur Anarchie.” – Dietrich Bonhoeffer

“Das hochfliegende Wort »Freiheit« bedeutet hienieden, fürcht’ ich, immer weniger, je mehr man sich’s ansieht.” – Wilhelm Busch

“Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.” – Karl Raimund Popper

“Die einzige Freiheit, die diesen Namen verdient, ist das Recht, unser Wohlergehen auf unserem eigenen Wege zu verfolgen, solange wir nicht anderen das ihrige verkümmern oder ihre darauf gerichteten Bemühungen durchkreuzen.” – John Stuart Mill

“Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.” – Albert Camus, Fragen der Zeit (Verteidigung der Freiheit)

In Zeiten der Gefährdung des Einzelnen und der Gesellschaft durch eine „Naturkraft“,  stellt sich die Frage nach der Ethik des Verzichts als vernunftgesteuerte Konsequenz, die jedem Einzelnen unter den veränderten Rahmenbedingungen der Corona-Ausbreitung zugemutet werden kann.

Die Ethik der Selbstbeschränkung beruht auf John Stuart Mills Credo und Formel, dass „die Freiheit ihre Grenzen dort hat, wo sie die Freiheit des anderen beschränkt und bedroht.“ Mills Credo ist Kern der utilitaristischen Ethik, dass die Handlungen den größtmöglichen gesamtgesellschaftlichen Effekt und Gewinn für alle bedingen sollen. Eine aufgeklärte Gesellschaft fördert die Freiheit des Einzelnen und vertraut auf die Mündigkeit ihrer Mitglieder: verantwortungsvoll mit seiner Freiheit umzugehen. Aber leider zeigt sich zu oft, dass die Mündigkeit des Bürgers nicht sehr weit entwickelt ist. Der Grundkonflikt zwischen mündigem Umgang mit der Freiheit und daraus resultierendem Selbstverzicht und den ichbezogenen Freiheitsansprüchen (Wunscherfüllungen und selbstbezogene Erwartungen) zeigt sich in Krisenzeiten besonders deutlich. Die liebgewonnen Gewohnheiten wollen auch gegen die Vernunft beibehalten werden. Die Menschen tun sich schwer, sich zu ändern. Selbst wenn die eigene Unversehrtheit risikoreich geopfert wird. Die Freiheit des anderen (dessen Recht auf Unversehrtheit) wird der eigenen Freiheit unterworfen.

Fehlender Selbstverzicht führt dann zu staatlich angeordneter Einschränkung der Freiheit. Die durch Unmündigkeit und Sorglosigkeit bedingte Fremdkontrolle führte schon in Zeiten der Pest-Epidemien zur Schließung der Stadt oder einer Region und zum Verbot des Verlassens dieser kontrollierten Gebiete. Michel Foucault beschrieb die Entwicklung zur disziplinierten Gesellschaft aufgrund der Unmündigkeit der Bürger in seinem Werk: „Überwachen und Strafen.“

Seit mehr als 200 Jahren und seit Kants Beiträge zur Aufklärung des Menschen hat sich deren Entwicklung zum „Staatsbürger“ nur langsam und ungleichzeitig gezeigt.  „Staatsbürger“ im Sinne Kants entspricht dem Citoyen oder Citizen, also dem mündigen Bürger mit hoher Selbstverantwortung in einem freiheitlichen Rechtsstaat. Mündigkeit in Zeiten des Corona-Virus bedeutet: Freiheit mit Verantwortung zu verbinden für sich selbst und andere, heißt seine Individualität mit Gemeinsinn zu verbinden, Selbstständigkeit mit Solidarität, Skepsis mit Zuversicht und Empathie mit Achtsamkeit sind jeweils zu  denken und zu berücksichtigen. Der Diskurs über das angemessene Verhalten ist mit Besonnenheit zu führen und alte Gewohnheiten und Ansprüche mit der Bereitschaft zum Verzicht zu hinterfragen.

Zur Verteidigung der Freiheit des Menschen formulierte Albert Camus im Sinne der Pflichtethik: “Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.”  Die Ausgewogenheit zur Verteidigung der Freiheit muss die Botschaft Karl Poppers berücksichtigen, in dem der Staat vom Bürger überwacht werden muss, wenn er temporär das Vertrauern übertragen bekommt, um die Freiheit zu verteidigen. Zum Ausdruck kommt diese Forderung in Poppers Aphorismus: “Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.”

 

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

Kommentare sind geschlossen.