Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

H.L. Mencken – Kulturkritische Schriften und Trumps amerikanisches Credo

Der Skeptiker gehört zu den Menschen, der landläufig sein Vertrauen in die meisten anderen Menschen verloren hat. Zutreffender wäre für diese Haltung jedoch die Bezeichnung „Misanthrop“. 

Skeptizismus ist dagegen ein Begriff zur Bezeichnung der philosophischen Richtungen, die das systematische Hinterfragen von Verhalten und Gesinnung zum Prinzip des Denkens erheben! Solchermaßen dem Umfeld gegenüber eingestellte Menschen machen es sich nicht leicht und sind aufgrund ihrer Erfahrungen eher nicht leichtgläubig. Sie bezweifeln auch die Qualität des „gesunden Menschenverstandes“.

Der amerikanische Essayist H.L. Mencken schrieb in seinem Essay „Das amerikanische Credo“:

„Es ist in der Tat das Kennzeichen jener Menschen, die sich von der Menge absetzen, dass sie von einer Skepsis durchdrungen sind, die sich wie Mehltau über ihre Gedanken legt“.

Er berührt die negative Seite der Skeptiker, die an die o.g. misanthropische Ausprägung erinnert. Mencken entwickelt diesen Gedanken weiter, in dem er ergänzt, dass je mehr der Mensch wisse, desto unsicherer werde er in seiner Meinung. Denn keine gläubige Meinung sei „immun gegen die zersetzende Wirkung neuer Informationen!“

Der Skeptiker sei durchaus gefährdet, betont Mencken, da sein umfassendes Lernen als „Desillussionierungsprozess“ verstanden werde könne. Dagegen sei die Masse der Menschen gewappnet, da sie gar nicht oder nur sehr langsam lerne. Wenn diese einfachen Menschen dann aber ihre Überzeugungen verlieren würden, ersetzten sie ihr Ideale/Idole durch neue, die den alten verblüffend ähnlich seien!

Daraus speist sich nicht nur die „Banalität des Bösen“, sondern ebenso die Erkenntnis, dass sich das Denken und Handeln der einfachen Menschen leicht beeinflussen lässt. Die Wiederholung der Irrtümer der Menschheit ist wie ein Echo, dass im Fluss der Historie zu oft zu hören ist. Die Unfähigkeit zu trauern über das Mittun und die Mitverantwortung im „Dritten Reich“ der Nazis mit Holocaust und Genozid, gleicht der Unfähigkeit  aus der Geschichte zu lernen. So wiederholen die Trumps, die Erdogans, die Orbans, die Xi Jinpings, die PIS-Anhänger und die Putins nach dem Vorbild von Despoten wie Hitler und Stalin die eigene – auf Dauer jedoch immer vergebliche – Machtsicherung, in dem sie die bekannten Strukturen einführen:

  • ins Amt gewählt worden durch Lügen und Betrug;
  • danach die Ausschaltung der politischen Gegner durch Vernichtung (Gefängnis), Diskreditierung und Gewalt;
  • die Besetzung von Funktionen der Medien, der Justiz, der Polizei und des Militärs mit Gesinnungsgenossen/Mitläufer
  • und nicht zuletzt die Veränderung der Verfassung, um lebenslang und entgegen der bisherigen Verfassung im Amt bleiben zu können.
  • Diese Vorgehensweise ermöglichen ihnen die Ermächtigungsgesetze, die ein willfähriges Parlament ihnen zugesteht. 

Die Arroganz der Eliten bei den Demokraten in den USA hat die Wahl eines Donald Trump erst ermöglicht. Trump gerierte sich als Mann aus dem Volk. Das aber war er niemals. Das verlogene Selbstbild vermittelt er bis heute und selbst seine politischen Gegner machten sich ein falsches Bild von ihm. Das aber ist eine Eigenheit, die quer durch die US-Gesellschaft geht und auf Selbsttäuschung beruht. Die meisten US-Amerikaner halten sich für die Verteidiger der Freiheit. Aber diesen Irrglauben beschrieb schon Tocqueville in „Über die Demokratie in Amerika“ ebenso wie H.L. Mencken im Zeitraum von 1918-1926 in seinen kulturkritischen Schriften:

“In Wirklichkeit genießt der moderne Amerikaner sehr viel weniger persönliche Freiheit als irgendein anderes Mitglied der Christenheit, und selbst seine politische Unabhängigkeit wird zusehends von dem neuen Dogma bedroht, nach dem die von der Regierung aufgestellten Behauptungen vorbildlich und rechtmäßig, alle anderen dagegen unerträglich und verbrecherisch sind.“

Aktuell klingt dies bei Trump so: „Alles Fake News!“ – ob bei den Untersuchungsergebnisse zum Impeachment-Verfahren oder den Hinweisen zu den Zahlen in Sachen Covid-Erkrankungen.

Mencken weiter:

“Der unparteiische Zuschauer wäre wahrscheinlich kaum erstaunt, wenn das Motto ‚In God we trust` durch ein ‚Verboten` ersetzt würde! Ohnehin geht die fortschreitende Zersetzung der Freiheit fast ohne Protest vonstatten!“

Der US-Amerikaner liefere ein Beispiel dafür, dass der Mensch an chronischer Unfähigkeit zur Selbsterkenntnis leide. Im Übrigen sei er nicht uneigennütziger als jedes andere Säugetier! Zudem sei die Lust des Pöbels an melodramatischen und barbarischen Schauspielen, die auch auf diese Weise durch die Justiz gefördert werde, auch das Motiv für eine andere in Amerika wohlbekannte Erscheinung: „der Lynchjustiz!“   

Wie aktuell diese Zustandsbeschreibung der US-amerikanischen Seele ist, zeigt der Skandal zum Fall George Floyd. Und sie erklärt nicht unwesentlich, warum ein Donald Trump Präsident werden konnte.

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