Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Im Sommer auf dem Land

“[Ein] Lebenskünstler ist, wer seinen Sommer so erlebt, dass er ihm noch den Winter wärmt.” – Alfred Polgar

Das Wörtchen AHA steht gemeinhin für  eine Verwunderung oder einen kleinen Gedankenblitz und ein wenig Erhellung, wenn durch Nachdenken eine Erkenntnis reift. Aktuell steht es für Abstand, Hygiene, Alltagsmasken – eine Regelung zur Vermeidung einer CoronaVirus-Ansteckung. Vor allem das Tragen der Atemschutzmasken über Mund und Nase bedarf einer Selbstdisziplin und Eigenkontrolle zum eigenen und fremden Schutz. Der ist am besten gegeben, wenn sogenannte FFP2- und FFP3-Masken getragen werden. Deren Wiederverwendung ist durchaus möglich, wenn bestimmte Reinigungs- und Handhabungsvorgänge beachtet werden. 

Leider lassen zu viele Beispiele im Alltag befürchten, dass die Alltagsmaske entweder nicht getragen, falsch getragen (nicht über die Nase gezogen), mehrfach ohne angemessene Reinigung und offen am Rückspiegel im Auto platziert oder ständig um den Hals oder unters Kinn gepackt und geparkt werden und damit die sinnvolle Nutzung ad absurdum geführt wird. 

Einen Widersinn oben drauf zu packen, das gelingt den Demonstrierenden, die gegen die AHA-Regelung protestieren wie am 01.08.2020 in Berlin und in anderen Städten. Sie reklamieren für sich die persönlichen Vorlieben wie in VorCoronazeiten ohne jegliches Schutzverhalten, verstehen die Entscheidungen der Regierung als Einmischung in die eigenen Entscheidungsfreiheit und weigern sich, den Vorgaben zum Schutz vor Ansteckung zu folgen. Im Gegenteil ignorieren diese Mitmenschen nicht nur die AHA-Regelung auf Demonstrationen, sie praktizieren ein Verhalten, das nachweislich (sei es bei religiösen Zusammentreffen wie bei einigen Freikirchen oder islamischen Beerdigungen oder dem Opferfest, bei Familienfesten und Hochzeiten oder bei wilden Parties) zu neuen Ausbrüchen der Corona-Virus-Erkrankungen geführt haben. 

Die Beweggründe für ihre Proteste zeigen sich in einer Bandbreite von Egoismus, Ignoranz und Verbohrtheit oder in dem einer Ideologie gefolgt wird, in der gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit eine Rolle spielt. So laufen denn auf den Demonstrationen der unpolitische und egomanische Demonstrant neben dem identitären und faschistischen Demokratie- und Rechtsstaatsverweigerer ebenso wie der Rassist neben dem esoterisch angehauchten Impfverweigerer und sie skandieren in Aerosol geschwängerter Luft,  dass sie ihre “Freiheit” verteidigen wollen. 

Ihnen allen sei erwidert:

“Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit der anderen Mitmenschen beschnitten und deren Recht auf Leben gefährdet wird.” 

Und man muss ihnen entgegnen:

“Kommt raus aus eurer selbstverschuldeten Höhle der Unmündigkeit und erkennt, dass die Schatten   an der Wand – die von anderen produziert und dorthin geworfen werden –  nicht die Realität darstellen. ”

“Nur sind die Demos gegen die Verhaltensregeln zum Schutz gegen das Corona-Virus nicht der effizienteste Weg,  für die eigene Freiheit zu streiten! Zu bedenken gilt es ebenso, dass es kein richtiges Leben im falschen gibt!”

Die wahre Beschränkung der Freiheit des Menschen besteht darin, dass im aktuellen Wirtschaftsmodell die Zerstörung des Planeten weiter fortschreitet. Das Credo des ewigen Wachstums bei den endlichen Ressourcen auf unserer Erde ist ein Widerspruch in sich. Dass wir uns mit einem System arrangieren,  und dass ca. 74 Menschen so reich werden lässt – und damit soviel Macht anhäufen, die unkontrolliert  agieren kann –  wie die Hälfte der Menschheit (z.Z.: 3.7 Mrd. Menschen), ist fatal und unvernünftig. Selbst im “reichen” Deutschland besitzen 10 Prozent der Bevölkerung ca. 75 Prozent der  gesamten Vermögen. Das erst schafft die eigentliche Unfreiheit auch in diesem Land. Genau diese Ungleichheit ist ebenso Ursache für Kinderarmut, Altersarmut, Bildungsnotstand und Gesundheitssystem-Mängel. Vor allem, weil die Regierungsverantwortlichen seit 1982 bis heute dafür sorgen, dass an diesem System sich nichts ändert. Und im Verbund mit einem entmündigten Journalismus und der Privatisierung wichtiger gesellschaftlicher Einrichtungen von Krankenhäusern über Verkehrsinfrastrukturen bis hin zur Energieversorgung und dem Finanz- und Versicherungssystem der Allgemeinheit werden den Menschen, die alleine von Lohneinkommen existieren,  immer mehr Fesseln angelegt. Die Abhängigkeit der Arbeitsplätze von den Investoren wie Blackrock, deren Büttel Friedrich Merz in das Amt des Kanzlers drängt, um das bestehende System noch unnachgiebiger zu festigen, sind Ursachen für die wahre Einschränkung der persönlichen Freiheit und der Demokratie.

Genau dafür ist zu demonstrieren und mit Wahlentscheidungen dafür zu sorgen, dass diese Figuren wie Merz und Konsorten nicht mehr weiter politischen Einfluss gewinnen können. Wer die Freiheit verteidigen will, der muss für eine kritische Wahrnehmung des politischen Geschehens sich schulen. Nicht jedoch auf Irrwegen die eigene Gesundheit und die der Mitmenschen gefährden und sich mit falschem Engagement ausbrennen lassen.  

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