Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Im Sommer auf dem Land II

Deutschland im Pseudo-Empörungssommer

“Es gibt kein richtiges Leben im falschen und ebenso wenig ist die impulsiv-irrationale Motivation zur Teilnahme an einer Corona-Protestdemo keine richtige Empörung im falschen Umfeld, weil nur das egomanische Begehren im Mittelpunkt steht, anstatt die argumentative Kritik an den Verhältnissen in denen die Menschen nicht richtig leben können.” – JWB

Im vorhergehenden Beitrag standen die Beweggründe für die Teilnahme an den Protestdemonstrationen in Sachen Covid-Regeln (AHA) im Mittelpunkt des Kommentars. 

Wie irrational die Argumente der Teilnehmer waren, schilderte die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die in ihrer eigenen Art der aufklärenden Berichterstattung die Teilnehmer selbst zu Wort kommen lassen wollte. Der Abbruch der Filmaufnahmen (Achtung: instagram-account Hayali) aus Sicherheitsgründen scheint Beleg zu sein für die rein emotionalen Motive der Corona-Demoteilnehmer, die in ihrer segmentierten Weltsicht jegliche Vernunft vermissen lassen. 

Die Bandbreite des Irrationalen ist groß, wie an den Aufschriften und den Aussagen der Interviewten nachvollziehbar wird. Die Fremd- und Selbsttäuschung dominiert das Verhalten der Demoteilnehmer. Das Sophistische scheint überwiegender Bestandteil des “Denkens” zu sein, in dem geurteilt wird, ohne gesichertes Wissen zu besitzen. So wirken die rhetorischen Versatzstücke destruktiv, denen die Teilnehmer wohl ihre Begründungen für die Teilnahme entnommen haben. Dabei ist die erkennbare Rhetorik nichts anderes als “Überredung durch Erzeugung von Glaubenssätze” – religiöser, rechtsnationalistisch-ideologischer und esoterischer Weltanschauung. Nicht selten scheinen die Teilnehmer auf die falschen Urteile der Sophisten unter den “Lauttöner” hereingefallen zu sein, weil sie denjenigen folgen, die ohne exakte Wissensbasis zu besitzen, Menschen in Selbstwidersprüche verwickelt haben.

Stéphane Hessel, französischer Vertreter in der UNO und Mitwirkender an der Charta der Menschenrechte, forderte die Menschen mit seiner Streitschrift 2010 auf, sich zu empören. Jedoch ist die Grundlage der Empörung nicht Egoismus, Ignoranz und Verbohrtheit, noch ideologische Überzeugungen faschistischer oder rassistischer Natur wie bei der Corona-Demo, sondern der Widerstand gegen soziale Ungerechtigkeit in der Gesellschaft wie sie sich  bei der Kinder- und Altersarmut zeigt. Empören sollen die Menschen sich und Widerstand leisten gegen die Finanz- und Investmentdiktate (wie z.B. bei der Abschaffung des Bargeldes, den Cum-Ex-Skandalen, dem Betrug und der Korruption in der Politik und Wirtschaft (Dieselskandal der deutschen Automobilhersteller). Widerstand und Empörung auch gegen den einseitigen Lobbyismus zum Nachteil der Bevölkerung, sowie Widerstand leisten gegen die Privatisierung in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Wohnen, Verkehr und Energieversorgung). 

In memoriam Adornos, dass es  kein richtiges Leben im falschen gibt, so erfolgt keine richtige=berechtigte Empörung im  falschen Begründungsansatz, wenn es sich nicht um den Schutz von Minderheiten, die Vermeidung von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und nicht um die Verhinderung der Umweltzerstörung unseres Planeten sowie die Verhinderung von  Unterdrückungskriegen handelt. 

 

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