Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Politik: zwei Seiten einer Medaille – das Offensichtliche und das Trügerische

“Ein Deutscher ist großer Dinge fähig, aber es ist unwahrscheinlich, dass er sie tut: Denn er gehorcht, wo er kann, wie dies einem an sich trägen Geiste wohl tut.” – Friedrich Nietzsche, Morgenröte

“Unbedingter Gehorsam setzt Unwissenheit bei den Gehorchenden voraus.” – Charles de Montesquieu, Vom Geist der Gesetze

“Die höchste Form der Eitelkeit ist die Ruhmesliebe.” – George Santayana

“Der Edle hat Angst um andere, der Gemeine um sich selber.” – Paul Ernst, Ein Weltbild in Sprüchen

“Wo das Gemeine geduldet wird, da gibt es den Ton an.” – August Julius Langbehn, 

Von der Welt der Burschenschaften und ihre Einflüsse auf die demokratische Gesellschaft

Erschreckend, welches verbohrtes und verknöchertes Gesinnungsdenken in den Burschenschaften-Welten zu beobachten ist. Regeln und Rituale, Symbole und Kleidungsvorschriften und nicht zuletzt ein Hierarchie-Anspruch, der Machtausübung und Kontrolle, aber auch rücksichtslose Unterwerfung sichtbar werden lassen. Im wahrsten Sinne bis zum Erbrechen praktiziert, nicht nur beim Biersaufen.

Und wer seinen körperlichen Bedürfnissen wie die übervolle Blase leeren zu müssen, nachkommen will, wird durch unsinnige, aber durchschaubare Rituale daran gehindert. Das Quälen und Qualen erleiden ist Bestandteil der Unterwerfung und ist der Folterung nahe verwandt Und so wird in der Demütigung und der Aufgabe des eigenen Willens eine Gemeinschaft gezimmert, die durch “gemein sein” sich auszeichnet. Am Tisch sitzend und in die Maßkrüge zu pissen, ist dann der trügerische Teil der Regelbefolgung. Das Servicepersonal weiß genug von den Sauereien zu schildern, die als Mythos des “wahrhaft Männlichen” in den Reihen der Seilschaften und Burschenschaftswelten weiter existiert.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass „Befehl und Gehorsam“ als Methode gang und gebe ist, der sich vor allem die Platzhirsche unter den Altherren bedienen. Die liberalen Wurzeln aus der Zeit des Vormärz und der Aufklärung, auf denen die Studentenverbindungen  im 19. Jahrhundert für erste demokratische Strukturen kämpften, sind längst der nationalistischen und konservativen bis faschistischen und militärisch-junkerhaften Verhaltensklaviatur gewichen.

Und dennoch darf dieses rückwärtsgewandte Gesinnungsnetzwerk nicht unterschätzt werden. Mitgliedschaften in den Burschenschaften sind immer noch ein Garant für eine rücksichtslose Karriere in Wirtschaft, Bank- und Finanzwelt und der Politik. Es mag graduelle Unterschiede geben von katholischen gegenüber nationalistischen Burschenschaften – für diesen Teil steht z.B. der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet – aber dem zutiefst konservativen und der Wirtschaft und Finanzwelt verpflichteten Gedankenwelt ist nicht nur er, sondern auch ein Markus Söder – ebenfalls Mitglied einer Burschenschaft –  zugetan. Sie stehen somit als exemplarische Beispiele für diese Machtmenschen-Typen. Da entwickelt sich die zukünftige Bundestagswahl aufgrund der Kanzlerkadidaten aus den Reihen der CDU/CSU (Laschet, Röttgen, Merz oder Söder) für die Wähler zur Wahl zwischen Cholera und Pest.

Unter dem Deckmantel der „Tradition“ sichtbar an den o.g. Verhaltensweisen, wird bündnerische Seilschaft zur Machtsicherung und Beeinflussungspotential gepflegt. Nicht selten steht dieses Potential dann auch zur Verdeckung von Machenschaften bis hin zu kriminellen Versagen zur Verfügung. Die Verachtung aller humanistischen und demokratisch-aufgeklärten Weltgestaltung ist bei vielen Burschenschaften nachvollziehbar. Denn die beobachtbare „Anbetung“ des Fortschritts und Wachstums durch  Technikgläubigkeit bei den Burschenschaften führt zu einer Welt, die ohne ethische Reflexion und Korrektur keine allgemeine Verbesserung des menschlichen Lebens herbeiführt, sondern nur dem Elitendenken und der damit verbundenen Ausgrenzung der meisten Menschen Vorschub leistet.  

Die Dokumentation im ZDF verschafft aufschlussreich eine Einsicht und Übersicht zu den Machenschaften der Burschenschaften.

Eine Kurzfassung ist hier zu finden.

Die Langfassung hier.

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