Neocons – oder die Freiheit

Neocons – neudeutsch für „Neue Konservative“, Alter zwischen 20 und 40 (manchmal auch tatsächlich Richtung 70 gehend, die ihrem Jugendwahn frönen), beruflich und ausbildungsmäßig „was mit Finanzen oder selbstständig im Leiharbeits-Personalverwaltungsbereich“. Also real nur „warm-schaliges, braun-brakiges Wasser in neuen Schläuchen“. Nicht selten damit kokettierend, in der Jugend „links“ stehend gewesen zu sein (und wenn dann auch noch Kind der DDR eben auch mal in der PDS gewesen), aber nur als Jugendsünde sowie nonchalant – mit der Absicht eloquent zu wirken – diesen pubertären Lebensabschnitt beschreibend mit: Wer jung sei und kein Sozialist, der habe kein Herz! (Ergänzend muss gesagt werden, aber auch keinen Sachverstand – vor allem, wenn  auch noch rekrutiert wird auf den zweiten Teil des Kalenderspruch: wer alt sei und noch Sozialist, der habe keinen Verstand). Natürlich fehlt in einer solchen Sozialisation dann auch nicht die temporäre Mitgliedschaft in der AfD – somit dann zum exemplarischen Lebenslauf der Armseligkeit wird.

Und so schreibt man sich auch als „Guter“ der gesellschaftlichen Realitäten auf der gleichnamigen Achse und Plattform seinen Frust von der Seele. Denn der Beifall kommt in dieser Blase wie selbstverständlich. Zu guter Letzt ist die Krönung für diese  „Stützen der Gesellschaft“ der Wechsel zur FDP, dem letzten Zufluchtsort für die wahren Bewahrer der „echten Freiheit“  und Hafen der „libertär-pubertären Freiheitskämpfer“ für den Freihandel á la TTIP, CETA und TiSA.

Verdient werden die Brötchen für den Alltag mit der Ware „Geld“, der Ware „Arbeit“ (vorzugsweise der von fremden Leiharbeitern) und der Ware „Mensch“, zum Beispiel als Vermieter. Für den wirtschaftenden Unternehmer ist das nicht anders, als der Umgang mit Schrauben und Ersatzteilen. Politisch sammeln sich diese Versatzstücke des betriebs- und volkswirtschaftlichen Teilwissensträger im Begriff „Neocons“, der im Wesentlichen jedoch für eine neoliberale-sprich kapitalistische Weltsicht steht. Und natürlich verteidigen sie den Kampf gegen die Anhänger des Cancel Culture-Narrativs, egal ob die damit kritisierten Kulturteilnehmer sich als rechte, zynische Menschenfeinde und Demokratieverächter herausstellen.

Und Neocons finden sich in jeder Partei, in der FDP seit Guido Westerwelle sind sie in der Reinheit dieser Ausrichtung mit Triple A zu bewerten. Am weitesten geht die politische Schizophrenie jedoch bei den Grünen:   Sie sind die neuen schwarzen Neocons …. Atlantiker wir kommen – oder Joschka ist nicht allein! Bei diesem Gesinnungswechsel  wirkt die AfD wie eine Ansammlung anachronistischer und provinzieller Möchtegern Konservativer, bei denen der Geruch der historischen Jauche wie Schwaden vor ihnen her wabert.

Und jeder dieser Neocons-Gruppen beruft sich auf den Freiheitsbegriff, ohne auch nur dem wahren Charakter von Freiheit nahezukommen oder diesen zu begreifen. So ist es nicht verwunderlich, dass die heutige libertäre Ausgangsposition zum Verständnis von Freiheit eine von inhaltlichen Vorgaben entlastete negative Freiheit ist (*), die sich auf keine gemeinschaftlichen Werte und Ziele richtet, quasi eine Freiheit zu allem und zu nichts – im Mittelpunkt nur noch die eigene Person stellend.

(*) Die negative Bestimmung von Freiheit (frei sein von… z.B. staatlichen Regulierungen, sozialen Pflichten, Solidarität, Mitgefühl, Menschenfreundlichkeit usw.) wird in Bezug auf innere oder äußere Hindernisse und Zwänge gewonnen. Sie deckt sich zu einem großen Teil mit dem Begriff der Handlungsfreiheit=purer Egoismus, der mit allen Mitteln durchgesetzt wird  – oder anders ausgedrückt: ich mache, was ich will! Bei Typen wie Trump bedeutet dies Gefahr für die Menschen! Bei Clans der Verlust des Respekt vor der Exekutive und die Steigerung von Kriminalität.