Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Von der Moral und den Konsequenzen ihrer Abwesenheit

Die Aussage, dass es kein Gericht gibt, welches Moral einfordert von Politik, Wirtschaft und Verwaltung, bedeutet in der Konsequenz, dass von den Menschen zur Zeit kein Gericht moralisches Denken und Handeln verlangen kann und bei Unmoral ahnden wird. Der Rechtsstaat scheint die Moral außen vorzulassen. Dass jedoch nicht jedes „Recht“ von Staaten Bestand haben kann, zeigen Urteile wie in den Prozessen bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit und bei Kriegsverbrechen. Die Berufung auf ein „geltendes Recht“ während einer temporären Periode der Unmenschlichkeit ( 1933-1945)  – und um sich nicht auf einen Befehlsnotstand berufen zu können, wenn Kriegsverbrechen begangen wurden – widersprach die Justiz mit der Radbruchschen Formel:  das heißt: die Richter entschieden gegen das „geltende Gesetz von 1933-1945“ und stattdessen für die materielle Gerechtigkeit, weil das fragliche Gesetz

als „unerträglich ungerecht“ anzusehen war oder

das Gesetz die im Begriff des Rechts grundsätzlich angelegte Gleichheit aller Menschen aus Sicht des Interpreten „bewusst verleugnet“ wurde. (Quelle: wikipedia)

Weil heute von der Rechtsprechung die materielle Gerechtigkeit nicht angewendet wird, sind Leute wie Dobrindt und Scheuer noch immer im Amt, auch wenn sie nachweislich gegen ihren Eid „Schaden vom deutschen Volk abzuhalten“ verstoßen haben und weiterhin verstoßen (Stichwort: Maut).

Zu viele Figuren in politischen und wirtschaftlichen Einfluss- und  Lebensbereichen verhalten sich amoralisch, ohne dass dies Konsequenzen nach sich zieht. Das ist ein Zustand, der die Menschen empört und der geändert werden muss. Selbst Leute wie Klaus Schwab, (Interview in der SZ  Süddeutsche Zeitung)   dem Gründer des Weltwirtschaftsforums, lassen in Worten eine Veränderung in diese Richtung erkennen. Zumindest wird es ausgesprochen und steht in der Welt. Die Umsetzung in Form einer Selbstverpflichtung bleibt gewiss stecken, so lehrt die Erfahrung, wenn nicht der Druck der Bürger sich zugleich erhöht.

Wer aber ist dann für Moral zuständig? Etwa Religion und ihre Institution – welche z.B. vorgibt,  nach den zehn Geboten sich zu richten? Auch auf diesem Orientierungsfeld entscheidet jeder selber, die Normen und Regeln einzuhalten oder sie zu brechen und zu ignorieren. Die Instanz „Kirche“ hat längst ihren Einfluss verloren, normative Kraft und Korrektur zu sein, weil sie als Betroffene das Versagen in ihren eigenen Reihen weder verhinderte, noch konsequent aufgearbeitet hat.

Ist es die Philosophie, zum Beispiel durch den Bezug auf Kant und seinen kategorischen Imperativ? (1+2)

  1. „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Immanuel Kant: AA IV, 421)
  2.  „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ (Immanuel Kant: AA IV, 429)

Nach Kant hängen moralische Normen nicht von den Absichten einzelner Personen ab, sondern sie gelten allgemeingültig.

Auch unter den Philosophen befinden sich einige, die unmoralisches Verhalten propagieren. So wurde Ayn Rand zur Ikone der Unmoral, die dem Neoliberalismus das Wort redete und Egoismus pur propagierte und vorlebte.  Bewusst oder ohne Bewusstsein stützen und berufen sich Figuren wie Trump auf Ayn Rand, wenn sie ihrer Gier nach Reichtum und Macht nachhetzen.

Jeder Einzelne ist verantwortlich im Rahmen seiner Ämter, seiner Positionen und seines Umgangs mit den Mitmenschen für die Stärkung von Versöhnung und Vergebung, für ein gewaltloses Leben, für die Ablehnung von Krieg und für das Zusammenleben in Frieden. Jeder Einzelne ist verantwortlich durch sein Denken, sein Handeln, seine Gesinnung und seine Entscheidungen, ob Menschen in Freiheit leben können (sprich: eine Freiheit, die dort ihre Grenzen hat, wo sie die Freiheit des Anderen behindert) oder ob er Abhängigkeit und Sklaverei und Ausbeutung zulässt und praktiziert. Jeder ist persönlich mit seinem Lebensentwurf verantwortlich dafür, welche Lebensweise als allgemeingültige Daseinsform sich durchsetzt (ob Unterdrückung oder Freiheit, ob Frieden oder Gewalt und Krieg, ob lebenswert oder  lebensfeindlich, ob aufbauend oder zerstörerisch, ob menschenfreundlich oder menschenfeindlich, ob Liebe oder Hass, ob solidarisch oder egoistisch), weil die Summe der einzelnen Handlungen erst eine allgemeinwirkende und für alle gültige Lebensweise ergibt.

Auszüge von Philosophen, die mit der Frage nach moralischer Norm, die das Handeln leiten sollten, sich beschäftigten:

Marx: Handle so, dass Lebensbedingungen geschaffen werden,  „worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist“. (Manifest der Kommunistischen Partei) 

Hitlers mörderische System und das Mitmachen seiner Mitschuldigen im Zeitraum von 1933-1945 (und auch die Neonazis bis heute zu!), ließ nur eine Schlussfolgerung zu: „… den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufzuzwingen: ihr Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehen kann.“ – Theodor W. Adorno: Negative Dialektik 

Habermas:

„Der kategorische Imperativ bedarf einer Umformulierung in dem vorgeschlagenen Sinne: Statt allen anderen eine Maxime von der ich will, dass sie allgemeines Gesetz sei, als gültig vorzuschreiben, muss ich meine Maxime zum Zweck der diskursiven Prüfung ihres Universalitätsanspruchs allen anderen vorlegen. Das Gewicht verschiebt sich von dem, was jeder (einzelne) ohne Widerspruch als allgemeines Gesetz wollen kann, auf das, was alle in Übereinstimmung als universale Norm anerkennen wollen.“ – Jürgen Habermas: Moralbewusstsein und kommunikatives Handeln 

Hans Jonas:

„ ‚Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden‘; oder negativ ausgedrückt: ‚Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung nicht zerstörerisch sind für die künftige Möglichkeit solchen Lebens‘; oder einfach: ‚Gefährde nicht die Bedingungen für den indefiniten Fortbestand der Menschheit auf Erden‘; oder wieder positiv gewendet: ‚Schließe in deine gegenwärtige Wahl die zukünftige Integrität des Menschen als Mit-Gegenstand deines Wollens ein.“ – Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung

„Der neue Imperativ ruft eine andere Einstimmigkeit an: nicht die des Aktes mit sich selbst, sondern die seiner schließlichen Wirkungen mit dem Fortbestand menschlicher Aktivitäten in der Zukunft.“ – Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung

 

 

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