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Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Von Corona-Superspreader, fehlenden Ärzten und Pflegepersonal sowie der Notwendigkeit zur Selbstdisziplin

Das Zentral-Institut der Kassenärztlichen Vereinigung hat in seinem Positionspapier vom 31.10.2020  zum aktuellen Corona-Infektionsgeschehen mit der „Vorwarnzeit“ einen Indikator ins Spiel gebracht, der neben dem R-Faktor (Reproduktionsfaktor= wie viele andere steckt ein Infizierter an?) und der 7-Tage-Inzidienz Handlungsgrundlage für politische Entscheidungen sein sollte.

Es bleibt eine faktenbelegte Tatsache, dass die Fallzahlen der Infektionen steigen und damit auch die Fallzahlen der Patienten, die demnächst wieder als schwere und schwerste Patientenversorgungsfälle in den Krankenhäusern sich befinden werden. Sich dabei nur auf die Bettenzahl und die Beatmungsgeräte-Anzahl für Corona-Patienten zu konzentrieren, stände nicht nur für eine falsche Sicherheit im Fall der Fälle, sondern würde auch bedeuten, dass viele notwendige OPs und Versorgungen bei Krebsfällen, Herzinfarkten, Schlaganfällen etc. verschoben werden müssten. Es bedeutet jedoch in erster Linie, dass zu wenige Kapazitäten bereitstehen würden, weil der gesamte Bereich der Krankenpflege überfordert wäre. Neben den Ärzten arbeiten die Pflegekräfte und OP-Krankenschwesterkräfte schon längst am Limit. Dies ist der eigentliche Schwachpunkt bei einer neuen Corona-Welle.

Nicht immer waren die politischen Entscheidungen sinnvoll und nachvollziehbar, wie am Beispiel der Beherbergungsvorschriften nachvollzogen werden kann. Zudem fehlt, dass Politik sich viel zu selten mit den wirklichen Problemen (welche Quellen sind die realen Ursachen für die erneute Pandemieausbreitung?) und deren Folgen auseinandersetzt! Erst recht sind Versäumnisse der mitnehmenden Kommunikation seitens der Regierungen und der Politik zu verzeichnen. Ausnahmen gibt es allerdings, wie beim täglichen Ansprechen von Landrat Stephan Pusch nach dem Ausbruch im Kreis Heinsberg geschehen, der sich verständlich, menschlich und sprachlich den Bürgern seines Kreises nahe fühlend gegenüber verhielt und so die Menschen mitnehmen konnte bei den notwendigen Maßnahmen. Es mag in der zweiten Welle angebracht sein, dass er dies wieder tun sollte, weil auch im Kreis HS anscheinend der Wille zur Disziplin nachgelassen hat, wie auch hier die Zahlen zeigen.

Quelle: Bildzitat vom ZI – Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Stiftung des bürgerlichen Rechts)

Vor allem die explosiv wieder gestiegenen Zahlen der durch Tests festgestellten Infiziertenzahlen sind qualitativ nicht gesondert beurteilt, wie viele davon Superspreader sind und damit die größten Ansteckungszahlen verursachen! Ein Begriff – das Pareto-Prinzip 80:20-Verhältnis – gibt einen Erklärungsansatz. Das Prinzip besagt, dass 20 % der positiv Infizierten für 80 % der Ansteckungszahlen verantwortlich seien. Untersucht man diesen Ansatz genauer, gilt aufgrund der seit dem Frühjahr gewonnenen Erkenntnisse über das Virus, dass 5-10 % der Infizierten für 80 % der Verbreitung ursächlich sind. Das Virus verbreitet sich in sogenannten Clusterbildungen. Dargestellt durch den Dispersionswert= k-Wert. Je kleiner er ist, umso größer sind die Ansteckungszahlen. Das belegen die Ausbrüche z.B. bei Hochzeitsfeiern oder in den Schlachtfabriken.

Je unregelmäßiger die Streuung ist, desto kleiner ist der k-Wert. SARS-CoV-2 hat einen relativ kleinen, nämlich circa 0,1. Das heißt, das Coronavirus verursacht Superspreading.

Bei allen genannten Indikatoren sind die Werte gegenüber März/April schon überschritten! (Diese Nachricht sei besonders an die Verharmloser, die Leugner und die Verweigerer der AHA+L  und „3G“-Regeln gerichtet.) Solidarität geht anders, nicht nur zur Vermeidung der Infizierung, sondern auch mit dem Personal im Gesundheitswesen!

Es ist also sinnvoller zu fragen, welche Ereignisse verursachen die hohen Ansteckungszahlen und durch welche Verhaltensweisen (Feiern, Veranstaltungen in Räumen, keine Einhaltung der AHA_+L-Regeln [Abstand-Hygiene-Atemschutz und Lüftung] etc.)  sind sie bedingt?

Es sind alle gefragt, Disziplin zu halten und die AHA-Regeln zu beachten sowie vor allem an die Gelegenheiten denken, in den die „3Gs“ zum Tragen kommen: Geschlossene Räume, Gruppen/Gedränge und Geselligkeit (mit Alkohol oder sonstige Drogen)!

Ergänzung:

Eine Studie vom 27.10.2020 zeigt, wie die Entwicklung der 2. Corona-Welle nicht nur die Gesundheitsämter überlastet. Eine  Mit- Autorin der Studie hat in einem Interview mit der TAZ Stellung bezogen. Auch darin wird gefordert, nach Superspreader zu suchen, nicht nur nach Infizierte. Die Rückverfolgung und die Erfassung dieser Personen sind eine große Hürde und bereiten große Schwierigkeiten aufgrund der Überbelastung der Gesundheitsämter.

Zum Schluss noch ein Zitat aus der Kolumne“Das große Gähnen“   von Thomas Fischer auf SPON (Spiegel-Online), Rechts­wissenschaftler und Vorsitzender des 2. Strafsenats des Bundes­gerichtshofs i.R.  bezogen auf die Äußerung des  AfDler Alexander Gauland und seines Versuchs der Delegitimierung der Regierung und ihrer Verordnung zum Teil-Lockdown. 

Aber man muss halt nur oft genug wiederholen, die Gewaltenteilung sei aufgehoben, eine Diktatur ausgebrochen, ein „Kriegskabinett“ am Werk. Irgendwer wird’s schon glauben!

In diesen Brei rühren nicht nur die Anti-Corona-Demoteilnehmer  und zehren davon zur Stärkung der Selbsttäuschung. In den Leserbriefen auf der Plattform „NDS“ finden sich Bemerkungen, die den Anschein erwecken, dass sie vom gleichen Brei genossen haben. Sie bleiben umkommentiert vom Herausgeber und seinem Team und wirken damit letztlich desavouierend auf die ansonsten oft aufklärende Arbeit der Nachdenkseiten.

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