Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Ästhetik und Kommunikation

Ästhetik und Kommunikation

Niemand kann nicht kommunizieren, auch nicht beim Abbilden von Wirklichkeit.

Fotografieren ist auch und u.a. das Abbilden von Wirklichkeit mittels technischer, formaler und inhaltlicher Kriterien der Wahrnehmungs- und Umsetzungsfähigkeit.

Der Prozess des Abbildens ist schon Kommunikation, erst recht der Umgang mit dem Medium hinsichtlich seiner Wahrnehmung und hinsichtlich der Vervielfältigung und seiner Wirkung.

Kommunikation ist immer auch Verhalten.

Kommunikationsverhalten ist entweder auf Gleichwertigkeit ausgerichtet (P.Watzlawick: symmetrisch oder komplementär) oder auf Unterschiedlichkeit, respektive negativ auf Abgrenzung und Unterwerfung durch Deutungshoheit ausgerichtet.

Jede Kommunikation hat sowohl einen Inhalts-, wie einen Beziehungsaspekt. Letzterer bestimmt den ersten Aspekt. ( Watzlawick)

Fotografie als Prozess hat inhaltliche, wie kommunikative beziehungsmäßige Anteile.

Die Prozessergebnisse unterliegen wiederum einer Wahrnehmung durch den Schaffenden wie den Betrachtenden.

   Raum und Fläche

Unter philosophischen Gesichtspunkten wird der Gegenstand der Ästhetik (z.B. ein Foto) auch heute noch dem sinnlich Wahrnehmenden zugeordnet, als philosophische Kategorie ist Ästhetik die Philosophie der Kunst und der Wahrnehmung des Sinnlichen und diese wird durch Kriterien rational versucht zu erfassen.

Regeln, welche nicht mehr wie philosophiegeschichtlich (bei Kants Transzendentale Ästhetik) a priori erstellt werden können,  fußen auf Hypothesen, die sich bilden aufgrund von kommunikativer Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Werk (z.B. einem Foto), aber auch Gegenstand des Kunstkommerz sind, welcher einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Regelbildung hat, insofern, dass sie den zeitgeistigen Geschmack und das Verständnis bestimmen, was regelgemäß Kunst ist.

Wer die Deutungshoheit  besitzt, bestimmt somit die Regeln nicht unerheblich mit, an denen sich die anderen Beteiligten (die Prozessschaffenden, die Käufer/Verkäufer, die Rezipienten, die Kritik etc.) orientieren und festigen. Innerhalb eines solchen Prozesses werden die zeitgeistigen Regeln der Ästhetik abstrahiert und gelten als temporäres Kriterium für ästhetisches Ausdrucksvermögen, gelten also als Kunst oder als „gute“ Gestaltung eines Werkes (z.B. bei einem Foto, das als gelungen, gut etc. gilt, wenn die so beliebten Kriterien wie „Tonalität, Licht, Farbe,  Komposition {Symmetrie, Geometrie}, Rhythmus,  Technik sowie Textur“ angefügt werden) .

Wenn Ästhetik als Regelwerk für „schöne, erhabene, natürliche etc. (Kunst-) und Werke/Ergebnisse“ ausgelegt wird,  welche noch bei Hegel  „die Philosophie der schönen Kunst , welche durch das antike Verhältnis von Idee und Gestalt zur Ausformung gelange“ ausmachte, bei Schopenhauer „das Schöne als Objekt der Sinnlichkeit beruhigend wirke“ umfasste und bei Nietzsche „ Ästhetik als: das schöpferische Sehnen zum Ausdruck gebracht“  bedeutete, dann umfasst Ästhetik heute entweder die Aspekte und Facetten der Situation des Schaffenden ( von mir aus auch Künstler genannt)  oder die der Adressaten.

Aus dem jeweiligen Schwerpunkt (der Produktion oder der Rezeption) lässt sich eine Ästhetik formulieren, die ihren eigenen Stellenwert hat und gleichberechtigt ist.

  Körper im Raum / Schwarz und Weiß / groß und klein / etc.

In der Kommunikation über Ästhetik zeigt sich einerseits, unter welchen Bedingungen dies nur funktionieren kann und wie im Falle eines Konflikts dieser gelöst und in einen Diskurs hinübergeführt wird.

Ein Lösungsansatz dazu ist das Verständnis für die Rolle der Teilnehmer in dem Drama-Dreieck eines Konflikts. Nicht selten ist der beständige Wechsel zwischen Täter-, Opfer- und Vermittler-Rolle erkennbar. Da muss der Beobachter nur in die Debatten und konfliktgeladenen Beitragsschlachten diverser Fotoforen schauen. Nur wer sich dem Dramadreieck entziehen kann, überführt solche forumsinternen Konflikte in einen sich wechselseitig befruchtenden Diskurs.

Modernes Verständnis und neue Tendenzen lösen Ästhetik (z.B. was ist ein ästhetisch gelungenes Foto?) aus dem Zusammenhang der klassisch-philosophischen Ansätze eines Kants, eines Hegels, eines Nietzsches und erst recht eines Baumgartens und definieren Ästhetik im Rahmen einer medial dominierten (Um-)welt. Dabei ist Ästhetik einer medialen Bewirtschaftung unterworfen und im ständigen Fluss wird Ästhetik einer Neudefinition unterworfen.

Wer hier zu einseitig einem überkommenen Verständnis von Ästhetik aufsitzt, sperrt sich aus einer möglichen Weiterentwicklung aus. Dabei ist es hilfreich, Diskursfähigkeit zu besitzen und den Untiefen der Kommunikationsweisen nicht auf den Leim zu gehen. Es weitet den eigenen Horizont und verschafft die Fähigkeit, neue Wege zu gehen, ohne im lamentierenden Dramadreieck gefangen zu bleiben.

Aus werkästhetischer Sicht betrachtet ist  ein Foto die Verkörperung und das Ergebnis eines Schaffens, hinter dem ein philosophisch-psychologisch-soziales Konzept steht.  Es ist dennoch und gerade deshalb auch ein ästhetisches Foto.

Aus formalästhetischer Sicht betrachtet ist ein Foto die Verkörperung und das Ergebnis eines Schaffens, bei dem das Zusammenspiel rein formaler (technisch gelungen, Bandbreite der Tonalität ausgeschöpft, Ausgewogenheit der Formen und Linien beachtet etc.) Gestaltungsmerkmale im Mittelpunkt stehen. Es ist dennoch und gerade deswegen ein ästhetisches Foto.

Aus  gehaltsästhetischer Sicht betrachtet ist ein Foto die Verkörperung und das Ergebnis eines Schaffens, hinter dem ein geschichtlicher, sozialer und/oder ontologischer Kontext steht und erkennbar wird.  Es ist dennoch und gerade deswegen ein ästhetisches Foto.

Zeit und Raum

Jedes ist für sich gesehen ein ästhetisches Produkt und steht gleichwertig neben jedem der anderen. Mit dem einen Ansatz das Foto des anderen Ansatzes ästhetisch bewerten und einordnen zu wollen, verkennt die Eigenwertigkeit und wird damit sprachunfähig. Spricht sich somit auch die Berechtigung ab, einen Diskurs führen zu können. Es bleibt bei der Endlosdebatte um die Hoheitsrechte.

Es  wird agiert dann im Sinne dessen, was Feuerbach beschrieb:

„Niemand urteilt schärfer als der `Unwissende`, er kennt weder Gründe noch Gegengründe.“

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