Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Joe Biden – US-Präsident in spe oder die Grenzen der Hoffnung auf den Wechsel zu einer solidarischen Gesellschaft

Die Zukunft liegt im Nebel und kann trügerisch sein!

„Stellen Sie sich vor, daß Sie Atlas sehen, den Riesen, der die Welt auf den Schultern trägt. Sie sehen ihn da stehen, Blut rinnt ihm über die Brust, seine Knie knicken ein, seine Arme zittern, versuchen aber, die Weltkugel mit letzter Kraft hochzuhalten, doch je mehr er sich müht, desto schwerer lastet die Welt auf seinen Schultern. Wenn Sie ihn so vor sich sehen: Was raten Sie ihm? Die Welt abzuwerfen.“ – Ayn Rand „Atlas shrugged“ 

(Original englisch: „If you saw Atlas, the giant who holds the world on his shoulders, if you saw that he stood, blood running down his chest, his knees buckling, his arms trembling but still trying to hold the world aloft with the last of his strength, and the greater his effort the heavier the world bore down on his shoulders — what would you tell him to do? […] To shrug.”)

Es hat den Anschein, dass die Eskapade namens Trump-Präsidentschaft so endet, wie sie begonnen hat: mit Selbst- und Fremdtäuschung, mit Lügen, Protzen, Wutausbrüchen, Drohungen und endlosen Peinlichkeiten, also so wie immer: würdelos!

Eine viereinhalbjährige dauernde Aneinanderreihung von Selbstdarstellungen eines Egomanen – vom familiären Modell der Rücksichtslosigkeit  geprägt- der einerseits falsche Versprechungen machte (America great again) und andererseits den Hass schürte, die Gesellschaft(en) innerhalb der USA und weltweit spaltete, die Radikalität und den Rassismus legitimierte, in dem seine Sprüche auf Twitter-Niveau die niedrigen Instinkte der Rassisten und Faschisten anstachelte und die Respektlosigkeit salonfähig machte. Trump steht und stand für eine Gesinnung, die auf die Schwächung und Zerstörung eines Gegenübers und Wettbewerbers setzt, also die destruktive Art des Umgangs mit anderen bevorzugt.

Aufgrund dieser Fakten mögen viele Menschen eine klammheimliche Freude über seine Abwahl (in einem Wahlsystem, das aufgrund der Imponderabilien änderungswürdig ist – siehe Film: Die Dollar-Demokratie)  empfinden. Dem gegenüber stehen diejenigen weltweit, die bedauern werden, dass nun das Verhalten eines „Elefanten im Porzellan-Laden der Diplomatie“ nicht mehr den Schaden anrichtet, der ihnen selber ideologisch in den Kram passt.

Wer oder was aber wird auf Trump folgen? Feststellbar ist, dass in der US-Gesellschaft über alle Parteigrenzen hinweg eines sie einigt: Es ist das Verständnis und die dahinterstehende Ideologie eines Freiheitsbegriffes, der ohne Bestandteile für Solidarität ist, der absolut auf der philosophischen Grundlage von Ayn Rand beruht – einem „rationalen Egoismus“ –  und „im Wesentlichen das Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum im Sinne einer Abwehr von physischer, also auch „struktureller“ Gewalt  (Zitat aus Wikipedia) meint“, wenn es Bestrebungen geben sollte, dies mit alternativen Lebensmodellen zu ändern.  Dabei solle ein Staat nur die Aufgabe wahrnehmen, gesetzlich dafür zu sorgen, dass diese Form der Lebensgestaltung geschützt werden muss. In diesem geistig-gesinnungsmäßigen Umfeld gedeihen dann Waffengesetze wie die in den USA-Staaten, bestehen das Verständnis von Freihandel und  geschäftlicher Tätigkeit, in dem das Prinzip vorherrscht, erstmal alles tun und lassen zu können, bis die Schäden in der Umwelt und an Menschen durch die Klagen vor Gericht eingedämmt werden und Entschädigung gezahlt werden muss. Die Freiheit des Tuns und der Kapitalvermehrung steht über der Freiheit und den Schutz von Mensch und Natur. Eine diametral entgegengesetzte Weise zu einem Sozialstaat und einer sozialen Demokratie, die auf dem europäischen Grundverständnis von Historie und Philosophie Tradition hat.

Das wird sich auch mit dem neuen Präsidenten Joe Biden, wenn er denn von den Wahlmännern Ende des Jahres gewählt werden sollte, nicht ändern. Wer jetzt diesem Vertreter des neoliberalen Establishment gratuliert, tut dies auch aus der Sicht desjenigen, den die gleiche Gesinnung antreibt: dem neoliberalen Finanzkapitalismus das Wort zu reden! In Deutschland stehen dafür Friedrich Merz und die wirtschaftsliberalen Teile der CDU/CSU.

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