Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Ein Tag im Leben der Corona-Begrenzung – die Reductio ad absurdum

“Das Absurde hat nur insofern einen Sinn, als man sich nicht mit ihm abfindet.” – Albert Camus – Der Mythos des Sisyphos

und die Warnung vor der Gewohnheit

“Wer sich an das Absurde gewöhnt hat, (glaubt, er) findet sich in unserer Zeit gut zurecht.” – Eugène Ionesco

Früh aufgestanden. Die Nacht relativ ruhig verbracht, wenn auch wie immer zu kurz. Gedanken aus den Traumfetzen mit hinübergebracht in den aufgehenden Tag. Kurze Ablenkung vom Farbenspiel am Firmament. Zwei Aufnahmen für das vorgesehene Panorama gemacht. Zurück zu den Erinnerungsfetzen und die gleich der Analyse unterworfen. In diesen Zeiten des x-ten Lockdowns ist Vernunft der Anker, der Bodenhaftung verspricht.  Wie der erste Strahl im Sonnenaufgang drängt sich ein philosophisches Argument in den Vordergrund des Denkens: die Reductio ad absurdum.

Es erscheint ein passender Begriff zur Beschreibung  des gesellschaftlichen Diskurses in der Gemengelage von Berichterstattungen, Gutachten, Statusfeststellungen des RKI, den Bundestagsdebatten und dem “Getwitter” der verschiedenen Blasenwirklichkeiten zu sein. Der Zustand der Gesellschaft scheint exakt dem zu entsprechen, welches der Bedeutung der Reductio ad absurdum entspricht: das Aufeinanderprallen der Argumente, die aus den verschiedenen Prämissen zum Teil so absurde Forderungen und Schlussfolgerungen ziehen, dass im Grunde genommen jeweils das Gegenteil wahr zu sein scheint. Da bekommt denn auch der Begriff des “Wahrlügens” (Hannah Arendt) eine aktuelle Berechtigung und Fleisch an den Knochen des Chaos und der Ängste. 

Ob Heidegger diese Realität der Corona-Thematik gemeint hat, als er formulierte: “Das Nichts nichtet!”?

Reductio ad absurdum. Die relativen Realitäten sind noch viel absurder, als die Vernunft unter Mithilfe der Kreativität sich das ausmalen konnte. Sich als Mutter eines Kindergartenkindes  – als Protestteilnehmerin an einer Anti-Corona-Demo der “Querdenker” teilnehmend – aus Kükendraht eine Mund-Nasen-Schutzmaske zu basteln, diese mit einer glaslosen Brille ergänzend, an der einige Tampons bis zum Kinn hinab baumeln, wäre selbst Hieronymus Bosch als Element der Verkommenheit zu irrsinnig vorgekommen. Auch sie erliegt der Reductio ad absurdum und argumentiert, Masken ließen Kinder ersticken. Um aber der Vorgabe, bei der Demo eine Schutzmaske zu tragen, entsprechen zu können, habe sie die “Freiheit” sich genommen, eine eigene Maske zu basteln. 

Da kommt unweigerlich der Witz in den Sinn: Drei Kühe stehen auf der Weide. Sagt die eine zur anderen: “Wie denkst du über BSE (Rinderwahnsinn)?”  “Was kümmert mich das?”, sagt die andere. “Ich bin ein Hubschrauber.”  Und die Dritte flötet unvermittelt: “Je höher, desto bimbam!” 

Kein Wunder, ob dieser Unterhaltung, weil die echte Lebensangst psychopathologische Symptome in Masse produziert. Die Bandbreite dieser Diagnosen reicht von: AfD-Mitglied und armseliges Verhalten zeigend, über die “Faktenchecker” und Rufer in den TV-Formaten bis zum naiven bürgerlichen Teilnehmer an den von politischen Brandstiftern organisierten Protestdemonstrationen, bei der sie von den Wasserwerfern der Polizei auseinandergetrieben wurden. Und auch hier reicht die Bandbreite der Wertungen und gemachten Aussagen von: “Im heißen Sommer hätten sie damit mal uns abkühlen können” bis zur Empörung “Wir sind doch nur christlich geprägte Beschützer der Grundrechte”. Bei diesen Zutaten kann es kein schmackhaftes Menü werden.

Und nicht einmal die Gastronomie-Inhaber habe noch vor lauter Grundrechtsbeschränkungen, die seitens der Bundes- und Landesregierungen unters Volk gestreut werden, die Gelegenheit, die lebenden Fische und Hühnchen in der Küche auf die Zubereitung vorzubereiten! “Ihr kommt auf jeden Fall in die Pfanne!”, lautet denn seitens der Köche die kurze Ansprache.

In den Blasen-Wirklichkeiten herrscht die Ungenauigkeit und in der Politik  bleibt auch alles im Vagen. So sind in der Tat die Erfahrungen der Menschen vor allem im Bildungsbereich (Schulen) höchst bedauerlich, weil trotz der freiwillig vereinbarten und disziplinierten Verhalten (Maske tragen im Unterricht, Hygiene–Maßnahmen einhalten, alle 15-20 Minuten lüften für 5 Minuten) Schüler erkranken, deren Testergebnisse erst 5 Tage später der Schule mitgeteilt werden und in dieser Zeit die Infizierung Raum greifen kann! 

Und ebenfalls im Bereich der Corona-gebeutelten Schulen sind Berichte über die Umsetzung des Digitalpaketes und der Unflexibilität der Schulträger und kommunalen Verantwortlichkeit mehr als erschreckend.

Sowie last but not least der ganz normale Existenzwahnsinn, den Menschen aus dem Umfeld von Selbständigkeit in verschiedenen Branchen oder in der Gesundheitsamtsbürokratie und dem Pflegebereich von Krankenhaus und Altenheim  erleben und der jeden Existenzphilosophen an das Ende der Fahnenstange bringen würde.

Und wer als ganz normaler Bürger von den oben beschriebenen Unbilden verschont geblieben ist, wird dennoch von den auf alle zurollenden Kostensteigerungen eingeholt. Mit den steigenden Kosten für Strom und Gas konfrontiert, fragt sich jeder, warum die Regierung in diese absurde Spirale nicht eingreift und die Kosten deckelt aufgrund der immer niedrigeren Einkaufskosten dieser Energien. Die klammen Kommunen werden ihre Gebühren und Grundsteuern ebenfalls massiv erhöhen, um die entgangenen Einnahmen teilweise auszugleichen. 

Die Umverteilung von unten nach oben und die steigenden Belastungen, sprich, von der Masse anstatt von den Vermögensumfängen die Kosten der Corona-Krise zahlen zu lassen, ist noch immer  ein absurdes Verfahren. Es wird an der Zeit, endlich angemessen hohe Transaktionssteuern im Vermögensanlagenbereich einzurichten, die anteilig die Kosten decken können. Ebenso ist es fünf vor Zwölf, die Vermögenssteuern wieder angemessen und kostendeckend für die gesellschaftlichen Kosten einzufordern. Und nicht zuletzt ist das System der Hartz-IV-Arbeitsverfügungsmasse zu ersetzen durch ein Grundgehalt für alle. Wer einem Unternehmen wie der Lufthansa AG rd. 9 Mrd. Euro aus dem Sonderhaushalt zur Verfügung stellen kann, der sollte endlich die Umverteilung von oben nach unten in diesen Zeiten auf den Weg bringen. Dann wäre in diesem Umfeld schon mal die Methode des Reductio ad absurdum als Gefährdungspotential für die Demokratie aus dem Feld geräumt.   

Ergänzung vom 24.11.2020

Ergebnisse der Untersuchungen zur ersten Covid19-Welle in Deutschland. Hrsg. RKI! 

Ergänzung II vom 24.11.2020

Soviel zum Sonderweg Schwedens in der Corona-Pandemie! Das Verhalten der Menschen in Schweden ist in Sachen Ignoranz und fehlender Disziplin nicht anders als in anderen Ländern. Der Hinweis hier auf diesem Blog auf die wachsende Gefahr im Herbst und Winter auch für Schweden ist schon mehrmals erfolgt.

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