Wald – Mythos, Narrativträger, Instrument und Gebrauchsartikel

Der Wald – dem Thema widmete das TV-Format “Planet Wissen” einige Sendungen.

Eine Sendung bei “Planet Wissen” titelten die Macher: “Die Deutschen und ihr Wald – verehrt und dämonisiert“.

Von Caspar David Friedrich bis in die Moderne widmeten sich bildende Künstler und Schriftsteller dem Thema Wald. Von der Mythologisierung bis zur Instrumentalisierung und Ideologisierung diente Wald den Verbrauchern als Träger ihrer Narrative. 

Dass die Nazis den Begriff Wald ideologisch strapazierten und  instrumentalisierten, war nicht verwunderlich, nicht mal in der pervertierten Form, Bäume so zu pflanzen, dass sie im Herbst aus der Luft das Hakenkreuz abbildeten. So mancher verbildlichte röhrende Hirsch versuchte überhöhend und dennoch nichtssagend die Aufgeblasenheit und inhaltlichen Leere der “Blut-und Bodenthematik” zu ersetzen.  

Dass heute eher reine Sachlichkeit und Distanziertheit den Gebrauchs-Charakter des Waldes  in der bildlichen Darstellung widerspiegeln, das ist dem Zeitgeist geschuldet. Und auch letzterer Begriff steht in der Kritik und selbstverständlichen Hinterfragung der Bedeutungen.

Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln. 

… lässt Goethe seinen Faust formulieren. Und den Geist der Zeiten versuchen die Machtinhaber seit jeher selber zu bestimmen. 

Johann Gottfried Herder benutzte den Begriff “Zeitgeist” in seiner Schrift “Kritische Wälder oder Betrachtungen, die Wissenschaft und Kunst des Schönen betreffend”.

Und der Blickwinkel auf die zeitgeistigen Sonderlichkeiten  richtend, wird von kritischen Geistern sprachlich zum Ausdruck gebracht. So formulierte Hans Magnus Enzensberger als gegenwartsbezogene Kulturkritik: 

“Etwas Bornierteres als den Zeitgeist gibt es nicht. Wer nur die Gegenwart kennt, muß verblöden.“

Inspiriert von Peter WohllebensDie geheime Sprache der Bäume” und bildnerisch abstrahierend, beschäftigten sich Elke und Günter Winterscheid aus Stolberg/Rhld. mit dem Thema Wald.

 

Günter Winterscheid – Stolberg Rhld.Waldfrevel
 
Ein hübsches Pärchen ging einmal
Tief in des Waldes Gründe.
Sie pflückte Beeren ohne Zahl,
Er schnitt was in die Rinde.
 
Der pflichtgetreue Förster sieht’s.
Was sind das für Geschichten?
Er zieht sein Buch, er nimmt Notiz
Und wird den Fall berichten.     

(WILHELM BUSCH)

Doch jetzt braust’s aus dem nahen Gebüsch,
tief neigen die Erlenkronen sich,
Und im Wind wogt das versilberte Gras.
Mich umfängt ambrosische Nacht: in duftende Kühlung
Nimmt ein prächtiges Dach schattender Buchen mich ein,
In des Waldes Geheimnis entflieht mir auf einmal die Landschaft,
Und ein schlängelnder Pfad leitet mich steigend empor.
Nur verstohlen durchdringt der Zweige laubigtes Gitter
Sparsames Licht, und es blickt lachend das Blaue herein.
Aber plötzlich zerreißt der Flor. Der geöffnete Wald gibt
Überraschend des Tags blendendem Glanz mich zurück.

FRIEDRICH SCHILLER

Elke Winterscheid – Stolberg Rhld.

Seht meine lieben Bäume an,
Wie sie so herrlich stehn,
Auf allen Zweigen angetan
Mit Reifen wunderschön!

Von unten an bis oben ‘naus
Auf allen Zweigelein
Hängt’s weiß und zierlich, zart und kraus,
Und kann nicht schöner sein;

Und alle Bäume rund umher,
All alle weit und breit,
Stehn da, geschmückt mit gleicher Ehr,
In gleicher Herrlichkeit.

MATTHIAS CLAUDIUS

Günter Winterscheid – Stolberg Rhld.

Der scheidende Sommer
 
Das gelbe Laub erzittert,
Es fallen die Blätter herab;
Ach, alles, was hold und lieblich,
Verwelkt und sinkt ins Grab.
 
Die Gipfel des Waldes umflimmert
Ein schmerzlicher Sonnenschein;
Das mögen die letzten Küsse
Des scheidenden Sommers sein.
 
Mir ist, als müsst ich weinen
Aus tiefstem Herzensgrund;
Dies Bild erinnert mich wieder
An unsre Abschiedsstund’.
 
Ich musste von dir scheiden,
Und wusste, du stürbest bald;
Ich war der scheidende Sommer,
Du warst der kranke Wald.
 
HEINRICH HEINE

 

“Und die Menschen gehen und bewundern die Höhen der Gebirge, die gewaltigen Wogen des Meeres, den breiten Fluß der Ströme, den Umfang der Ozeane und den Umlauf der Gestirne, auf sich selbst aber achten sie nicht.” Aurelius Augustinus

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