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Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Gesundheit und Resilienz in Krisenzeiten

Der Mensch ist anpassungsfähig, insbesondere wenn es um existenzielle persönliche und gesellschaftliche Krisen geht, die es zu bewältigen gilt. Mit der Corona-Pandemie erleben die Menschen in der westlichen Welt erstmals seit dem 2. Weltkrieg wieder eine tiefgreifende Krise. Die betrifft die meisten Menschen – weltweit.  Die damit verbundenen Beeinträchtigungen machen oft eine Anpassung des alltäglichen Lebens notwendig, um die belastenden Folgen zu bewältigen.  Anpassung fordert den einen mehr, den anderen weniger. Wie die Bewältigung gelingt, das ist sowohl von persönlichen wie auch gesellschaftlichen Bedingungen abhängig. Wichtig scheint zu sein, dass sie aktiv und selbständig sowie rechtzeitig erfolgen muss. Wenn der Mensch zu lange passiv bleibt und sich den von außen entstehenden Vorgaben ausliefert, gerät er  in Gefahr, die Selbstkontrolle zu verlieren, auch hinsichtlich der Akzeptanz von gesetzlichen Vorgaben.  

Im menschlichen Leben erfolgen immer wieder unterschiedliche Krisen. Zum erwachsenen und reifen Verhalten gehört, damit umzugehen zu können,  sich körperlich und psychisch stabil zu machen und einer Überlastung vorzubeugen. Der Begriff  Resilienz steht für diese Aufgabenbewältigung und ist sowohl Vorbeugung im Erwachsenenalter wie Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung in der Kindheit und Jugend.

Die Förderung und Stärkung der psychischen Widerstandsfähigkeit ist Voraussetzung, um im Arbeitsleben und im Zusammenleben mit dem Lebenspartner ein gelingendes Leben zu ermöglichen. Und wie immer ist auch für dieses Thema die Forschung bisher uneinig, ob die Entwicklung und Ausprägung einer stabilisierenden Resilienz eine genetisch (angeborene) bedingte Eigenschaft oder eine erlernte Fähigkeit ist. Optimal wäre ein Zurückgreifen auf beide als Quelle. Aber wie immer muss der Mensch realistisch einschätzen, was für ihn persönlich der Ausgangspunkt ist.

Wer nach einer Belastung – egal ob im privaten oder beruflichen Umfeld ursächlich liegend – keine dauerhaften Beeinträchtigungen und Verhaltensveränderungen entwickeln und psychisch stabil bleiben will, hat dafür ein Gerüst an Persönlichkeitsmerkmalen zur Verfügung. Ein positives Selbstbild und Selbstbewusstsein entstehen durch Kenntnis und Akzeptanz seiner Stärken und Schwächen. Hilfreich ist zudem, wer auf ein soziales Netz (Familie, Partner, Freunde) zurückgreifen kann, in denen menschenfreundliche Werte gelebt werden. Sport und gesunde Ernährung verstärken diese Grundvoraussetzungen für eine stabile Resilienz.

Also Resilienz positiv nutzen zu können, dazu gehört, sich selber gut zu kennen und auf körperliche Merkmale zu achten und Stressoren, das heißt, Reize und Belastungen, rechtzeitig zu erkennen, die das innere Gleichgewicht zu stören beginnen. Negativer Stress ist der Versuch von Körper und Seele, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. Nachweisbar  wird dieser Stress durch depressive Stimmungen, erhöhte Entzündungsmarker, das heißt, Anfälligkeit für Immundefekte zu haben. Laborwerte würden die erhöhten Cortisol Werte in diesem Zusammenhang belegen. Wichtig scheint zu sein, dass die Aufarbeitung der oben benannten Auswirkungen Zeit braucht, um den Menschen wirklich wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass eine ständige Überbelastung sich entwickelt, die dann wirklich in einen Krankheitszustand umkippt wie Burnout, Depression oder Suchtverhalten.

Es bestehen für diesen Ausbruch graduelle Unterschiede, sodass es keine Norm gibt, an der das Abgleiten in den Krankheitszustand genau abgelesen werden kann. Wenn jemand im Job robust erscheint und anscheinend alles wegsteckt, dann darf dieser Mensch nicht zum Maßstab für andere werden.

Damit es nicht dazu kommt, ist es wichtig, dass im Kindesalter ein Urvertrauen in die eigenen Fähigkeiten sich entwickeln kann. Im Jugendalter das Selbstbewusstsein aufgebaut wird und die Fähigkeit vorhanden ist, Nein-sagen zu können zu Beeinflussungen (durch die Peergroup), die als krankmachend empfunden werden. Ebenso sollte zur Persönlichkeitsentwicklung gehören, Fähigkeiten zu entwickeln, Konflikte lösen zu können, die aus dem Drama-Dreieck sich zu befreien (wechselnd die Positionen im Streit einzunehmen Täter-Opfer-Helfer zu sein) mit umfassen.

Dass Menschen ihren Job verlieren (heute wieder vermehrt zu erwarten), ihre Selbstständigkeit durch Insolvenz einbüßen (ebenso durch Krise oder Krankheit zu verfolgen) oder weil eine Partnerschaft auseinandergeht, (auch der Tod von Familienangehörigen gehört dazu) sind konkrete Fälle, in den Resilienz helfen könnte, diese Belastungen besser zu verkraften. Wer diese Vorgänge als Kind erleben muss, ist damit sicherlich noch stärker beeinflusst, weil er kaum aktiv dem begegnen kann.

Was kann helfen, Resilienz zu entwickeln? Zu den Faktoren gehören:  –  wie oben schon benannt – selbstbewusst zu sein durch ehrliche Einschätzung, was ich kann und was ich weniger gut kann. Eine positive Selbstwahrnehmung baut darauf auf. Die Fähigkeit zur Selbst-Reflexion, zur  Selbstdisziplin und sich gut strukturieren können (Time-Management), kurze aber zutreffende Kommunikation praktizieren zu können, soziale Kompetenz zu besitzen (Freundlichkeit und  Wertschätzung geben und einfordern können), um Hilfe bitten zu können, emotionale Intelligenz (Mitgefühl, aber nicht als Helfersyndrom) zu haben, sowie humorvoll zu sein und die Fähigkeit bewahrt, miteinander Lachen zu können, sind Merkmale für eine starke Resilienz. Manches davon kann man trainieren und weiterentwickeln wie Frustrationstoleranz, um nicht gleich bei Kritik – ob berechtigt oder nicht – Ängste zu entwickeln. (Angst essen Seele auf!)

Was zeichnet resiliente Menschen aus? Aktiv und realistisch mit Problemen umgehen zu können und seine Kreativität für legale Vorgehensweisen dafür einsetzen. Aufgrund dieser Grundlagen sind resiliente Menschen sicher, Ihre Ziele auch zu erreichen. Das spiegelen sie nach außen. Es gibt ihnen das Gefühl, über ihr Leben Kontrolle zu haben. Unangenehme Situationen können sie bewältigen– notfalls mithilfe des Netzwerkes, aber immer geprägt von Wahrhaftigkeit (das passiert, wenn man dazu eigenes Wissen oder das legale Wissen des Netzwerkes in Anspruch nimmt). Moralisches und ethisches Verhalten ist möglich, auch in Krisenzeiten.

Da eine Reihe dieser Fertigkeiten und Fähigkeiten in der Kindheit angelegt und entwickelt werden, sollten Kinder erfahren, dass sie Bezugspersonen haben, die ihnen Unterstützung anbieten, auf die sie zurückgreifen können. Versucht werden muss seitens der Eltern, dass sie weder Überbehütung, noch Laissez fair-Verhalten (nicht kümmern) überbetonen und praktizieren. Grenzen setzen gehört zur Resilienz Entwicklung jedoch dazu. Kulturelle Angebote, aber auch das Erlernen von Kulturtechniken (lesen, rechnen, schreiben – immer ausgerichtet an der Freude und Motivationsförderung) sowie die bestmögliche Bildung und Ausbildung sind Grundlage für eine ausgeprägte Resilienz.

Dennoch kann es zu nicht persönlich zu verantworteten Beeinträchtigungen und Störungen der Resilienzfähigkeit im Erwachsenenalter kommen. Dazu gehören plötzliche Ereignisse (genetisch bedingter) Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt, Unfälle. Chronische Erkrankungen und Schmerzen wirken sich negativ aus. Wenn es denn passiert ist, muss daran gearbeitet werden, die Beeinträchtigungen möglichst in den Auswirkungen zu verringern.

Wer in seiner Biografie aus früheren Entscheidungen dennoch Einsamkeit, Isolation erlebt, wird damit sicherlich in der Resilienz geschwächt und ist anfällig. Die Besinnung auf seine bisherigen Erfolge und Stärken in seinem Leben und seine Persönlichkeit geben dennoch die Chance, wieder daraus zu kommen. In diesem Zeitraum werden diese Menschen oft mit der Forderung der „Eigenverantwortung“ konfrontiert. Die ist zwar gegeben, aber immer nur im Rahmen der Beeinflussungen, die er individuell erlebt.  Deswegen muss zunächst die Zeit gegeben werden, sich wieder seelisch und körperlich stark zu machen.

Gegen ein Verständnis von Resilienz, dass man alles wegstecken solle, wenn der Arbeitgeber Druck ausübt und den Vorwurf macht, man sei das selber schuld, sollte der Mensch sich hüten. Die wirkliche Eigenverantwortung liegt darin, dass jeder ehrlich Bilanz zieht, sich helfen lässt und strukturiert mit den Bedingungen umgeht, die temporär vorhanden sind (eine  reduzierte Einkommensgröße, notwendige Entscheidungen nicht aufzuschieben etc.) und davon ausgehend an seiner Gesundung arbeitet. Da ist dann Flexibilität ein Baustein, der hilft, manches wieder auf die richtigen Schienen zu setzen.

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