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Nichts kann so bleiben, wie es war! Alternativen anstelle einer neoliberalen Welt sind notwendig!

Schwarzer Schwan als Symbol für Chancen statt für Ausgrenzung sehen!

„Nicht Verwertbarkeit der Arbeitskraft ist Sinn von Bildung und Erziehung, und die Kraft zur Menschlichkeit ist Ausdruck wahrer Intelligenz!“ (JWB)

Ein schwarzer Schwan steht symbolisch oft für eine seltene Zufälligkeit und wird nicht selten mit dem Einzelgängertum verbunden. Da Schwäne als Paar über viele Jahre verbunden bleiben, ist Ursache dafür, dass dann einzelne Tiere, die ihren Partner verloren haben, kaum einen neuen Partner finden. Es ist wohl eher ein Mythos, dass ein schwarzer Schwan von seinen weißen Artgenossen gemieden wird und deshalb als Einzelgänger sein Leben schmachten muss. Dennoch hält sich dieser Eindruck, auch weil in der Tat ein schwarzer Schwan selten mit einem Partner gesichtet wird. Der Wissenschaftler und Finanzmathematiker Nassim Nicholas Taleb  bedient sich der Metapher „Schwarze Schwäne“ für die Kennzeichnung von Zufallsereignissen und seltenen Einflussgrößen, die oft kaum Beachtung finden und dennoch große Wirkung haben wie zum Beispiel die Corona-Pandemie. Taleb beschäftigt sich mit dem Einfluss von Parametern wie: Wie weit muss eine „Unvorhersehbarkeit“ mit in den Blick für Entscheidungen genommen werden?

Schon vor der Pandemie war ersichtlich, dass der Neoliberalismus die Ökonomie im Würgegriff hatte. Seit Ende der 1970er Jahr und erst recht mit Thatchers, Reagans und Kohls „geistig-moralischer Wende“, die nichts anderes bedeutete, als die Umverteilung von unten nach oben mit den Folgen der Zerstörung des Mittelstandes in der westlichen Gesellschaft. Ablesbar wurde die fatale Entwicklung hin zur Spaltung der Gesellschaft mit ihrem Verfall/Wegbrechen von Werten wie Solidarität, soziale Verantwortung des Staates für die Daseinsfürsorge und stattdessen die  Hinwendung zur Privatisierung großer Bereiche wie Wohnungsbau, Altersvorsorge, Gesundheitssystem und Bildung vorangetrieben wurde.

Ergebnis dieser – in Deutschland durch 32 Jahre CDU/CSU (Kohl und Merkel) mit dem Blickwinkel nur auf Vermögensentwicklung und Eigentumskonzentration – teils Grundbedürfnisse ignorierenden Entwicklung ist die auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich.  Den Treibsatz des Hartz-IV-Modells zur endgültigen Spaltung der Gesellschaft schafften der „unsozialdemokratische“ Gerhard Schröder mit seiner Entourage aus Clement, Rürup, Riester und Eichel unter Berater-Einfluss von „Einflüsterer-Typen“ für die Trennung von Real- und Finanzwirtschaft im Bankensystem wie Carsten Maschmeyer.

Das Ergebnis dieser Zuspitzung war die Kapital- und Finanzkrise 2008/2009. Statt den Rückbau des neoliberal gesteuerten Systems zu verfolgen, erfolgte ab 2011 dann eine noch höhere Konzentration der Vermögen auf wenige Prozent der Menschheit. Blackrock als exemplarisches Beispiel für die Vermögensverwalter-Branche konzentriert mittlerweile mehr Finanzmacht und Einfluss auf wirtschaftliche und politische Entscheidung als ganze systemische Einheiten wie die der EU und anderer Allianzen. Exemplarisch für die Zementierung dieser neoliberalen Weltsicht sind die Freihandelsverträge à la TTIP, CETA und ähnliche Konstruktionen.

Mit der Pandemie sind vor allem die Strukturen der klein- und mittelständischen Wirtschaft sowie der  -zwar global agierenden – Konzerne gefährdet, nicht jedoch die der absoluten Spitzen-Global-Player à la Google, Facebook, Amazon und ihrer chinesischen Varianten. Die wichtigen kulturellen und künstlerischen Alternativwirtschaften sind vor allem existenziell bedroht. Fehlende Weitsicht und die Blockaden ihrer neoliberalen Weltsicht werden vor allem bei den verantwortlichen Ministern und der Kanzlerin sichtbar, welche ursächlich für das immer deutlicher werdende Versagen im Krisen-Management zur Bewältigung der Auswirkungen der Pandemie sind.

Nichts darf mehr so bleiben, wie bisher gehandelt wurde. Ein Zurück zum „Weiter-so-wie-bisher“ würde nur den Zerfall unserer Gesellschaft und der Demokratie beschleunigen. Das Bewahren des Status quo macht die bisher  Beteiligten an den letzten 16 Jahren in der Regierungsverantwortung (CDU/CSU, SPD und FDP) noch unfähiger, den Blick über den Tellerrand zu werfen und die Gesellschaft als demokratisches Ganzes weiterentwickeln zu können!

Was die Pandemie an Unvermögen und gesinnungsmäßiger Seilschaft zum Nachteil der toleranten Gesellschaft ans Licht gebracht hat (Skandale von Maut bis Impfstoffbeschaffung) ist schonungslos und vernichtend. Eine Partei wie die AfD und mit ihren rechtsradikalen und rassistischen Orientierungen und ihrer rückwärtsgewandten Weltsicht von Junkertum und Blut und Boden-Heimatbegriff hat weder den Sachverstand, noch die moralisch-ethische Kraft zur Veränderung. Sie ist einfach nur erbärmlich und menschenverachtend.

Mit der Pandemie und ihren Auswirkungen ist Folgendes noch sichtbarer geworden: die Rahmenbedingungen für die Antworten auf die Frage, wie wollen wir zukünftig leben? – sind geprägt von Volatilität, von Unsicherheit, von Komplexität und von Deutungszweifeln, weil niemand für sich alleine reklamieren kann, welche Lösungen für unsere wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme  aufgrund der oben genannten Parameter richtig sind. Der neoliberale Ansatz und die Konzentration von politischer und wirtschaftlicher Macht in wenigen Händen sind es nicht! Das führt zu solchen Entwicklungen und personenfixierten Systemen wie wir es in Russland, China, Ungarn, Türkei, Polen und temporär mit Trump und Johnson auch in den USA und GB erleben. Sie führen gesellschaftlich und staatlich in die Diktatur.

Ablesbar sind die rasant steigenden politischen und wirtschaftlichen Risiken an der Entwicklung des Weltunsicherheits-Index.  Für Deutschland und Europa sind die Finanzkapital-Krise, der Brexit und ähnliche nationalistische Bestrebungen einzelner Staaten (Ungarn und Polen), sowie der sich deutlicher zeigende Handelskrieg zwischen China und den westlichen Staaten, die Corona-Pandemie und die Klimakrise direkt wirkende Parameter, die mit dem neoliberalen System nicht mehr zu lösen sind. Die geopolitischen Bewegungen und Unsicherheiten und die Blockbildungen führen zu mehr Kriegsbedrohungen zwischen den Blöcken, die wie in Zeiten des Kalten Krieges nicht mehr mit „Stellvertreter-Kriegen“ geregelt werden. Die Kriegsbereitschaft und die Eskalationsspirale – nach innen wie nach außen -steigen, wie es gerade bei den in Richtung autokratisch-diktatorischen Systemen sich entwickelnden Systemen von Staatstyrannen wie in der Türkei, Brasilien, China und Russland, aber auch in den USA und der EU ablesbar ist.

Nachhaltigkeit in der Produktion von Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen und technologischen Entwicklungen ist eine Facette einer Weiterentwicklung, die durch gesetzliche Grundlagen geregelt werden muss.

Nachhaltigkeit muss immer auch die wirksame Eindämmung der Klimabelastung im Visier haben. Das Mantra von „Wachstum auf ewig“ ist überholt und muss deshalb durch Nachhaltigkeit in den operativen und strategischen Abläufen von Staaten, Unternehmen und bei handelnden Personen als bestimmendes Element ersetzt werden. Nachhaltigkeit ist als  ein zu lernendes Element in Bildung und Erziehung einzubringen. Im Konsumentenverhalten muss Nachhaltigkeit ebenso Eingang finden.

Nachhaltigkeit muss auch dominantes Element von Menschlichkeit werden. Toleranz, Solidarität und Mitmenschlichkeit sind für diesen Bereich Ausdruck von Nachhaltigkeit. Das Regelwerk und die Inhalte der Menschenrechte sind vorhanden und müssen umgesetzt werden.  Regierungshandeln ist daran auszurichten. Ebenso ist jede Unternehmensphilosophie erst dann eine, wenn auch deren Inhalte, sprich der Unternehmenszweck einer nachhaltigen Menschlichkeit verpflichtet ist. Nachhaltigkeit in Sachen Menschlichkeit und Menschenrechte ist dann erst wahrnehmbar, wenn das Aktiengesetz den Menschenrechten unterworfen ist. Dazu gehört, solidarisch in Bezug auf die Kostenbeteiligung durch Steuerzahlung statt Steuerentzug zu sein. Ordnungspolitisch ist deswegen Eigentum verpflichtend für die Daseinsfürsorge einzusetzen.

Die Klugheit, den Blick für das Allgemeinwohl zu haben, muss wieder Einzug halten in das Denken der Regierungsmitglieder – auch dies ist eine Vorbedingung für die Neugestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft nach der Pandemie.   

Nachtrag:

Bisher scheint Nachhaltigkeit bei Teilen der Politik und Gesellschaft darin zu bestehen, an kritikwürdigen und korrigiernotwendigen Sachverhalten festhalten zu wollen. Da scheint wohl eine Nachhilfe in Sachen Bedeutung fällig zu sein!