Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Regierungsversagen schafft kafkaeske Lebenssituationen

Verwandlung statt Neuorientierung 

“Der Philosoph, der in der Öffentlichkeit eingreifen will, ist kein Philosoph mehr, sondern Politiker; er will nicht mehr nur Wahrheit, sondern Macht.” – Hannah Arendt, Wahrheit und Politik 

“Es scheint nunmehr in dieser Zeit eine Neuorientierung notwendig zu sein: – der politisch sich äußernde und philosophisch gestärkte Mensch braucht die Macht der Volksabstimmung, um dem sozialen Denken wieder zur Wahrheit zu verhelfen.” JWB

Wie Gregor Samsa, Kafkas Protagonisten in seinem Werk „Die Verwandlung“, geht es aktuell vielen Menschen. Hilflos der scheinbaren Willkür der Regierung ausgesetzt und durch ihre herbeigeführte uneinheitliche Rahmenbedingungen in der „Metanoia des Lebens während der Pandemie“ von einer in vielen Bereichen unfähigen Regierung allein gelassen, gelingt die notwendige Neuorientierung deswegen vielen Menschen nicht.  Auch weil die Funktionsträger der Macht weder eine innere Umkehr beabsichtigen, noch ein verantwortliches und einheitliches Handeln mit Blick auf die lohnarbeitenden Staatsbürger erkennen lassen.

Wie ein Käfer auf dem Rücken liegend, bleibt für die meisten Menschen der Eindruck haften, dass nur der Zustand des „Weiter-so-wie-bisher“ so schnell wie möglich wieder erreicht werden soll. Das Absurde im Alltag ist schon fast zur neuen Normalität geworden. In der sich immer schneller wandelnden Welt scheint den Menschen kein Faden der Verlässlichkeit sichtbar. Reflektierendes Denken wird überlagert von Aktionismus, von kleinlichen und peinlichen Debatten und von kindischen Wettbewerben zwischen den Möchtegern-Kanzler-Parteien.

Zwischen der Widersprüchlichkeit und den anscheinend willkürlichen Inhalten von Vorschriften wie zum Beispiel bei der Verwendung von AstraZenica für bestimmte Zielgruppen, schaffen die Verantwortlichen spielend die dreifache 180° – Wendung: von nur unter 65-Jährige über nicht unter 60-Jährige bis zu egal wer will, der kann noch mal!

Was übrig bleibt, sind Millionen von Menschen, die nicht nur der Vereinsamung ausgeliefert sind, die schon längst Knoten im Spagat zwischen Arbeitsstelle, Home-Office und Home-Schooling und dem Ausgebranntsein erlitten haben. Neben dem Verlust von Sicherheit, dem Verlust der Werteorientierung und dem Verlust in das Vertrauen des Staates finden sich die meisten Menschen wieder in einem Gefühl des Ausgeliefertseins! Der sich nicht mehr allein befreiende Mensch sieht  sich nicht selten als auf dem Rücken liegender Käfer!

Die Wirkungen des Neoliberalismus mit seiner einseitigen Bevorzugung von Eigentum und Vermögen, die Auswirkungen der gesetzlichen und verändernden Vorschriften im Wochentakt und der Einfluss von unglaublich fehlerhafter, aber umso zwanghafter wirkenden Bürokratie, alle diese Negative schaffen eine soziale Isolation, die jener in Kafkas Werk „Die Verwandlung“ in keiner Weise nachstehen.  

In der schnell veränderlichen Wirklichkeit wird eine Orientierung immer schwieriger. Scheitern wird zur neuen Normalität, gespeist und bedingt durch das Versagen der Staatsführung. Leider fehlt die Charakterstärke und moralische Integrität bei den verantwortlichen Versagern im Staatsamt. Und – sie treten nicht von allein ab. Es bleibt die Suche nach dem Weg, wie wir, die Staatsbürger, diese Typen des Versagens wieder gewaltlos loswerden!

In dieser Situation ist Kafkas Text „Vor dem Gesetz“ so aktuell wie nie:

   

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