Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Machiavellistische Tendenzen in Politik und Unternehmen

Trolle und Trottel? – Machiavellis Sicht auf das Volk

Die Meldung heute im Handelsblatt, dass Daimler (Mercedes Benz) im 1. Quartal dieses Jahres seinen Gewinn um 900 % auf 5,7 Mrd. Euro gesteigert hat, lässt schnell einige Fragen aufkommen wie die: Warum hat das Unternehmen Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen dürfen? Ist diese staatliche Unterstützung nicht völlig überflüssig gewesen? Sind diese Leistungen nicht aus dem gesteigerten Gewinn zurückzuzahlen? Wenn nicht, warum werden die gesetzlichen Rahmen nicht so gestaltet, dass die stattlichen Leistungen durch das Unternehmen zurückerstattet werden müssen?

Das Handelsblatt titelt ergänzend, dies sei das Ergebnis von „Einsparungen, China-Boom und ein guter Produktmix“, welche die Marge bewirke. Als weitere Fragen schließen sich an dieser Stelle nachfolgende an: „Wo ist der Gewinn zu versteuern? An den Orten (Irland, Niederlande, Luxemburg, Malta etc.), die allen DAX-gelisteten Unternehmen für Steuervermeidung nützlich sind? Wenn ja, warum sind diese Lücken nicht schon längst geschlossen? Sind die Lobbyverbände der Automobilindustrie zu nahe an den entsprechenden Gesetzgebungsprozessen beteiligt?”

Wo sind die gleichen Chancen für die Menschen, die von ihrer Rente eher schlecht als recht leben müssen und bei denen die „Einkommensbegrenzung“ in diesem Jahr schon gezündet wurde: So hat die Bundesregierung längst beschlossen, dass es in 2021 keine Rentenerhöhung geben wird. Schließlich sind diese an den Löhnen und ihre Entwicklung gekoppelt und gebunden.

Es wird beim „Erfolg“ Daimlers von Einsparungen als ursächliche Leistung für das gesteigerte Ergebnis gesprochen. Einsparungen beim Personal? Entlassungen, Umschichtung in andere Arbeitsvertragsgrundlagen (Leiharbeiter etc.), Knebelverträge mit Zulieferer, die Kürzungen hinnehmen müssen mit der Folge, dass auch in diesen Unternehmen die Mitarbeiter die Verschlechterung auffangen müssen?

Das gute Leben scheint eben nur für wenige Menschen vorgesehen zu sein. Ihre Helferlein finden diese bevorzugten Teile der Gesellschaft nun mal in den mit gleicher Gesinnung gestrickten Regierungen á la CDU/CSU! Wer diesen und anderen Parteien mit ähnlicher Gesinnung (FDP / AfD) noch weiter ihre Wahlunterstützung und Stimme geben will, der muss sich nicht wundern, wenn die Bürger die Regierung bekommt, die sie damit verdient hat! Die Kosten der Pandemie werden die Masse der Bürger zu tragen haben, deren Existenz durch Lohneinkommen gesichert werden muss. Diejenigen, die wirklich wieder profitieren werden, sind jene wenigen Prozente der Bevölkerung, die ihr Einkommen und Vermögen durch leistungsloses Einkommen (Dividenden, Anlagevermögen in Daseinsfürsorge-Bereiche, Steuerhinterziehung etc.) erhalten und steigern.

Dass dies so bleiben soll, dafür sorgen ihre willigen Gesinnungshelfer in den Regierungen. Wer aus dem Wahlvolk glaubt, dass eine „starke Führungsperson“ an den Umfragewerten abzulesen sei, der sitzt wiedermal wie schon im letzten Jahrhundert einem gewaltigen Irrtum auf. Das langfristige und auf Seilschafts-Gesinnung schielende Handeln sagt mehr  aus, als kurzfristige Umfragewerte. Zu fragen, ob in solchen Kandidaten machiavellistische Merkmale zu erkennen sind, ist der Wahrheit näher, als ein im Meinungswind schwankendes Umfrageergebnis.

Was kennzeichnet ein machiavellistisches Verhalten in einer Leitungsrolle – egal ob in einem Unternehmens- oder Regierungsamt?

Nach Machiavelli

  • errichtet ein solcher Mensch Schutzwälle um sich wie die einer kritiklosen Seilschaft
  • greift er seine Mitbewerber jederzeit an, um ihn zu schwächen
  • und löscht jeden Widerstand in den eroberten Territorien auf Dauer aus! Dafür sind ihm jedes Mittel recht, sein eigenes Überleben zu sichern.

(Beispiele dafür sind Kohl und Merkel, wie sie innerhalb ihrer Partei alle entmachtet und unter Kontrolle gehalten haben.)

  • Opportunismus ist dabei ein Merkmal, das bei Nachahmern Machiavellis scham- und skrupellos eingesetzt wird.
  • Ein solcher Machtwille zeigender Mensch scheut auch nicht, prinzipienlos und unmoralisch zu agieren (“Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern”… argumentierte schon Adenauer als Vorbild der heutigen Enkel wie dem Mini-Machiavelli namens Söder!)
  • Wenn es nützlich ist, wird auch der Anschein erweckt, für das Volk da zu sein! So formulierte schon Machiavelli: „Es ist nicht erforderlich, dass ein Fürst alle guten und moralischen Eigenschaften wirklich besitzt; es genügt, wenn er den Anschein erweckt, sie zu besitzen.“
  • Das erinnert an die Marketingagenturen und Beratungsunternehmen (Cambridge Analytica) und ihre Vorgehensweisen. Profitieren werden von dem Anschein immer Typen wie Boris Johnson. Schnell vergessen sind seine Beteiligung am Brexit, der in seinen Folgen jämmerliche Zustände in GB geschafft hat. Für einen solchen Fall, bei dem durch Transparenz das Ansehen auf den Nullpunkt gefallen ist, empfiehlt Machiavelli: „Lass beim Volk den Schein der Überlegenheit aufkommen und behaupten, so werden auch unmoralische Verhaltensweisen wie Lügen, Betrug, Skandale spätestens dann für ehrbar gehalten und als tolle Leistung vom Volk gelobt – denn der Pöbel lässt sich immer von dem Schein und einem möglichen Erfolg, der so verkauft wird, mitreißen. Und die Welt ist voll von Dummheit und Pöbel“, meinte Machiavelli. Genau das passierte durch die Impfkampagne Boris Johnsons – das Übel und die Folgen des Brexits sind längst vergessen!

Ein Fazit aber wird im politischen Nachahmen Machiavellis jedoch schon jetzt zu ziehen sein:  Wird durch jede Handlung primär das eigene politische Überleben zum Hauptzweck (siehe Scheuer, Altmaier, Spahn, aber auch Merkel), dann führt dieses Verhalten unweigerlich zu Fehleinschätzungen und Fehlleistungen. Die Folgen sind noch gar nicht genau erfassbar. Und nicht selten folgt auf diese dann die nächste Kalamität. Eine Spirale nach unten ist kaum aufzuhalten. Die Systematik des Versagens bewirkt weitere Verschlechterungen. Es werden durch ein machiavellistisch geprägtes Management keine Freiräume geschaffen, die Handlungseffizienz schaffen, sondern eher in der nächsten Stufe nicht selten die Verschiebung der Verantwortung und weg vom eigentlichen Verursacher die nächsten Ressourcen binden. Der Untersuchungsausschuss zum Mautskandal ist dafür ein exemplarisches Beispiel.

Hallo Wahlvolk, Kandidaten für das politische Führungsamt sind vor allem darauf zu hinterfragen, ob und in welchem Umfang ein kleiner, neuer Machiavelli droht! Augen auf bei der Wahl!  

Ergänzung:

Eine sinnvolle Entscheidung stümperhaft umsetzen, ist auch eine Fehlleistung, die es zu vermeiden gilt. Das Beispiel des Mietendeckels ist nicht deshalb verfassungswidrig und unsinnig gewesen, weil es inhaltlich und von der Absicht gegen die Verfassung verstoßen würde! Es ist vom Verfassungsgericht so geurteilt worden, weil es formal Mängel hatte: nicht die Landesregierung (Berliner Senat) ist zuständig, einen solchen Mietendeckel zu beschließen, sondern die Bundesregierung. Die aber ist in oben angeführter Funktion und Seilschaft mit der Gesinnung, eher die Vermögen und Eigentümer zu schützen (wobei Eigentum verpflichtet anders zu interpretieren ist, als damit Profite zu generieren!), anstatt der Daseinsfürsorge als Staat nachzukommen,  notwendige Rahmenbedingungen wie bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. 

Und wer nunmehr meint, das Verfassungsgerichtsurteil habe dem Ansinnen, per ständig überzogener Mieteinnahmen freie Fahrt verschafft, irrt auf der ganzen Linie. Dass der Mietendeckel inhaltlich mehr als Diskurs fähig ist, verhindert nicht die Kritik an der Fehleinschätzung der Berliner Landesregierung. Die Stoßrichtung muss – anders als nun auch die Medien dies kolportieren – auf das Versäumnis durch die Bundesregierung hinzuweisen sein! Hier liegt die Verantwortung bei der Verhinderungspolitik durch die CDU/CSU auch in diesem Fall. 

Wer dabei höhnisch über die Fehlleistung die Berliner Landesregierung lacht, sollte auf die lange Liste der verfassungswidrigen Gesetze der Regierungs-Koalitionen seit 1990 hingewiesen werden, die vom Verfassungsgericht verworfen und zurückgewiesen wurden!      

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