Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Meinungsfreiheit – manche Politiker wünschen sich die Bedeutung: frei von Kritik und unbehelligt von Analysen zu regieren

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in der Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ – Ernst Bloch

I have a dream – Martin Luther King

I have a dream – proklamierte Martin Luther King in seiner berühmten Rede am 28.08.1963! Ein Traum, der präzisiert und sprachlich kommuniziert wird, der Handlungsanleitungen einschließt und Hoffnung auf Veränderung vermittelt, ist prototypisch für die Formulierung einer Utopie. Bestandteil jeder Utopie sind die Gegenentwürfe zu bestimmten Formen und Normen innerhalb von  Gesellschaften. Für Martin Luther King waren diese in 1963 noch immer Rassismus und Unterdrückung der Bevölkerungsteile, die nicht weißer Hautfarbe waren. 

Meistens sind die Gegenentwürfe zum Thema „Wie wollen wir zukünftig leben?“, wie sie Martin Luther King in seiner Rede vorbrachte, die Forderung nach einem gerechteren Gemeinwesen und die Verbesserung des Lebens für benachteiligte Teile der Gesellschaft auch durch eine Daseinsfürsorge, die vom Staat als grundgesetzliche Aufgabe umzusetzen ist. Wer diesen Gedanken zum Maßstab nimmt, um die Gegenwart – wie sie sich nach 15 Monaten Pandemie-Ausnahmezustand mit Einschränkung der Grundrechte darstellt –  zu bewerten, wer in den letzten 40 Jahren   (32 davon unter den Kohl- und Merkelkanzlerschaften sprich der CDU/CSU) die Regierungsverantwortung hatte,  dann kann nur der Schluss gezogen werden, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander gegangen ist, weil die Orientierung auf das Wohl der Wirtschaft einseitig den Blick auf die Bedürfnisse der anderen Gesellschaftsteile in engen Grenzen hielt.

Aus der Daseinsfürsorge hat sich die CDU/CSU immer weiter zurückgezogen und stattdessen der Privatisierung den Weg geebnet zulasten des Großteils der Bevölkerung. Die Nachteile einer Parteien-Demokratie, in der zu viele Mitglieder der eigenen Partei in Positionen kommen, für die sowohl der Sachverstand wie auch die Verantwortlichkeit fehlen. Erst recht fehlt dieser Persönlichkeitspart, wenn dann zu dem noch am Posten festgehalten wird. Beispiele für dieses Versagen sind quer durch den Parteienverbund von CDU/CSU zu finden. Im Rahmen der Pandemie-Bewältigung sind Spahn und seine Entourage ebenso zu nennen, wie im Rahmen des Mautskandals der Schuldentreiber Andreas Scheuer.

In seinem Hauptwerk „Das Prinzip Hoffnung“ (ursprünglich vorgesehen mit dem Titel „The dreams of a better life“ und geschrieben im Zeitraum 1938 bis 1947 im amerikanischen Exil) hat Ernst Bloch eine konkrete Utopie beschrieben.

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in der Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ – Ernst Bloch

Bei der Beantwortung der Frage „Wie wollen wir zukünftig nach der Pandemie leben?“ geht es also um die Gestaltung der Welt zu einer „Heimat für alle“. Aus der Sicht des Autors ist Heimat als Lebensbasis zu verstehen, in der Solidarität nicht als Ausnahme, sondern als Normalität und Handwerkszeug der Gemeinschaft betrachtet wird. 

Was aber bedeutet Solidarität konkret? In der Enzyklopädie Philosophie (herausgegeben von HANS JÖRG SANDKÜHLER)  verweist der Begriff Solidarität mit seinen Querbezügen zu den Themen Gerechtigkeit, Fürsorge, Sozialethik, Vernunft, Demokratie, Staatsformen, Menschenrechte, Grundrechte, Gesellschaftstheorie, Kapitalismus/Neoliberalismus, Eigentum/Besitz, Ökonomieform, Ökologie, Diskursethik/-fähigkeit, Wertschätzung und bürgerliche Gesellschaft auf die Komplexität als Grundwert hin, der in der Bedeutung alle genannten Bereiche des Gesellschaftsvertrages zu berücksichtigen hat und umgekehrt diese Bereiche die Solidarität als unabdingbaren Bestandteil akzeptieren müssen. 

Das Teilen (auch als Teilnahme) – der Ressourcen, der Verantwortung, der Mitbestimmung – wird somit zur maßgeblichen Handlungsanleitung. Das „Ich“ teilt das Leben mit dem „Wir“. 

Wer aus diesen Perspektiven die Welt betrachtet, wird erkennen, dass die Bedingungen für diese zuvor beschriebene Weltgestaltung durch Solidarität in der Realität der Politik der Konservativen kaum akzeptiert werden. Stattdessen wird von den Verantwortlichen in den Regierungen der letzten vier Jahrzehnte das „Ich-Prinzip“ und das „Haben-Weltbild“ in den Vordergrund gestellt. Statt Eigentum verpflichtet, wird Eigentum zum Zweck der Profitvermehrung verstanden. 

Alle Versuche der gesetzlichen Regulierung werden von der Fraktion der CDU/CSU blockiert oder so verwässert, dass, wenn  ein neues Gesetz zustande kommt, dieses mehr Lücken zur Umgehung enthält, um den alten Status Quo zu erhalten.  Exemplarisches Beispiel für das Vorgehen der CDU/CSU-Fraktion in dieser Legislaturperiode ist die Verwässerung der Regulierung der Grunderwerbssteuer. 

Um nicht nach der Pandemie wieder in das „Weiter-so-wie-bisher“ zurückzufallen, dem auch Armin Laschet allem Anschein nacheifert, darf und muss sich der Aufarbeitung der Pandemie und der dort beobachtbaren Versagen der Politik zuwenden, ergebnisorientiert zwar, jedoch offen für die Teilnahme von Bürgerräten als Beteiligungsform außerhalb der gewöhnlich Aktiven wie Lobbyisten und Abgeordnete. 

Gedanklich zum Thema Solidarität, wie diese weiterhin auch nach der Pandemie einbezogen werden kann, diskutierte im Rahmen der TV-Reihe „Demokratie Forum – Schloss Hambach“  Michel Friedman  mit seinen Gästen darüber, wie Solidarität gelingt. Mit ihm diskutieren Medizin-Ethikerin Alena Buyx, Politikwissenschaftler Rainer Forst und Psychologin und Glücksforscherin Maike Luhmann.

„Seit Beginn der Corona-Pandemie ist ein Wort omnipräsent: Solidarität. Forderungen nach Solidarität sind allgegenwärtig – ganz aktuell die Forderung nach Solidarität zwischen Geimpften und Ungeimpften.“ (Quelle: ARD Mediathek) 

 

image_pdf(c) JvHSimage_print(c) JvHS

Kommentare sind geschlossen.

Cookie Consent mit Real Cookie Banner