Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Von „Querdenken“ und seinen Begriffsbesetzungen

Es gibt nur ein einziges Gut für den Menschen: die Wissenschaft, und nur ein einziges Übel: die Unwissenheit.“

„Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.“

„Ich weiß, dass ich nichts weiß, aber ich suche die Wahrheit. Ihr aber wisst nichts und bildet euch doch so viel auf euer Wissen ein.“

„Wo es kein Gespräch mehr gibt, beginnt die Gewalt.“

(Zitate Sokrates zugeschrieben)

Querdenken war einmal mit dem Prinzip verbunden, über den Tellerrand zu blicken, die Strukturen der Beeinflussung benennen zu können und das Verbindende herauszustellen, auch um Innovationen und Problemlösungen voranzutreiben. Querdenken hatte die Bedeutung, das Potenzial der einzelnen Ansätze innerhalb eines Ganzen miteinander zu verbinden und den größtmöglichen Nutzen für das Gemeinsame zu ermöglichen.

Vor allem diente es Sokrates dazu, „das Ringen um Selbsterkenntnis als wesentliche Voraussetzung eines gelingenden Daseins zu begreifen“! Den Weg dorthin lebte er vor, in dem er den Dialog nutzend, im Diskurs das für alle Verbindliche und Nützliche versuchte zu erreichen. Den Diskurs nutzte er als „Hebammendienst“ zur Einsicht.

Heute glaubt jeder „Hinz und Kunz“, dass jeder Querdenker sei, wenn er mit Wut und Hassparolen gegen Verordnungen anschreit, weil er seinen Gewohnheiten nicht mehr frönen kann. Bei der Teilnahme an Demonstrationen, in denen das eigene Narrativ des „Sich-Weigerns“ praktiziert wird,  glauben die Teilnehmer, dass diese persönliche Sichtweise die wahre sei, obwohl dieses Verhalten in Wirklichkeit die eigene Gesundheit wie die der anderen gefährdet.

Es mag ja sein, dass in einzelnen Facetten bei den Corona-Leugner-Demonstrationen auch Teilnehmer sind, die den Blick auf die Corona-Politik und das Versagen der Verantwortlichen in den Funktionsämtern der Minister richten können. Jedoch die gesamte sogenannte „Querdenker-Szene“ als lauter wackere Verteidiger der Demokratie zu bezeichnen, ist ebenso ein „Denken in Blasen“ und schafft ein mehr als fragwürdiges Narrativ. In seiner Rezension des Buches „Rettet die Demokratie“ von Dirk Neubauer gelingt dies  dem Beschreibungsautor Eugen Zentner auf den Nachdenkseiten NDS spielend. Wer so leichtfertig eine allgemeine Amnestie der Corona-Leugner-Szene vornimmt, muss sich fragen lassen, warum er diesen von rechtsnationalistischen Teilen dominierten und manipulierten „Querdenker-Figuren“ eine Wahrhaftigkeit in Sachen Demokratieverteidigung zuschreibt?

Seine Versuche darauf eine Antwort zu geben, haben den Anschein, wenig gelungen zu sein! Wer „«Querdenken» (als) eine dezentral organisierte Organisation“ beschreibt, scheint die eigene Widersprüchlichkeit nicht zu erkennen oder bewusst übersehen zu wollen. Beides ist nicht annehmbar. Ebenso wenig sein zum Schluss erkennbares und beschriebenes Narrativ von: „Sie (die angebliche Querdenker-Szene der Corona-Leugner) fordert nicht nur die sofortige Aufhebung aller Grundrechtseinschränkungen, sondern auch die Rücknahme von Artikel 143h GG, der die grundsätzliche Gewaltenteilung zwischen Bund und Ländern durchbricht. Sie setzt sich für friedliche Lösungen von Konflikten ein, für eine direkte Beteiligung der Bürger bei politischen Prozessen und für eine Machtbeschränkung.“ (Quelle: NDS)

Es gibt überzeugendere Formen der Aufforderung an die Regierenden, dass die temporär erlassenen Verordnungen und Einschränkungen zurückzunehmen sind, sofern sie die Aufgabe des Schutzes der Menschen bei einer Pandemie erfüllt haben. Jedoch mit der Ablehnung und den bewussten Verstößen gegen die AHA-Regeln oder gegen die 3-G (genesen, getestet und geimpft)-Regeln  Pandemie-Treiber zu spielen, ist weder eine Verteidigung der Demokratie, noch verantwortungsvolle Kritik. Das ist Reichsbürger affine- und Anti-Demokratie-Ideologie und dient nur den Propagandisten der Anti-Demokraten. Basisdemokratie und Bürgerräte mit Kompetenzen und Mitbestimmungsqualität einzufordern, das geht anders! Diskurse zu führen ebenso!

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber dort, wo dafür eine Plattform geboten wird, ohne die Korrektur eines schiefen Bildes von „Querdenken“ vorzunehmen, das ist nicht förderlich für die Diskurskultur!  

Ihr Beitrag, Herr Zentner, war ein ungeeigneter „Hebammendienst“ für mehr Demokratie!  

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