Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Kanzlerkandidat-Profil – Was kann er wissen? Was muss er tun? Was darf die Bevölkerung hoffen?

Abgeerntet – trotz Windbruch 

„Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht.“ Michel Foucault

„Wenn auch die Fähigkeit zu täuschen ein Zeichen von Scharfsinn und Macht zu sein scheint, so beweist doch die Absicht zu täuschen ohne Zweifel Bosheit oder Schwäche.“ – René Descartes

„Lachen im falschen Leben erzeugt kein wahrhaftiges Handeln und desavouiert eine Machtübertragung auf Zeit!“ JWB

„Der Blender“ titelt „Der Freitag“ einen Bericht am 23.07.2021.   Und der Untertitel lautet: “Warum echter Klimaschutz mit Armin Laschet als Bundeskanzler nicht möglich ist.“

In Anlehnung an Immanuel Kant ist zum Thema notwendigerweise zu fragen:  Was kann ich als Wähler wissen? Was soll ich dann tun? Was darf ich hoffen? Und was ist diese Person für ein Mensch? Im o.g. Beitrag folgt die Autorin diesen Fragen und vermittelt ihre Antworten.

Auch auf diesem Blog geht der Autor diesen Fragen nach und lässt die letzten Tage seit der Flutkatastrophe Revue passieren. Den Betroffenen, den Leidenden und Trauernden ist anzumerken, dass sie genau wissen und fühlen, wer von den Politikern es ernst meint mit Hilfen und persönlichem Zuspruch und wessen Empathie wahrhaftig ist. Und der Blick auf das Profil des Kanzlerkandidaten ist seitens der Wähler zu richten mit den Fragen nach: Was sollte er wissen? Was muss er tun? Was darf die Bevölkerung hoffen als Fazit der erkennbaren Antworten? 

Feststellbar ist: Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß und der Zusammenhalt der Menschen ist immer dann gegeben, wenn das Elend, die Trauer, der Schock und die Not am größten sind.  Die „Spielregeln“ für die Politiker in leitenden Ämtern oder im Wahlkampfmodus sind scheinbar so, dass sie am Ort der Katastrophen auftauchen und sich ein Bild machen. Im Gegenzug – das ist die andere Seite der Medaille – machen sich die Menschen ebenso ein Bild vom „hohen Besuch“. Damit die Öffentlichkeit im Land davon Kenntnis nehmen kann, werden diese Besuche in bewegten Bildern im Land verteilt. Und manchmal geraten die von den Politikern und Amtsinhabern gewünschten Eindrücke in den Spiegel der Klarheit und Wahrhaftigkeit. Dann wird ein deplatziertes Lachen und Grinsen eingefangen und vermittelt ein anderes Bild vom Besucher als jenes, was er von sich zeichnen wollte. Armin Laschet steht exemplarisch für dieses Malheur oder besser Entlarvung des Eigentlichen.

Und so tauchen unweigerlich die Fragen auf, welche Ernsthaftigkeit bei diesem Verhalten eines Kandidaten, der Bundeskanzler werden will,  ist noch zu erhoffen? Wenn schon keine inhaltlich konkreten Aussagen im Wahlprogramm des Kandidaten Laschet zu finden sind, wenn anstelle dessen nur die Person präsentiert wird, mit ein paar Schlagworten versehen, die eine völlig anderes Bild zeichnen, als die Analyse seiner Nicht-Leistungen – auch im Katastrophenvermeiden – ergibt, der entlarvt sich im Augenblick des deplatzierten Grinsens als kaum vertrauenswürdig. Das Marketing-mäßig zusammengebastelte Profil entlarvt sich als Bild des Versagens.

So muss sich Laschet fragen lassen, warum Katastrophen wie an der Ahr, an der Erft und an anderen Stellen in dem Bundesland NRW passierten, für das er als Ministerpräsident verantwortlich ist? Warum ist er nicht vorher schon in die Puschen gekommen? Sich als Klimaschutzvorreiter selber zu beschreiben, wie im Artikel von „Der Freitag“ angeführt, ist wohl unter der Rubrik des „König neue Kleider“ zu verbuchen, sprich: ins Land der Märchenerzählungen zu verbannen.

Am Beispiel des Ortes Grimma in Sachsen (der bei ähnlichen Starkregen-Ereignissen im Jahr 2002 und 2013 betroffen gewesen ist, und welche Maßnahmen danach erfolgten), hätte Laschet wissen können, sogar wissen müssen, was notwendiges und präventives Handeln im Sinne der Daseinsvorsorge und der Berücksichtigung der Einflüsse durch Klimaveränderungen ausmacht! Warum kommen die halbherzigen Reaktionen erst immer im Nachhinein, wenn Orte und Menschen im Wasser versunken sind?  

Um mit Michel Foucault zu argumentieren: Der Machtmechanismus, dem die politischen Akteure à la Laschet und seiner Couleur folgen und an denen sie ihr Handeln ausrichten,  scheint dadurch gekennzeichnet zu sein, dass sie nicht vorausschauend agieren (wollen), respektive vor allem gesinnungsgeleitet Politik und Rahmensetzungen für ihre Klientel durchpeitschen. Die Interessen der gesellschaftlichen Gruppen wie die der Wirtschaft und Vermögenden zu schützen, als erstes Ziel umzusetzen, ist an den Handlungen und Gesetzesinitiativen der CDU/CSU ablesbar. Dagegen fehlt  eine Politik für die Gesamtheit der Bevölkerung, mit der eine lebenswerte Lebensgestaltung ermöglicht würde.

Wer – wie auch heute noch gerne als Narrativ von CDU/CSU unters Volk gebracht – verkündet, dass, wenn es der Wirtschaft gut gehe, es auch der arbeitenden Bevölkerung gut gehe, der verbreitet nicht die Beschreibung der Realität. Der Täuschung widerspricht ja schon die Statistik des Statistischen Bundesamtes

Die Schere zwischen den Einkommens- und Vermögenssteigerungen der Unternehmen und der arbeitenden und ihre Existenz durch Lohneinkommen sichernden Teile der Gesellschaft geht immer weiter auseinander. Die Einkommen durch Arbeit reichen oft nicht mehr, um die Grundbedürfnisse auch mit einer Vollzeitstelle zu finanzieren. Während die Armut (siehe auch 6. ARB Armuts- und Reichtumsbericht) steigt in diesem Land, steigen die Einkommen bei Unternehmen und bei Vermögenden ungleich stärker – auch in Pandemiezeiten! (siehe auch Stellungnahme des Paritätischen!)

Echter Klimaschutz sei laut „Der Freitag“ mit Armin Laschet nicht möglich. Sein Machtverständnis scheint darauf zu beruhen, seine Entscheidungen dem Kosten-Nutzen-Kalkül der Wirtschaft (in NRW dem RWE-Konzern) zu unterwerfen. Aus dieser Sicht ist ableitbar, dass seine Präsenz in den Katastrophengebieten den Anschein hat, aus dem Kalkül gesteuert zu sein, die eigene Macht zu festigen und das Ziel (Kanzler zu werden) so wenig wie möglich zu gefährden. Das ist allem Anschein jedoch nicht gelungen. Denn wer Empathie so widersprüchlich präsentiert wie Laschet, und wenn es nur der Strategie des Wahlkampfmarketings geschuldet ist, der missachtet die Würde der Menschen. Sein deplatziertes Grinsen und Lachen scheint darauf hinzuweisen.

„Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man.“ – Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra

Wie so oft in der Politik, scheint auch Laschet nach dem utilitaristischem Prinzip zu agieren: die Maximierung des eigenen Nutzens voranzutreiben. Ob Laschet als Kanzler geeignet sei, kann aus dem bisher genannten eher verneint werden. Denn er bekommt in Sachen Klimamanagement nicht zusammen, was heute zusammengehört: Klimaschutz und eine Menschen-zugewandte Ethik und Moral.

Windbruch – mit zartem, vereinzeltem Grün als Fremdkörper

„Ein Volk ist für seine Machthaber durchaus verantwortlich zu machen.“ 

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