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Moral in Zeiten der Krisen – in memoriam Horst-Eberhard Richter

Money makes the world go round…

„Was moralisch falsch ist, kann nicht politisch richtig sein.“ – William Ewart Gladstone

Horst-Eberhard Richter schrieb 2010 einleitend in seinem Buch „Moral in Zeiten der Krise“:

„Immer mehr Menschen kommen darauf, dass die akut gewordene Klimabedrohung und das Finanzdesaster keine von außen hereinbrechenden Unglücksfälle sind, sondern von uns Menschen selbst herbeigeführt werden. 30 Jahre haben wir versäumt, einem absehbaren Klimaschock vorzubeugen, obwohl die Wissenschaft uns rechtzeitig gewarnt hat. Und die Finanzkrise kommt nicht wie ein tragisches Schicksal über uns, sondern erweist sich als Strafe für die egoistische Waghalsigkeit einer ganzen Branche, die ihrerseits aber nur vollzogen hat, was wir als Gesellschaft zugelassen haben.“

Heute im Jahr 2021 können wir feststellen, es hat sich kaum etwas geändert! Weder die Folgen (Schere zwischen Arm und Reich ist noch weiter auseinander gegangen!) der Finanzkrise, noch ihre Ursachen (Vermögensverwalter wie BlackRock und Vanguard bestimmen die Realität der Ökonomie; Bankenprodukte wie Cum-Ex gefährden die Wirtschaft und den Staat) sind verändert und  bewältigt worden. Die Klimabedrohung hat sich zur Klimakatastrophe ausgeweitet, auch weil 50 Jahre das Thema immer wieder halbherzig behandelt wurde. Und 2011 ist mit Fukushima eine Umweltkatastrophe hinzugekommen, die ohne Lösungsansatz, wie die Atomabfälle zu lagern sind, weiterhin Menschen und Regionen bedrohen. Und nicht zuletzt ist mit dem Covid-19 Virus eine Pandemie als weltweite Bedrohung für Milliarden Menschen die Ansammlung ungelöster Probleme angewachsen. 

In diesem Rahmen finden Machtkämpfe in Form von Kriegen, Entwicklung autokratischer, ent-demokratisierter Staaten (Türkei, Ungarn, Polen, Russland etc.)  und Spaltung der Gesellschaften in bisheriger Demokratie (in den USA durch Trump / in Großbritannien durch Johnson) statt. Die EU als Verbund von Staaten befindet sich in einer Schwächungsphase, auch weil die autokratischen Staaten zwar die Fördergelder in Anspruch nehmen wollen, jedoch den Gedanken der demokratischen Gemeinschaft destabilisieren und den Rechtsstaat schwächen.

Und nicht zuletzt bleiben die Parteien schweigsam, wie die vielen Baustellen und Investitionsstaus in Deutschland zu bewältigen sind, welche Einnahmequellen (Steuern) zur Finanzierung und Umsetzung notwendiger staatlicher Aufgaben hinreichend sein werden. Es bleibt das Fazit, dass alle genannten Probleme in keiner Weise Inhalt und Gegenstand  des Bundestagswahlkampfes geworden sind.

Stattdessen werden auf Nebenkriegsschauplätzen – mit den üblichen Verdächtigten, denen abhängiger Presseorgane –  Pille-Palle-Themen unters Volk gestreut. Keine Wahrheiten und Transparenz bei den drängenden Fragen nach bezahlbarem Wohnraum, nach Bildungsoffensive, Arbeitsplatzsicherung und Abbau von Kinderarmut und Altersarmut. Und erst recht nicht, wie denn im welchem Zeitraum die Klimakatastrophe durch Einhaltung des 1,5° (Grad)-Ziels in Sachen CO₂ realisiert werden kann. Welche Konsequenzen dies auf die Mobilität haben wird, ist bisher noch mit keiner eindeutigen Aussage dem Volk mitgeteilt worden. Ein offener Diskurs und ein Ringen um die besten Lösungsansätze bleiben Mangelware.  

Was zudem bisher überhaupt nicht thematisiert wurde in diesen Zeiten und diesem Wahlkampf, ist das Thema Frieden. Die in den 1980er Jahren starke Friedensbewegung, die auch durch charismatische Figuren wie Willy Brandt getragen wurde, ist seit langem nicht mehr präsent! Die Entwicklung zu verhärteten Fronten und einem neuen kalten Krieg zwischen den bekannten Protagonisten der Weltmächte wird von politischen Gruppen auf beiden Seiten vorangetrieben, die der Aufrüstung das Wort sprechen.

Horst-Eberhard Richter formulierte auf einer Rede zu den Friedensbewegungen 1981:

„Wenn längerfristig nur eine echte Abrüstungspolitik den Frieden zu sichern vermag, so kann eine solche Politik nur von Menschen und Gremien getragen werden, die auch in psychologischem Sinne abzurüsten vermögen. Das bedeutet den Mut zu einer Haltung der Versöhnlichkeit, der Vertrauensbereitschaft und der Offenheit. Die Politik kann nur in dem Maße menschlicher werden, als in ihr Persönlichkeiten von jener Menschlichkeit wirksam werden, die sich etwa mit dem deckt, was wir unter psychosozialer Gesundheit verstehen.“

Die Reduzierung auf die Macht des Kanzleramtes als Selbstzweck prägt die Politik der Parteien und ihre Kandidaten, die alle kein Charisma verströmen. Nicht einmal Respekt bleibt, bei den Skandalen und Skandälchen, die allen anhaften. Es bleibt dann für die Wahl nur, das kleinste Übel mit dem größten Effekt für eine Abwahl der CDU/CSU in die Opposition zu wählen: die derzeit führende Partei und ihr Kanzlerkandidat Scholz!

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