Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Twitter-Information und Wahlwerbung lässt Jung- und Erstwähler träumen und Fakten prüfen versäumen

Graffiti – Wirr und ohne Mehrwert!

 

Wer als Partei (FDP) im Wahlkampf Twitter-Werbung einsetzte, hat kurzfristig Erfolge zu verzeichnen, weil der Schein das Sein übertüncht. Der Absturz und die Enttäuschung werden umso größer sein, wenn des neuen Propheten Gerede sich nur als Geschwätz erweisen wird. Die Generation, die ihre Entscheidung aufgrund dieser Kanalisation der reduzierten Informationsinhalte getroffen hat, muss sich fragen lassen, ob Traum und Realität nicht weit auseinander klaffen. 

„Zett“, das Jugendmagazin der „Zeit“, betont im Interview mit dem Jugendforscher SIMON SCHNETZER, dass der Teil der Jugendlichen, die FDP als „ihre“ Partei gewählt haben, es besonders auf das Erreichen oder den Erhalt (Erbengeneration) von  Wohlstand ankommt. Sie haben sich von der Wahlpropaganda und den Versprechungen der FDP einfangen lassen. 

Ausgeblendet wurde jedoch dabei, dass der Klimawandel einen großen Einfluss auf die Lebensgestaltung haben wird und eher Genügsamkeit, Ressourcenschonung, Solidarität und kritische Vernunft verlangt. Der ewige Konkurrenzkampf  seit Kindergartenzeiten begleitet sie ein Leben lang. Egoismus wird gefördert. Die Bedrohung durch den Klimawandel ist für sie als Betroffene, die die Auswirkungen in wenigen Jahrzehnten am intensivsten spüren werden, nicht nur nachvollziehbar, sondern die Resignation und die Flucht in die individuelle Rettung als Gegenreaktion sind ebenso verständlich. Sie sind jedoch als Handlungsalternative nicht hinreichend. 

Aus allen Seiten werden seitens derjenigen, die ihre Geschäftsmodelle darauf bauen, die Privatisierung der Renten als „alternativlos“ dargestellt. Untergründig projizieren die Versicherungsgesellschaften und die Finanzindustrie als „Lösung“ den Aufbau eines Privatvermögens. In Gemeinschaft mit den Medien wird das Solidarprinzip der gesetzlichen Rente und der übrigen Sozialversicherungsbereiche verteufelt. Gerechtigkeit geht anders. Ökonomisch beruht das System der gesetzliche Rente darauf, dass für den Einsatz der Arbeit und die dadurch erzeugte Produktivität einer Art Gesellschaftsvertrag ein Teil des so erzielten Wertes durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber in ein „Fond“, die gesetzliche Rente eingezahlt wird. Wenn jedoch durch Maschinen (Automatisierung, Künstliche Intelligenz – KI) die Produktivität erzeugt und erhöht wird, ohne dass menschliche Arbeitskraft, Fähigkeit und Fertigkeiten eingesetzt werden müssten (weil diese ja schon in den Maschinen und ihre Steuerung als Programm und Transformation des Know-how), dann werden deshalb keine Rentenbeiträge mehr eingezogen. Die Unternehmen sparen und generieren Gewinne, nutzen jedoch weiter die Infrastruktur der Gesellschaft. Daraus folgt, dass für die nun ohne Menschen erzielte Produktivität eine Besteuerung oder ersatzweise in die Rentenkasse eingezahlt werden muss. 

Da zudem  aufgrund der Minilöhne die Aufstockung der nicht hinreichenden Altersrente aus staatlichen Leistungen (Steuergeld in die soziale Absicherung) und heutigen Transferleistungen notwendig ist, muss zukünftig bei sinkenden Renteneinzahlungen eine Besteuerung der Produktivität als Einnahmequelle generiert werden. Zudem müssen andere Einnahmequellen wieder aktiviert werden, damit der „Gesellschaftsvertrag“ zwischen den verschiedenen Teilnehmern der bundesdeutschen Gesellschaft immer wieder angepasst werden kann. Dazu gehören Transaktionssteuern (für jede Börsenaktivität wird eine Gebühr fällig), die Reform der Erbschaftsteuern, insbesondere bei Unternehmen, die Aktivierung der Vermögenssteuern (wer leistungslos Vermögenssteigerung durch Börsengewinne, durch Aktienbesitz  und deren Rendite erzielt, der soll wegen der Steuergerechtigkeit diese Einkommen ebenso besteuert erhalten, wie jedes Einkommen durch Arbeit auch!). Wer dagegen die zukünftigen Kosten der Gesellschaft in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Infrastruktur Verkehr, Strom, Daten etc. sowie die Schuldenrückzahlung durch die Covidpandemie ohne Steuererhöhung finanzieren will, wie die FDP das propagierte, der sagt den Wählern nicht die Wahrheit!   

Das Prinzip des „Jeder ist sich selbst der Nächste“ lugt aus allen Poren hervor. Selbst die TV-Formate wie „Heidi Klums next Topmodel“ dürften Lehrstück genug sein, zu erkennen, dass von X-Teilnehmern nur eine Gewinnerin – und das auf Kosten der anderen – die Chance hat, vielleicht mal etwas Wohlstand zu erreichen! Das Prinzip, nur der „Erste“, der „Gewinner“ zu sein, sei die einzige Methode. Lebenswert sei die Maximierung des Egoistischen. Da es nur eine „Erste“ und  einen „Sieger“ geben kann, werden alle anderen verlieren. Sozusagen eine Chance 1 aus 60 Millionen.  

 Aus philosophischer Sicht stehen sich in dieser Thematik, die in der Wahlpropaganda der FDP verschwiegen wurde, die Weltbilder einer Ayn Rand als Vertreterin des absoluten Egoismus und Vorläufer des Neoliberalismus einerseits und Max Horkheimer (sowie seinen Nachfolgern) und die „Kritische Theorie“ andererseits gegenüber. 

Wer Freiheit verspricht, aber die Feinde und Systemgefährdungen der Freiheit verschweigt, ist nicht vertrauenswürdig. 

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