Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Relative Wahrheiten und Realitäten – oder die Selbst- und Fremdtäuschung in der Ampel-Koalition

Motto der SPD und Olaf Scholz in den Koalitionsverhandlungen?

Gemeinhin wird kolportiert, dass „Politik das Ergebnis von Kompromissen“ sei. Schlimm enden solche Sprüche in der Realität dann, wenn es nur faulige und übel wirkende Kompromisse sind, die keine Probleme lösen helfen. Eine Steigerung dieser negativen Realität zeigt sich nun in dem Vorgeplänkel um Posten, Begriffsbesetzungen und „Grenzziehungen“. Dabei haben Grenzüberschreitungen längst stattgefunden, wie sie in den Äußerungen durch die beteiligten Parteien um die Besetzung des Finanzministeramtes nachvollziehbar sind. (Wie in allen Parteien ist das Personal der FDP ebenfalls zu oft auf dem Trip angetroffen worden, an den Töpfen der Diäten sich gütlich zu tun: von Otto Graf Lambsdorff in den 1980er Jahren, über Silvana Koch-Mehrin bis Rainer Brüderle seien nur einig genannt, die ihr Amt fragwürdig ausgeübt haben.)

Ein bisschen Humor soll dem Ernst der Thematik keinen Abbruch tun:

Im Klientel-Umfeld der FDP, einem mittelständischen, international agierenden Unternehmen, ist eine Sekretariatsstelle ausgeschrieben. Ein Golden Retriever bewirbt sich und wird von der KI  (Künstlichen Intelligenz) des Unternehmens zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Überrascht von dieser Bewerbung stellt der Personalleiter dennoch die Frage: „Sprechen Sie denn Fremdsprachen?“ Und prompt antwortet der Golden Retriever mit dem Beweis: „Miau“.

Übel sind besonders die erkennbaren ideologischen Weltbilder, wie sie exemplarisch durch die Lindner-FDP projiziert werden. Das Bild von der sogenannten „bürgerlichen Mitte“, die nur durch die FDP verteidigt werde, ist ein Zerrbild des Establishments ganz besonderer Art, begrenzt durch den Blickwinkel auf die reale Welt aus dem Porsche und dem Penthaus. Beschränkter kann eine Realitätswahrnehmung nicht mehr werden. Übrig bleibt nur noch die Frage, ob die Selbst – oder Fremdtäuschung größer ist.

Und wieder stehen wir, die Bevölkerung, vor der Frage, wie werden wir solche Kreationen und Figuren wieder los oder besser noch, wie lassen wir nicht zu, dass sie wieder aus einer Machtposition ihre Absichten umsetzen können, ohne Konsequenzen ziehen zu müssen?

Bestenfalls darf unterstellt werden, dass die Aussicht auf Regierungsbeteiligung alle Beteiligten der Ampel-Koalitionäre schon irregemacht hat. Das Theaterspielen auf der Bühne der Macht verleitet sie, die „Bretter, die die Welt bedeuten“, als Wirklichkeit zu benennen. Für diese Fehlleistung aber nur verharmlosend zu betonen, „irren sei menschlich“, ist nicht mehr angemessen. Vor allem nicht, wenn vermutet werden könnte, die Verhandlungsergebnisse könnten vergleichbar sein, als wären sie unter Drogeneinfluss entstanden. In einer so beeinflussten Realität werden dann die Begriffsbesetzungen und Ergebnisdarstellungen zwar verständlich, jedoch nicht verzeihlicher.  Vor allem, weil die Privatisierungen aller Lebensbereiche weiter vorangetrieben werden und als wohlriechender Duft im Kiffer-, Lachgas- oder Alkoholnebel empfunden worden sein muss. Jedoch nüchtern den Mistgeruch nicht mehr verbergen kann!

Ein bekannter Witz steht für ein solches Szenario der verzerrten Wahrnehmung:

„Hallo Wolfgang, ich rufe dich gerade aus meinem neuen Porsche an. 250 km/h auf der A215!“ / „Christian, sei vorsichtig. Gerade hörte ich die Durchsage im Radio, dass ein Geisterfahrer dort in die falsche Richtung fährt!“ / „Ein Geisterfahrer, Quatsch, ich sehe hier hunderte!“

Hinweise auf Meinungen, Kommentare und Analysen als Grundlage für den Diskurs

Ergänzung

Zum Thema Privatisierung des Daseinsvorsorgebereich „Wohnen“ – Ein juristische Einschätzung zum Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ –  oder präziser: „Volksentscheid über einen Beschluss zur Erarbeitung eines Gesetzentwurfs durch den Senat zur Vergesellschaftung der Wohnungsbestände großer Wohnungsunternehmen“ ist auf LTO zu lesen. Ein Tipp für die Ampel-Koalition: ein Vergesellschaftungsgesetz ist juristisch machbar, lautet die Essenz des Beitrages.

Ergänzung II

Bleibt der Mindestlohn unzureichend? Auswirkungen auf Rente und Wirtschaft.

Eine Meinung und Analyse auf „Zeit- online“

Ergänzung III

Kommentar zur verweigerten Vermögenssteuer und fehlender Einnahmequellen – TAZ 

Ergänzung IV

Einschätzung zur Substanz der Inhalte des Sondierungspapiers als „roter Faden“ für die Koalitionsverhandlungen – NDS (Jens Berger)

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