Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Gegensätzlichkeiten, Pandemie und das Weltwirtschaftsforum in Davos

Zum Doku-Film „Woodstock“ vom Musik-Festival (USA)  im Jahr 1969 gehört der Mythos, dass die Musik an den drei Tagen „die Welt veränderte“ – aber die Welt war nicht dabei! Jimi Hendrix Gitarren-Solo und seine Verfremdung der US-Nationalhymne war ein ästhetisches Stück Musik. Die intendierte Kritik am Vietnamkrieg aber war erst später erkennbar. 

Tiefgreifende Ereignisse können die Sicht auf die Welt verändern. Wichtig bleibt dabei, dass die Intention, nicht so weiterzumachen wie zuvor, (aktuell als Ereignisse die Pandemie und die Klimaveränderung), das Kernanliegen bleibt.

Nicht nur auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in einer Woche steht das Thema „Pandemie und die ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen für die demokratische Gesellschaft“ auf der Agenda. Auch in Fotografie-Foren berührt das Thema deren Mitglieder. Eine Moderation durch die Betreiber ist einerseits durch die DSGVO gefordert, wie auch der ordnende Eingriff durch die Inhaber notwendig ist, wenn Platzhirsch-Reibereien aus dem Ruder zu laufen drohen.

Eine kluge Moderation aber lässt darüber hinaus auch den Austausch über das Pandemie-Geschehen zu und die Community profitiert davon, dass sachliche Informationen zu Impfungen und wissenschaftliche Studien für einen Mehrwert auch auf dieser Ebene sorgen.

Nach zwei Jahren mit den bekannten Auf und Ab von Einschränkungen, politischen Entscheidungen und der populistischen Manipulation der Zweifler, Leugner und Impfgegner durch Brandstifter wie der AfD ist der Ermüdungsfaktor in der Gesellschaft deutlich zu spüren und zu hören. Verständlich sind dann Wünsche wie in der nachfolgenden Äußerung: „Möchte gerade irgendwie gerne sofort auswandern: Meer und Strände ohne Ende, eine offene Gesellschaft und Politiker*innen, die sich das Vertrauen des Volkes erarbeitet/verdient haben. Klingt wie ein kleines Paradies.

Als Orientierung können Antworten wie folgt notwendig sein.

Ja, das Paradies (oder das „Glück“) ist immer da, wo man/frau gerade nicht ist.  Es ist allen – die sich nach einer weniger einschränkenden  Zeit (wenn auch begründet notwendigen) sehnen – zu wünschen, dass diese bald wieder möglich ist. (Allerdings nicht im Sinne von … weiter so wie vor der Pandemie.)

Dem Wunsch nach Meer mit traumhaften Stränden stehen die steigenden Meeresspiegel wohl bald im Weg. Und der offenen Gesellschaft (unterstellt, dass damit Toleranz, Empathie, Solidarität oder zumindest Poppers Vorstellung einer liberalen Demokratie gemeint ist) stehen die vielen Feinde der Demokratie und Anhänger totalitärer Staatsformen entgegen. Sensible Geister (mit Gespür für notwendige Mitmenschlichkeit, ohne sich selbst zu vergessen) haben es da wirklich nicht ganz einfach, ihren Platz in diesen komplexen und sich ständig verändernden Zeiten zu finden.

Als Indiz dieser Zeiten stehen sich wiederum „Sensibilität versus Resilienz“ einerseits, sowie „Vulnerabilität versus Widerstandskraft“ andererseits entgegen, wie es im neuen Buch „Sensibilität“ von Svenja Flaßpöhler heißt. Ein Buch, das sich dem Thema Empfindlichkeit und Grenzen des Zumutbaren zuwendet. Vielleicht eine Anregung, die zu alternativen Wegen zum „Glück“ im Hier und Jetzt ohne Flucht in gefährdete Paradiese führt. 

Es dürfte der Mehrheit in der Gesellschaft schon reichen, wenn die nachstehende Umsetzung in unserem Gesellschaftsvertrag „Demokratie“ weiterhin gelingen würde.

  • „Im Namen der Toleranz sollten wir uns das Recht vorbehalten, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“ –  Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde
  • „Wir müssen für Frieden sorgen und nicht nur für die Sicherheit, einzig aus dem Grund, weil nur der Frieden Sicherheit sicher machen kann.“ – Karl Popper: Logik der Forschung

Und zuletzt noch ein Zitat von Karl Popper, deren inhaltliche Ausdeutung und Umsetzung alle Verantwortung tragende Mitbürger nicht alleine den wiedererstarkten Rechtsradikalen und ihren Mitläufern überlassen sollten:

  • „Denn es gibt keine  Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.“

Daran – und dass Freiheit immer auch die Freiheit des anderen mitdenken muss (auf ökonomischer wie politischer Ebene *) – und wie die jeweilige Regierung dies rechtsstaatlich ermöglicht und selber verinnerlicht, muss sich auch die aktuelle Regierung messen lassen. 

Ergänzung vom 18.01.2022

(*) Vom Mitdenken der Freiheit der anderen Menschen… oder der Verlust des Vertrauens in die Politik

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