Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Kritische Theorie – noch immer wirksames Mittel zur Aufklärung über die neoliberale Gesellschaft

„Man kann sagen, dass der Faschismus der alten Kunst zu lügen gewissermaßen eine neue Variante hinzugefügt hat – die teuflischste Variante, die man sich denken kann – nämlich: das Wahrlügen.“ (oder auch die Selbst- und Fremdtäuschung) – Hannah Arendt

Das Verwerfliche und abgrundtiefe Unmenschliche ist in seiner Destruktion extremistisch. In vergangenen Zeiten subsumierte diese Beschreibung unter dem Begriff „das Böse“.  Hannah Arendt sprach von der „Banalität des Bösen“. Banal im Sinne dessen, dass die Formen und die Transformation in Handlungen sich nicht selten in radikaler Gewalt, in psychopathologischer Kälte und fehlender Empathie äußerten. In Ergänzung ihrer Definition des „Bösen“ formulierte Arendt, dass „das Böse“ – dabei immer die Ungeheuerlichkeit des bestialischen Genozids und die Auslöschung der Juden vor Augen – nicht banal und gleichzeitig radikal sein könnte, sondern nur noch extrem und damit kategorisch ein exemplarisches Beispiel für Extremismus sei.

Extremistisch auch deswegen, weil dieses Vorhaben des Genozids in einer geheimen Absprache (Wannseekonferenz) durch eine geplante, bürokratisch gestützte und aus den Blickwinkeln aller beteiligten Fachbereichen (der Ökonomie [Kosten-Verwertbarkeit-Relation], der Juristik, der Betriebswirtschaft [Logistik, Ressourcenbereitstellung] und der wissenschaftlichen Verwertung) berücksichtigend geplant wurde. Ein exemplarisches Beispiel für den Extremismus der Unmenschlichkeit.

Die Verweigerung des Schuldanerkenntnisses seitens der Täter und Mitläufer (diese gegebenenfalls nur im Graduellen unterscheidbar von den Tatausführenden im Nazi-Deutschland) für das Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist quer durch die beteiligten Gesellschaftsschichten seit dem Nazistaat feststellbar. Sowohl in der Bundesrepublik der Adenauer-Ära, wie auch in der DDR, oder in den USA, der Sowjetunion und anderen Staaten erfolgte die Aufarbeitung der Schuld nicht und verhinderte damit die Gerechtigkeit und die Unfähigkeit zu trauern. Im Gegenteil wurde bewusst darauf verzichtet. Und um auf das „Know how“ und das Fachwissen der verantwortlichen Täter zurückgreifen zu können, bewirkten diese Entscheidungen, dass die Denkhaltung des Nazi-Weltbildes und seine faschistischen und rassistischen Facetten und Methoden sich bis heute wirksam in der Gesellschaft verankern konnten.

Die Begrifflichkeiten wurden geändert, die Struktur und Methoden blieben gleich – in der BRD verdeckter (und in Teilen auch kritisch hinterfragt) Bestandteil rechtskonservativer Parteien und lobbyistischer Seilschaften, in der DDR radikaler und staatsorganisch organisierter. Dass in allen autokratisch-totalitären Staaten solche Verhaltensweisen nachvollziehbar sind, zeigt sich bis in die aktuelle Zeit – auch in durch den Neoliberalismus und den Feinden der offenen Gesellschaft geschwächten Demokratien – vom Trumpismus bei den Republikanern in den USA, über Orbáns Ungarn, Kaczyńskis Polen, Erdogans Türkei, Putins Russland, Xi Jinpings China bis zu den extremistischen Islamstaaten. Die Fremd- und Selbsttäuschung auf vielen Ebenen der Öffentlichkeit (und im Privaten) ist dabei Bestandteil des Alltags und in der Folge als Einschränkung der Meinungsfreiheit und Kontrolle der Medien, der  Gewaltenteilung (Legislative, Exekutive und Jurisprudenz) sowie des Militärs nachvollziehbar.

Wenn auch nicht vergleichbar in der Totalität der Umsetzung durch das sogenannte „Dritten Reichs“ lassen sich graduell unterscheidbare  – aber nicht prinzipiell – Ansätze von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in allen genannten Staaten nachvollziehen. Die Strukturen der Machtausübung und Machtsicherung – Überwachung der eigenen Bevölkerung, Nutzung kreativer Rechtsstaatlichkeitsgrundlegung (jedoch als Pseudogesetzgebung entlarvbar) als Begründung für Stellvertreter-Kriege – sind immer nachvollziehbar.

Nur wer die Entwicklung der Gesellschaft „als eine andere denken könne, denn die existierende“ (Adorno  / Minima Moralia) werde das Bild, das sie zu einem bestimmten Zeitpunkt abgibt, analysieren können und eine Weiterentwicklung und Lösung der sichtbaren Probleme initiieren und begleiten können. „Und wer vom Kapitalismus nicht reden wolle, solle vom Faschismus schweigen“, formulierte Horkheimer unter Bezug auf das wissenschaftliche Erkenntnismodell (Kritische Theorie der „Frankfurter Schule“) und ihre Reflexionen zum Zustand der Gesellschaft in den 1930er Jahren und den 1950er-1960 Jahren (Negative Dialektik / Dialektik der Aufklärung 1944). 

Ergänzung: Norbert Härings Buch zum Zustand des Kapitalismus

Nachfolgend sind Beiträge auf diesem Blog zur Frankfurter Schule und zur Analyse der bürgerlich, neoliberalen Gesellschaft zu finden.

An so vielen Stellen lässt sich die Wiederholung des Gesagten und Zitierten nicht vermeiden. Ursache dafür ist die Notwendigkeit zur Einübung und zur Vermeidung der Unfähigkeit, zu denken und sich zu verändern.

Nie wieder Krieg!

Wiederholung des Nichterfüllten in den Jahren der Wahlen

Wie moralisch ist die Wirtschaft?

Chemnitz – Das Antlitz verbrannter Erde der Menschlichkeit

Unter Himmeln

Quo vadis Deutschland

Es gibt nicht „die Wirtschaft“ oder „die Politik“ – es sind Personen

Zur Analyse der bürgerlichen Gesellschaft

AfD als Ursache und Mitverantwortliche 

Mitverantwortlichkeit bei strukturellem Faschismus

Die Büchse der Pandora – Götz Kubitscheck

Friedrich Merz als Turbo für den Kapitalismus

Trumps Borderline

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