Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Wehret den Anfängen: Vom Furor „nationaler Patrioten“ – hüben wie drüben!

„Der Patriotismus ist die letzte Zuflucht, an die sich der Strauchdieb klammert.“ – Bob Dylan

„Der Patriotismus in Deutschland ist so furchtbar, weil er grundlos ist.“ – Max Horkheimer

„Zuletzt steckt in jedem Patriotismus der Krieg, und deshalb bin ich kein Patriot.“ – Jules Renard

Vergessen im Furor der gegenseitigen Beschuldigung ist das berechtigte Anliegen der Friedensmarschbeteiligten in den letzten Jahrzehnten. Verdrängt vom patriotischen Gebrüll – hüben wie drüben – wird die Berechtigung für das Ringen um Frieden. Verdrängt und vergessen auch der Kant’sche Aufruf  „Zum ewigen Frieden“ – seine Anwendung des „kategorischen Imperativs“ auf die Politik. Wenig hilfreich sind Kolumnen (gespickt mit Anzeigen zu eigenen literarischen Ergüssen!), die jenen Beteiligten das Etikett des „Lumpen-Pazifisten“ ($ascha Lobo – auf „Spiegel-Online“) anhängen.

Und um keinen Irrtum aufkommen zu lassen: Jeder Angriffskrieg, egal von welcher Nation ausgehend und mit welcher Propaganda vernebelt und mit welchen juristischen Winkelzügen oder Lügen „begründet“, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Aktuell geschieht dies durch Putin – in seiner voller Verantwortlichkeit – auch hinsichtlich des Blicks auf den Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag (MRGH).

Um auch in dieser Hinsicht keinen Irrtum aufkommen zu lassen! Sich gegen einen solchen Überfall zu wehren, ist Notwehr und die überfallene Bevölkerung ist berechtigt, den Angriff mit Waffen abzuwehren! Und dennoch darf das Bemühen um Frieden nicht nachlassen und vernachlässigt werden!

Ebenso nie gewusst, oder vergessen und verdrängt, ist in diesem Zusammenhang auch Tucholskys vernichtende Bewertung jeglichen verherrlichenden Patriotismus – hüben wie drüben: Eine Katze, die eine Maus tötet, ist grausam. Ein Wilder, der seinen Feind auffrisst, ist grausam. Aber das grausamste von allen Lebewesen ist eine patriotische Mutter.“

Dass auf beiden Seiten der verblendete Patriotismus sich wie die Pest durch das gesellschaftsspaltende und hasserfüllte Weltbild frisst, kann in jedem Land der Erde nachvollzogen werden. Und selten hat die vernunftbezogene Einsicht eine Chance, mit evidenten Fakten zu überzeugen. Immer basieren die (Pseudo)-Argumente auf der jeweiligen Propaganda des eigenen Nationalismus – hüben wie drüben. Und die Spaltung geht durch die Familien, ob in den USA, in Russland, Groß-Britannien, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland oder sonstigen betroffenen Ländern. Beispiele gibt es genug. Wie im Morgenmagazin vom 29.04.2022: Propaganda wirkt

Die Spaltung der Gesellschaft ist jedem Patriotismus inhärent! Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist das begleitende Verhalten. Und der Schritt zur Gewalt und zum Krieg ist die eskalierende und vernunftferne Automatik des Patriotismus.“ – JWB 

Und auch hier ist es notwendig und des Bürgers Pflicht, in jeder Hinsicht den Blick auch auf die Plausibilität der erkennbaren Fakten zu richten, um zu vermeiden, dass dem wirkmächtigen Bild einer roten Mütze, die von Kugeln zerfetzt zu sein scheint, nur durch das Zeigen die Belegkraft zugesprochen wird, um juristisch für den Nachweis von Kriegsverbrechen durch russisches Militär, russisch-tschetschenischer Söldner oder faschistischer Banden dienen zu können.

Es bleibt für jede Gesellschaft das alte Dilemma: „Wie werden wir die gewählten, sich aber nicht dem Amt verpflichtend und verantwortlich verhaltenden, gesinnungsgeleiteten, korrupten, machtgierigen und menschenfeindlichen Figuren  – möglichst gewaltfrei – wieder los?“

Jede Bevölkerung in jedem Land hat die Verpflichtung, seine Regierung zu kontrollieren auf Einhaltung des Amtseides, auf menschenfreundliches und daseinsfürsorgeverpflichtendes Verhalten, um jede Abweichung mit der Aufforderung zum Rücktritt nachhaltig zu bewirken. Die Einführung von gleichberechtigten Bausteinen direkter Demokratie (Bürgerräte) als Korrektiv zum Parlament ist notwendig, um Fehlentwicklungen zu Missbrauch von politischer Macht im Amt schon in den Anfängen zu verhindern. Jede Schwächung der Gewaltenteilung oder Zerstörung der Medien, wie sie Putin in Russland, Orban in Ungarn, Kaczyński in Polen, Erdogan in der Türkei, Bolsonaro in Brasilien und Trump beim Aufruf zum Stürmen des Kapitols praktizierten, sind deutliche Anzeichen für die Entwicklung einer Nation hin zu autokratisch-undemokratischen Systemen und Diktaturen

Ein weiteres Element des „wehret den Anfängen“-Moments beruht in der Notwendigkeit, keine Partei zu wählen, die Klientelpolitik betreibt und die Verantwortung für die Daseinsfürsorge ablehnt. Privatisierung der Infrastruktur für das Allgemeinwohl (Bildung, Gesundheit, Wohnen, Verkehr, Altersvorsorge, Klimaschutz, Frieden) zu unterstützen, ist ein Indiz für die Spaltung der Gesellschaft und für die Bevorteilung von gesellschaftlichen Gruppen zum Nachteil der Allgemeinheit. Solche Parteien sind von der Regierungsbeteiligung fernzuhalten.

Gesellschaften, die diese Entwicklungen nicht schon am Anfang aufhalten, müssen sich nicht wundern, wenn dann Despoten, Diktatoren und Kriegstreiber wie Putin, Orban, Erdogan, aber auch Trump und Johnson ein Machtgefüge schaffen können, dessen Ab- und Rückbau nur mit Leid, Zerstörung, Krieg und Gewalt noch gelingen kann.

Ergänzung vom 30.04.2022 

Im Beitrag der Ausgabe  „der Freitag digital“ vom 30.04.2022 verweist der Autor mit seinen Thesen auf die verursachende Wirkung des Neoliberalismus hin, die zum heutigen Zustand Russlands und der Figur Putins als Despot führten. 

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