Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Despotie, Repression, Gewaltherrschaft – die absurde Verweigerung von Mitmenschlichkeit und Emanzipation

Am Beispiel der Verhaftung von Menschen in Russland, (YouTube-Video), die auf einem öffentlichen Platz ein leeres Blatt Papier vor sich halten, wird die Despotie und ihre Repression gegen Teile der Gesellschaft offensichtlich. Noch absurder wird die Gewalttätigkeit des Putin’schen Systems, wenn Menschen von der Polizei abgeführt werden, die lediglich eine Haltung einnehmen, die ein unsichtbares, virtuelles Blatt Papier zu zeigen vermuten lassen!

Es erinnert im umgekehrten Maße an das Märchen von „Des Königs neue Kleider“, die auch nur die Nacktheit und Blöße zeigen, weil in propagandistischer Art und Weise lediglich vorgegaukelt wurde, dass der König Kleidung trage, die Realität jedoch die Wahrheit zeigt: Der König ist schlicht und einfach nackt. Verschwörungstheoretisch wird die Wirklichkeit ausgeblendet und angstbesetzt verbreitet sich die Lüge.  

Verschwörungsanhängern ist zu dem eigen, dass sie zum absurden Verhalten neigen, welches wie folgt definiert wird:

Zitat aus: Enzyklopädie Philosophie   

»Die Absurdität des Zustandes, in dem die Gewalt des Systems über die Menschen mit jedem Schritt wächst, der sie aus der Gewalt der Natur herausführt, denunziert die Vernunft der vernünftigen Gesellschaft als obsolet.

Soll es aus dieser »unaufhaltsamen Regression« einen Ausweg geben, so kann dieser nur in einer Rückbesinnung der Vernunft auf sich selbst liegen. Im Denken müssen die Menschen sich wieder selbst bedenken in ihrem Eingefügtsein in Gesellschaft und Natur, nur so können sie zu Subjekten einer verändernden Praxis, eines vernünftigen und verantwortlichen Handelns gegenüber ihren Mitmenschen und der Natur werden. »Umwälzende wahre Praxis aber hängt ab von der Unnachgiebigkeit der Theorie gegen die Bewusstlosigkeit, mit der die Gesellschaft das Denken sich verhärten lässt.«

 Camus“ „Der Mythos von Sisyphos“ Ein Versuch über das Absurde – sind Überlegungen zum Absurden. Er knüpft an Kierkegaards Absurditätsbegriff an. Das Absurde ist nicht einfach ein zu registrierender Zustand oder Sachverhalt, sondern ein Zwiespalt, der herrührt aus der Diskrepanz zwischen Mensch und Welt, zwischen Handlung und Resultat. Das Absurde scheint dem Menschen auf, wenn die Welt fragwürdig geworden ist und ihren Sinn verloren hat.

Zitatende

Lasst euch nicht verhärten, in diesen harten Zeiten“ titelte Wolf Biermann zu DDR-Zeiten und gegen die Einflüsse der dort herrschenden Despotie, vergleichbar den Kategorien der Unterdrückung auch in Putins Russland. Emanzipation und Zivilcourage werden in solchen Verhältnissen immer erschwert und mit Gewalterfahrungen verbunden sein.

Theodor W. Adorno und Max Horkheimer verwiesen in ihrem Werk „Dialektik der Aufklärung“ auf die Gefahr, dass Aufklärung sowohl auf Widerstand bei den verschwörungsgläubigen Anhänger der Despoten wie auf die Handlanger der exekutiven Mitläufer stoßen würde.  

Zitat: Enzyklopädie Philosophie   

„Aufklärung, einst angetreten, die Menschen im Bedenken ihrer selbst und aus dem Lebenszusammenhang in der Natur zu vernünftigem und verantwortlichem Handeln zu befreien, reduziert sich in der Moderne zur wissenschaftlich- technischen Rationalität. So seines Selbstbewusstseins beraubt, wird das Denken zum willfährigen Instrument der Herrschaft industrieller Produktionsverhältnisse und ihrer naturwüchsigen Expansionsprozesse. »Die Absurdität des Zustandes, in dem die Gewalt des Systems über die Menschen mit jedem Schritt wächst, der sie aus der Gewalt der Natur herausführt, denunziert die Vernunft der vernünftigen Gesellschaft als obsolet.«[31] Soll es aus dieser »unaufhaltsamen Regression« einen Ausweg geben, so kann dieser nur in einer Rückbesinnung der Vernunft auf sich selbst liegen. Im Denken müssen die Menschen sich wieder selbst bedenken in ihrem Eingefügtsein in Gesellschaft und Natur, nur so können sie zu Subjekten einer verändernden Praxis, eines vernünftigen und verantwortlichen Handelns gegenüber ihren Mitmenschen und der Natur werden.“

Zitatende

Die Schritte zur Emanzipation von der Despotie/Diktatur sowie von der politischen wie wirtschaftlichen Macht bestehen im 21. Jahrhundert immer noch auch in der praktischen Umsetzung von Kants kategorischem Imperativs und der konkreten Utopie im Sinne Ernst Blochs. Dieses Ansinnen ist verknüpft mit:

Zitat: Enzyklopädie Philosophie   

„… den anderen großen regulativen Ideen der abendländischen Tradition seit Platon: der Gerechtigkeit, der Freiheit und der Mündigkeit, der Menschenwürde und der Solidarität, dem Selbstbestimmungsrecht   der Völker, dem Weltbürgertum und dem Frieden. D.h. E. kann nicht von außen verordnet, sondern nur von den Individuen selbst errungen werden, dies aber setzt die Mündigkeit der Individuen voraus. Sie kann aber auch nicht von einzelnen Individuen für sich erreicht werden, sondern bedarf eines solidarischen Handelns mit anderen, die ebenfalls für ein gerechteres Zusammenleben der Menschen in einer politischen Gemeinschaft und der friedlichen Kooperation der Völker eintreten.

›Menschliche Emanzipation‹ ist notwendig auf eine menschheitsgeschichtliche Perspektive ausgerichtet, die die Menschenwürde aller Menschen in einer weltbürgerlichen Gemeinschaft erstrebt, nicht nur der gerade lebenden, sondern auch der kommenden Generationen.

Die Menschheit steht zu Beginn des 21. Jh. vor selbst hervorgebrachten sozialen und ökologischen Problemen in nie zuvor gekanntem Ausmaß. Hierzu gehören einerseits die Ausplünderung der Naturreichtümer und die Vergiftung von Erde, Meer und Atmosphäre durch den industriellen Abfall und andererseits das sich weiterhin beschleunigende Bevölkerungswachstum der Menschheit und die damit einhergehende Expansion der hierfür erforderlichen Ernährungsgrundlagen. Hinzu kommt, dass diese Prozesse allein von neoliberalen-kapitalistischen Verwertungs- und Wertsteigerungsinteressen angetrieben oder ausgebremst werden, d.h. die menschheitsgeschichtlichen Herausforderungen, vor denen wir gegenwärtig stehen, werden nicht aus der Perspektive des menschlichen Lebens und des Überlebens der Menschheit angegangen, sondern primär aus dem Interesse gegenwärtiger Kapital- und Machtkonzentration. Gerade dies führt aber permanent zu neuen sozialen Ungleichheiten sowohl zwischen der lohnarbeitenden und der leistungslos-besitzenden Bevölkerung der einzelnen Nationen als auch zwischen den Ländern und Kontinenten rund um den Erdball.

Da die Bedrohungen für die Menschheit rasant wachsen, werden Ruf und Bereitschaft für faschistische und imperiale Eingriffe in die Menschheitsgeschichte zur Lösung dieser Probleme immer massiver. Die einzige Alternative dazu ist und bleibt die Realisierung der Emanzipation von Unterdrückung. Despotie und Gewalt, und eine Praxis, die sie fortschreitend zu erstreiten versucht. Mannigfaltig wurden die gegenwärtige Situation und die Szenarien des uns Bevorstehenden dargelegt und ausgemalt. Wir werden all diese Entwürfe ernsthaft zu diskutieren, v.a. aber darauf hin zu prüfen und zu beurteilen haben, ob und wie sie der emanzipatorischen Freiheit Raum geben.“

Zitatende

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