Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Die Realitätsferne des egalitären Denkens – oder ein bisschen frieren für die neoliberale Freiheit?

„Ich habe, horte, aneigne und besitze, also bin ich. Notfalls mit Waffengewalt!“

„Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will (und von seinen zeitgeistigen Formen des Neoliberalismus), sollte auch vom Faschismus und anderen tyrannischen und gewalttätigen Unterdrückungsformen schweigen.“ – in Memoriam Max Horkheimer

Vor rund zwei Monaten formulierte der Ex-Bundespräsident Joachim Gauck den Satz: „Wir können auch mal frieren für die Freiheit“. Seine Aussage machte der mit vielen materiellen Privilegien abgesicherte Bürger im Umfeld eines Interviews mit der ARD-Talkshow Moderatorin Maischberger. Thema war der damals noch geplante Lieferstopp russischer Öl- und Gaslieferungen als Sanktionen gegen Russlands Kriegsüberfall auf die Ukraine.

Ein egalitäres Denken spiegelt sich wider in dieser Äußerung, welches so weit von den Existenznöten eines großen Teils der Gesellschaft entfernt ist, dass unterstellt werden kann, damit kein Gedanke an die Auswirkungen verschwendet wurde, wie denn die Wohnung erwärmt werden kann, wenn kein Gas oder Öl zur Verfügung mehr stehen? Wie die steigenden Kosten für die Heizung und das Benzin für die Fahrt zur Arbeit gestemmt werden können? Auch kein Gedanke daran, wie die Inflationssteigerungen gerade für die existenziellen Bereiche Wohnen, Energie und Nahrung kaum noch aufgefangen werden können?

Wer den Blick über den eigenen Tellerrand der materiellen und finanziellen Absicherung nicht mehr schafft, um die Nöte der Bevölkerung zu verstehen, sollte diesen Satz als zynische Bemerkung erläutert bekommen.

Ein Denken und Sprechen, dass in der Blase des konservativen Republikaners als fragliches Abbild sich zeigt, in welchem das neoliberale Selbstbestimmungsrecht über das der Solidarität gestellt wird. So schimmert vor allem eine Gesinnung durch, dass die persönliche Daseinsrealität – abgesichert durch die Daseinsfürsorge-Pflicht des Staates –  hinter der ökonomischen und garantierten Freiheit des Neoliberalismus, welche durch die politischen Entscheider zu gewährleisten sei, zurückzustehen habe.

Damit geschieht eine Umkehrung des Gemeinwohlgedankens, weil vor allem die Unabhängigkeit des westlichen Freiheitsbegriffes, insbesondere auf die Form der neoliberalen Ökonomie ausgerichtet, Vorrang habe. Was mache da eben ein bisschen frieren schon aus?

Noch toben die Gewitter und Starkregen über Deutschland. Wenn erstmal in einem halben Jahr die Wohnungen nicht mehr erwärmt werden können, warmes Wasser rar geworden ist und das Kochen mit Gas und Strom rationiert wird, steigt dann Herr Gauck zu seinem Chauffeur ins Kfz und lässt sich zu seiner Wohnung fahren, die durch Erdwärme und Solarstrom energetisch autonom sein dürfte, um dann dort trotzdem ein bisschen zu frieren?  

(Einige Rückblicke auf Texte in diesem Blog mögen den obigen Text ergänzen.)

 

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Ergänzung vom 23.05.2022

Am Beispiel der FDP-Politikerin Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, wird das verheerende Weltbild des Neoliberalismus besonders deutlich: Die naheliegenden lobbyistischen Verquickungen zu den Unternehmen á la Rheinmetall AG als „Waffenschmiede der Nation“ ist besonders heikel, auch weil die mutmaßliche Seilschaft mit dem FDP-Mitglied und ehemaligen Bundesverteidigungsministers Dirk Niebel als >>Lobbyist (Berater des Vorstands) beim Konzern Rheinmetall AG<< die mehr als fraglichen Äußerungen von Strack-Zimmermann hilft, den Menschen ihr Verhalten besser einordnen lässt.

Zudem scheint exemplarisch nachvollziehbar, dass bei Frau Strack-Zimmermann das Interesse zur Unterstützung fraglicher Unternehmen größer zu sein, als ihre Aufgabe als Abgeordnete, die notwendigen Unterstützungen zur Daseinsfürsorge-Verpflichtung Interessen der Bevölkerung zu Wohle der Menschen zu leisten. Stattdessen bewirkt ihr Verhalten die Schwächung der Regierung, in dem sie vor allem den Kanzler angreift, mit den Worten: „Wie heißt es so schön: Getroffene Hunde bellen“, twitterte die FDP-Politikerin. Sie halte es „für selbstverständlich, dass auch als Teil einer Regierung gilt: Parlament kontrolliert Bundesregierung – schön, dass es Früchte trägt“. 

Eine Sprache, die sie bis in den Kern ihres Weltbildes bloßstellt und demaskiert. Kontrolle ist ok, jedoch leistet sie lediglich Propaganda-Arbeit lobbyistischer Provenienz für die Herstellung von Kriegswaffen. Zudem stellt sich mehr als notwendig die Frage: Wer kontrolliert diese Dame aus dem Umfeld elitärer Selbstverständnisse?

 

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