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Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Vom Prinzip Hoffnung – Furcht vor der Wahrheit oder Aufbruch in eine konkrete Utopie?

In der Hoffnung steckt immer die Furcht vor der Wahrheit: Was wäre das Geständnis für die religiösen Menschen, wenn ihnen (ihr) Gott mitteilen würde, dass er Atheist ist? (JWB)

Ernst Bloch hat in seinem Werk „Das Prinzip Hoffnung“ der Bedeutung des Begriffes „Hoffnung“ nachgespürt und von der Grundlegung über die Konstruktion einer besseren Welt bis zur konkreten Utopie einer lebenswerten Weltgestaltung den Weg aufgezeigt, wie eine konkrete Alternative zum Neoliberalismus, zur Unterdrückung und Menschenfeindlichkeit durch Tyrannen und Diktatoren aussehen kann.

„Das Wirkliche sei vernünftig“, formulierte Hegel seine Abneigung gegen  Kritik als These. Wo Hegel irrte, begannen Adorno, Bloch und Horkheimer die Welt auf die Füße zu stellen. Wie entscheidend falsch Hegels These war und ist, sei an dem Beispiel von Putins Angriffs- und Vernichtungskrieg aufgezeigt. Es kann niemals vernünftig sein, Krieg zu führen, um die eigenen Machtgelüste und geopolitische Phantasien zu befriedigen. Angriffskriege zu führen zur Errichtung einer menschenfeindlichen Diktatur und Unterdrückung  ist die Unvernunft par excellence – sie bewirkt nur Tod, Leid und Zerstörung. Das aber kann kein Ziel und eine Motivation für eine menschenrechtsorientierte Weltgestaltung zu sein.

Kritik wird departmentalisiert. Aus einem Menschenrecht und einer Menschenpflicht des Bürgers wird sie zum Privileg derer gemacht, die durch ihre anerkannte und geschützte Stellung sich qualifizieren. Wer Kritik übt, ohne die Macht zu haben, seine Meinung durchzusetzen, und ohne sich selbst der öffentlichen Hierarchie einzugliedern, der soll schweigen. … Durch die Teilung
zwischen verantwortlicher Kritik, als der von solchen, die öffentliche Verantwortung tragen, und unverantwortlicher, nämlich der, die solche üben, die man für die Konsequenzen nicht zur Rechenschaft ziehen kann, wird vorweg Kritik neutralisiert. … All dies ist unausdrücklich und nicht institutionell verankert, aber so tief im Vorbewussten Ungezählter vorhanden, daß eine Art sozialer Kontrolle davon ausgeht.“ (T. W. Adorno GS 10 S.789) 

Während Hegel Materie der Selbstentwicklung des Geistes als dessen Produkt unterordnet (das Bewusstsein bestimmt das Sein), verbindet Karl Marx aus der  sozialpolitischen Sicht Materie und Bewusstsein (Das Sein bestimmt das Bewusstsein). Auf dem Boden von Marx fügt Bloch nun einen  weiteren Aspekt hinzu – den zwischen Sein (Materie) und Utopie.

Während Heidegger dem „Nichts“ nur die Eigenschaft zuordnet, dass es „nichtet“, was immer das sein soll, gilt für Bloch, dass Utopie erreichbar ist, weil es die Bedeutung des Noch-Nichtsein beinhaltet, das sich realisieren  kann in Sein.

Für Bloch sind nämlich Sein und Bewusstsein nur unterschiedliche Zustände der Materie. Hoffnung wird nach Bloch als das Bewusstsein des möglichen Fortschritts  (zu einer menschenfreundlichen Welt) . Zukunft steht als Dimension synonym für das Hoffen. Nicht-Sein ist nicht Nichts, sondern ein Nichts im Sein, das als Noch-Nicht-Sein zum Sein aufgehoben werden kann. Denn das erste, womit der Mensch konfrontiert wird, ist der Mangel: Er hat nicht, was er haben müsste, um ein lebenswertes Leben gestalten zu können. Das aber umfasst die Sicherstellung der Grundbedürfnisse Essen, Wohnen, Bildung, Arbeit, Freiheit in den Grenzen, die die Freiheit des anderen betrifft. 

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat. ( Ernst Bloch – Das Prinzip Hoffnung)

Putins Angriffs-Krieg (und die jedes Anderen…) ist nichts anderes als die Verhinderung von echter Heimat, wie sie nur unter realer Demokratie und der gemeinsamen, solidarischen Zurverfügungstellung und Sicherstellung der Grundbedürfnisse möglich ist. Jedes ökonomische Modell – insbesondere der Neoliberalismus in seiner kruden Vorstellung, dass der „Markt“ alles regele, und der gefährlichsten Ausformung als Finanz- und Investitionskapitalismus – das Heimat im Sinne Ernst Blochs bedroht und verhindert, ist eine Form des Krieges gegen die Menschlichkeit.

Das Moment der Ungleichzeitigkeit an Erkenntnis, Bereitschaft zur Machtbeschränkung  und zur Gestaltung einer friedlichen Welt ist eine weitere Barriere, die den Menschen und den Planeten nicht zur Ruhe kommen lässt. 

Das Ziel ist klar – wenn auch durch die Ungleichzeitigkeit nicht für alle zur gleichen Zeit greif- und verstehbar. Die Realisation wird jedoch immer wieder blockiert von den Figuren á la Putin, Orban, Xi Jinping, Trump, Bolsonaro, Erdogan. Und so bleiben Fragen „Wie wird die Menschheit sie wieder los?“, „Was kann und muss man tun, dass jene Typen nicht erst in ihre Machtpositionen gelangen?“ und nicht zuletzt: „Wie ist die Verteidigung bei welcher Eskalationsstufe zu organisieren?“ müssen wir gemeinsam die Antworten darauf finden.

 

 

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