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Armutsbericht – 13 Millionen Menschen in Deutschland sind armutsgefährdet oder schon längst in die Armut abgerutscht

„Armer Mann und reicher Mann, seh´n sich nicht mal mehr an.“

Heute hat das Statistische Bundesamt die Zahlen zur Armut in Deutschland veröffentlicht. Diese Zahlen basieren auf dem Datenstand des Jahres 2021! Es steht zu vermuten, dass die Zahlen im Jahr 2022 deutlich höher sein werden, weil die Inflation und die Kostenexplosionen für Kraftstoffe und Energie (Gas für Heizung und Strom) erst im Jahr 2022 wirksam wurden. 

13 Millionen Menschen in Deutschland (oder 15,8 % der Bevölkerung) sind arm oder von Armut gefährdet. Dieser verharmlosende Begriff „von Armut gefährdet zu sein“ lässt die Realität nur erahnen, da die steigenden Lebenshaltungskosten die Millionen Menschen, die an der Grenz zur statistischen Armut schon lebten, nun längst in die Armut abgerutscht sind.  (Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat dazu andere Zahlen erfasst, die eine deutliche höhere Anzahl der von Armut betroffenen Deutsche umfasst! Siehe hier!)

Bildzitat: Quelle: Paritätischer Gesamtverband

Arm bedeutet, keine Rücklagen zu haben, wenn ein Haushaltsgerät repariert werden muss. Von der Teilnahme an kulturellen und am gesellschaftlichen Leben ist da schon lange keine Rede mehr, wenn am Ende des Monats nicht mal mehr das Geld reicht, um Essen zu bezahlen. Da bleibt nur der Gang zur Tafel! 

Wie die drohenden Kosten für Mietsteigerungen (Grundsteuer-Neuberechnung steht an), gestiegene Heizkosten etc. geschultert werden sollen, das steht in den Sternen. Die Daseinsfürsorge-Verpflichtungen durch den Staat wird von neoliberalen Parteien wie die FDP be- und verhindert. Die leeren Kassen des Staatshaushaltes zu füllen und steuergerechtere Verteilung der Lasten vorzunehmen, weigert sich die FDP unter Lindner, indem die Besteuerungen bei den Übergewinnen der Mineralölkonzerne verhindert wird oder indem die FDP die Vermögenssteuer und Transaktionssteuer bei Börsengeschäfte blockiert! Aus diesen Mehreinnahmen könnten dann die Finanzierung der Daseinsfürsorge-Verpflichtung gesichert werden.

Dass zudem die Zahlen des Bundesamtes geschönt sind, weil sowohl die Gruppe der Obdachlosen nicht mitberücksichtigt wurde, als auch die Einkommensgrenze, ab der die Armutsgrenze statistisch wirksam wird, nach oben verschoben wurde. Statt 1168,- mtl. Einkommen ist der Mensch laut Bundesamt erst bei Unterschreitung von 1250,- mtl. Einkommen armutsgefährdet!

Der Armutsforscher Prof. Dr. Butterwegge verweist bei diesem Zahlenunterschied darauf, dass dies 800000 Menschen betrifft. Außerdem betont Butterwegge, dass in diesem Sozialmonitoring die Gruppe der Reichen und ihre Einkommen überhaupt nicht erfasst. So werde die Spaltung der Gesellschaft verschleiert. 

Sein Fazit und Kommentar zum Armutsbericht des Statistischen Bundesamtes lautet zurecht: „Der Staat muss dem Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes gerecht werden und nicht nach dem neoliberalen Leistungsprinzip die Reichen noch mehr begünstigen.“