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Eingelullt, ignorant, unpolitisch und fehlinformiert mal wieder in einen Krieg schlittern?

Frieden beginnt immer in und durch uns – Kriege allerdings auch.

Viele Menschen könnten aufgrund des Zugangs zu Medien wie TV-Beiträge, Nachrichtensendungen, Internet und historischen Quellen über die Folgen und Auswirkungen von Kriegen Informationen erhalten, die vor allem durch ihre Bilder jeden Krieg abwehren und verhindern müssten.

Und dennoch geschieht immer wieder, seit die Menschen Kriege führen, dass im Verhältnis nur wenige Entscheider Kriege beginnen und es gelingt, ihre Nationen mit Millionen Menschen in den Abgrund zu führen. Und die Menschen lassen das trotz ihrer schieren Menge von Millionen zu. Warum gelingt dies gegen den Willen der überwiegenden Mehrheit? Welche Mechanismen sind am Werk, diesen Irrsinn immer wieder zu praktizieren?

In der FAZ online vom heutigen Tag berichtet die Autorin über ein Interview zwischen einem Putinversteher und einem regierungskritischen Journalisten. Ein Gespräch, das als exemplarisches Beispiel eventuell zu den oben aufgeworfenen Fragen Antworten geben könnte. Der russische Journalist und Youtube-Blogger Juri Dud interviewt den russischen Schauspieler Oskar Kutschera zum Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Kutschera unterstützt Putin, die russische Armee und den Krieg gegen die Ukraine.

Für die Autorin (des oben genannten FAZ-Beitrages „Bekenntnisse eines Putinisten“) lasse Kutschera im Gespräch die Denkweisen der Putin-Wählerschaft samt Ideenwirrwarr und Propagandasprüchen erkennen. Zudem könne der die Fragen, warum Russland diesen Krieg begonnen habe, nicht beantworten. Als Grund dafür fasst sie zusammen, dass „die Putin unterstützende Mehrheit“ einen Bevölkerungsanteil von siebzig Prozent umfasse, die im Wesentlichen aus „netten, un­politischen, im Grunde friedliebenden, nicht zu Analysen neigenden Typen“ bestehen würden. (Eine Beschreibung, die auf viele Bevölkerungen zutrifft). Kutschera präsentiere genau diesen Typ Menschen, der „vieles an diesem Krieg nicht verstehe, eigentlich gegen Krieg sei, denn der sei furchtbar“, ihn dennoch bejahe, weil er der Propaganda Putins aufgesessen sei.

Eine Beschreibung, die auch auf die meisten Menschen in jedem Land auf dem Globus passt. Und dennoch sind die Kriege der letzten Jahrzehnte in so vielen Ländern geführt worden. Gegen den Willen der meisten Menschen. Und zu oft ist die Beteiligung am Krieg ein schleichender Prozess, der durch eine gesinnungsgeleitetet Propaganda immer mehr das Denken in der Öffentlichkeit beeinflusst und mit Hilfe der Medien und Netzwerke der Kriegstreiber das Reinschlittern in die Kriegsbeteiligung auch in Deutschland begleitet. Ideologie und Freund-Feind-Spaltung bestimmen das Leben.

Rund 78 Jahre hat Deutschland keine Kriegszerstörung im eigenen Land mehr erleben müssen. In diesem Zeitraum sind die letzten beiden Generationen ohne Erinnerung an das Leid und die Zerstörung der vorangegangenen Weltkriege aufgewachsen in einem Wohlstandsraum, der ökonomisch vom Neoliberalismus geprägt wurde, in dem die Vorstellung zu den „Eliten“ zu gehören und sämtliche „Skills“ zu beherrschen, die notwendig sind, an der Spitze stehen zu können, den Verlust von Solidarität, Empathie und Menschlichkeit zur Voraussetzung machten. In diesem Stil äußert sich das Denken, Sprechen und Handeln von politischen Karrieristen á la Baerbock, Habeck und Lindner, aber auch der „alten“ Strippenzieher á la Merz, die sich nicht der Verantwortungsethik für die Menschen im Land verschrieben haben. Als Folge gerät Demokratie zwischen Krieg und Frieden.

Ein politisches Umfeld ist zu verorten, das von Machtausübung auf die Partner in Politik, Diplomatie und Ökonomie durch Druckerzeugung (Erpressung) geprägt ist. Flankiert von den Eleven und Handlangern für die weniger feinen Taten in dieser Gemengelage. Und die Verkündigung der Beteiligung an Waffenlieferungen erfolgt in freundlicher Zurückhaltung durch die Moderatoren im TV, als würde über den Zustand einer überdüngten Landwirtschaft berichtet. Und ebenso werden in den unsäglichen TV-Formaten der Talkshows in gespielter Seriosität die Argumente im Streitgeplänkel ausgetauscht, mögliche Gegenreden werden entweder vom Moderator unterbrochen und verhindert oder gemeinsam mit den Gesinnungspartnern niedergemacht. Am Thema ausgerichtet erfolgte zuvor die Auswahl der geeigneten Lautsprecher und Dampfplauderer. In der Ignoranz wirklich seriöser Diskurse gärt die Kriegstreiberei bestens.

Um diese Strukturen zu durchbrechen, bedarf es einer anderen Bevölkerung, die politisch analysierend die eigenen Regierungen kritisch hinterfragt und in die Schranken weist. Das ist notwendig, um den Frieden zu gestalten mittels einer weiterhin unabhängigen Gerichtsbarkeit, und einer demokratisch geschulten und orientierten Ordnungskraft, deren Führung und Besetzung der Führungs-Positionen nicht alleine durch die gesinnungsorientierte Partei-Politik bestimmt wird, sondern durch direkte Beteiligung in Form von Bürgerräten.  Denn es gilt für jede Nation, dass der „böse Nachbar“ nicht in Machtpositionen kommt. 

Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben,
Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.

– Friedrich Schiller – Wilhelm Tell