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Gekaufte Zeit –

nennt Wolfgang Streeck, Soziologe und Direktor des Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, sein neuestes Buch zur Analyse des Kapitalismus. Den nennt er ein wenig nachhaltiges und ungerechtes System, welches seit der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder durch „Gelddoping“ aufgepäppelt wird. Finanzinjektionen reanimieren ein längst überflüssiges System zu Lasten der Allgemeinheit.

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Der Untertitel seines Buches lautet „Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus“. Und als Ergebnis seiner Analyse des Istzustandes weist Streeck auf, dass einerseits durch Staats- und Privatverschuldung, sowie die Inflation in Kauf nehmende Zentralbankgeldschwemme Zeit gekauft wird, aber gleichzeitig auch die Gefahr der Zerstörung der Demokratie als Gesellschaftsform real bestehe.

Dass im Falle Griechenlands vor allem der Faktor „Zeit kaufen“ zutreffend ist, kann jeder nachvollziehen, der beobachtet, wie die Vermögenden sich dem notwendigen Zugriff des Staates entziehen, in dem korrupte Regierungsangehörige und Bankmanager der Vermögensflucht beistehen und diese erst ermöglichten. Wie immer zu Lasten der Steuerzahlerhaftung.

Die Zerstörung der Demokratie als Gesellschaftsform einer solidarischen Gesellschaft spiegelt sich auch in dem Austeritätsgebaren der amtierenden Bundesregierung einerseits wider wie andererseits in der Wahlverdrossenheit derjenigen, auf deren Kosten die „Vermögensrettung“ des Finanzkapitalismus geschieht: dem Prekariat.

Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass gerade diese Auswirkungen des o.b. „Neoliberalismus“ auch die Auswirkungen der Agenda 2010 sind. Und daran hat federführend der gleiche Autor Streeck 1999 gearbeitet und mit seinem Essay im Spiegel (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13220370.html) die Vorarbeit für die politischen Hassadeure Schröder, Clement und Hombach geleistet und dem Niedriglohnsektor und seinen unseligen Auswüchsen Tür und Tor durch falsche Argumentation geöffnet hat.

Die Schlussfolgerung, dass mittlerweile der „Markt“  und dessen Lobbyisten regieren in unserer – noch Demokratie genannten –  Gesellschaftsform anstelle des Volkes, ist durchaus nachvollziehbar.  Und so gibt es nach Streeck den Kapitalismus noch immer – auf Kosten der Demokratie.

Wie pervertiert und wenig nachhaltig der Kapitalismus wirkt, zeigt die neueste Masche des Finanzkapitals: die Niedrigzinsen nutzen, und aufgekaufte Firmen zwingen, damit hohe Schulden einzugehen, diese aber nicht zu Investitionen nutzen, sondern den neuen Besitzern   hohe Dividenden auszahlen. Wie es ausgehen wird, ist voraussehbar: die Firmen werden verscherbelt, die Investoren haben noch schneller ihre Gewinne vermehrt und die Mitarbeiter werden zu Lasten der Allgemeinheit in die Arbeitslosigkeit entlassen. (siehe: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/finanzinvestoren-buerden-firmen-rekordschulden-auf-a-914978.html)

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Möge jeder selber die eigenen Regierungen daran messen, wie diese handeln und ob sie sich dem Finanzkapital entgegenstellen, oder dem Demokratie zerstörenden Handeln sogar grundsätzlich zustimmen.

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