Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Begierde – nicht der Verstand ist wohl der mächtigste Anlass unseres Lebens *

Warum hat Frau Merkel als Bundeskanzlerin einen solchen Zuspruch, wie er niemals nur aus der sachlichen Analyse alleine begründbar und erklärlich wäre? Es muss wohl darin zu Grunde liegen, was Baruch de Spinoza so formulierte und den Menschen  zu eigen ist: “.. dass wir leicht glauben, was wir hoffen, aber schwer, was wir fürchten“. (Ethik, III, 50. Anmerkung) Dennoch oder gerade dann, wenn scheinbar im Zeichen der Raute alles gut läuft, ist besonders Skepsis angemessen und notwendig. Denn wenn Wünsche das Nachdenken ersetzen, dann ist erst recht Grund zum Fürchten gegeben. Wenn die Begierde oder die Gier den Verstand ersetzt, dann ist der Krieg und der Verlust von Frieden nicht mehr weit.

Bei dieser Einschätzung der Wirkweise des Menschen, bei Spinozas Verständnis von den Verhaltensgrundlagen der Menschen ist seine Schlussfolgerung nicht verwunderlich, dass die Begierde und nicht der Verstand der tiefste Grund unseres Daseins ist. Und das Begehren ist: so lange und so gut wie möglich zu leben. Leider zu oft zu Lasten der anderen Mitmenschen, wie die Banken- und Finanzkrise es belegen.

In seinem Werk “Ethik” (*) führt er im Kern aus, dass es darum geht, sich allem, was unsere Existenz bedroht, entgegen zu stellen. Wir müssen alles tun, um die Freude (und den Frieden) am Leben zu erhalten. Nach Spinoza darf der Mensch sich “nicht zu Verachtung, Hohn und Hass hinreißen lassen, sondern es genügt ihm, gut zu handeln und froh zu sein”. (IV, Lehrsatz 73…) Immer und jederzeit muss der Mitmensch im Mittelpunkt stehen, und alles Handeln ist danach auszurichten. Notfalls hat der Verstand Vorfahrtsrecht. Wer das bedenkt und anwendet, unterliegt nicht dem Einfluss der Raute-Symbolik.

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