Johannes von Heinsberg – Bilder und Texte

Fotografie und Philosophie – Sehen und Erkennen

Hedgefonds – oder die Notwendigkeit einer Moralphilosophie des Geldes

Darf man tun, was praktisch möglich ist? Steht das Interesse des Einzelnen über das der Bevölkerung eines Staates? Welche Funktionen sollen das Geld und die Geldströme haben dürfen? Darf die Spekulation mit Geld-Kapital einen Staat und/oder Millionen von Bürgern in Geiselhaft nehmen?

Wer an die aktuelle Situation in Argentinien (Staatsbankrott) und an die in naher Vergangenheit erfolgten Finanzkapitalkrisen in der EU (Irland, Portugal, Spanien, Griechenland) denkt, sowie an die „Rettungseinsätze“ durch Bürgschaften und direkte Kredite in hunderten von Milliarden Euro für die verfehlten und kriminellen Finanz-und Investmentspekulationen denkt, in denen Steuergelder (öffentliches Geld) zur Rettung = Umleitung auf und zur Abdeckung der privaten Spekulationsgelder eingesetzt wurden, die sogenannten Staatenlenker sich zu Lasten der Bürger auf die Seite der privaten Geldwirtschaft geschlagen haben, dann ist es umso unverständlicher, dass ein einziger Hedgefond (Elliott, Paul Elliott Singer-Spekulant und Hedgefond-Geier) einen Staat wie Argentinien in den Staatsbankrott treiben und die Helfer auf Seiten der amerikanischen Justiz und der Ratingagenturen dieses Entmachtungsspiel mitmachen.

Darf man tun, was praktisch möglich ist? Anscheinend wird es in der losgelösten Finanzwirtschaft so gesehen? Dürfen die Spekulationen eines Hedgefonds über die Lebensgrundlagen der Bürger eines Staates gestellt werden, mit der Folge der Enteignung dieser Millionen Menschen und der Konsequenz, dass die Arbeit und die Sicherung des Alltaglebens bedroht sind? Nein, kann da nur die Antwort lauten.

Spekulationen können keine juristisch höhere Relevanz besitzen, als die Sicherung des Gemeinwohls und die Vermeidung der Enteignung der Vermögen und Besitztümer der Bürger eines Staates. Spekulationen sind Wetten auf eine irrationale und irreale Welt, die dem Geld zugeordnet wurden. Allerdings wurde diese Zuordnung niemals von den Menschen, die nicht daran beteiligt sind, überhaupt akzeptiert! Insofern nutzen die Spekulanten die Vereinbarungen, die sie selbst als Beteiligte zu ihren Vorteilen zusammengestellt haben. Das muss aber alle anderen Nichtbeteiligten überhaupt nicht jucken. Insofern sind die Forderungen des Elliott-Fonds nicht legitim, noch legal. Aus moralischer Sicht sind Spekulationen in jeder Hinsicht zu verwerfen. Auf sogenannte Spekulationsgewinne besteht deswegen grundsätzlich kein Anspruch, wenn es Bereiche wie Staaten betrifft.

Es sei daran erinnert, dass das Geld nur Tausch- und Zahlungsmittel sein sollte. Die Finanzwirtschaft (Banken, Spekulanten, Fondsverwalter) macht es von den meisten Menschen ungefragt und nicht legitimiert zum Mittel der Vermehrung von Kapital, ohne reale Gegenleistung. Spekulationen, Fonds und Kreditswaps als Finanzprodukte gestalten keine wirtschaftliche Entwicklung, bringen keinen Fortschritt, keinen Wohlstand, noch Wachstum im Sinne des Kapitalismus als Wirtschaftsmodell für Staaten. Im Finanzkapitalismus geht es nicht mehr um die reale Wirtschaft (Produktion, Güterhandel, Tauschmittel zur Erfassung von Leistung und Arbeit) und die Funktionsunterstützung von staatlichem Handeln, sondern nur noch um Geldvermehrung zum Selbstzweck. Genau aus diesem Grunde muss die Staatengemeinschaft weltweit sich einig sein, dass die Förderung der reinen Gier und Geldvermehrung nicht einen Staat in Geiselhaft nehmen kann! Staatstitel aufzukaufen, ist für die Spekulation weltweit zu verbieten und zu ächten. Wer es trotzdem versucht, kann sein Geld komplett verlieren. Niemals aber darf ein Gerichtsurteil solchen Vorgehensweisen wie die des Spekulanten P.E. Singer Geltung verleihen! – wieso maßt sich ein Gericht eines Staates (USA) ein Gerichtsurteil für einen Privatspekulanten zu fällen an, bei dem das Urteil einen anderen Staat den Interessen des Privatspekulanten unterworfen wird? Welche Arroganz steckt denn dahinter? Wenn das System des Finanzkapitalsystems (Ratingagenturen und die wichtigste Börse- Wall Street-  sind in den USA angesiedelt, einschließlich der wenigen Großbanken, denen die Ratingagenturen gehören) jedoch auf dem Boden des urteilenden Staates liegt, dann ist hier keinerlei Relevanz für den anderen Staat abzuleiten. (Ein Weltfinanzgerichtshof müsste erst gegründet werden.)

Denn es bestehen keine zwischenstaatlichen Vereinbarungen, sondern es stehen lediglich Geschäftsgebaren des Finanzkapitals zur Disposition. Die Abwicklung und die betroffenen Produkte werden in Algorithmen gepackt, die dann unkontrolliert und allenfalls von einigen wenigen Beteiligten, die die technische Ausstattung haben und das Spekulationsgeschäft losgelöst vom übrigen Markt in Millisekunden betreiben, beeinflusst. Diese Ökonomie ohne Moral, die sich auch der persönlichen Daten eines jeden Menschen bemächtigt, um diese in Geld umzuwandeln, ist die Berechtigung zu entziehen. Diese Produkte sind vom Finanzkapitalmarkt zu nehmen. Investments sind nur noch zuzulassen, wenn diese die reale Wirtschaft zum Gegenstand haben.

Die illegalen und illegitimen Funktionen des Geldes (Geldvermehrung als Selbstzweck und aus Gier) sind zurückzunehmen durch interstaatliche Vereinbarungen. Auch  – so sah dies schon Georg Simmel in „Die Philosophie des Geldes“ – weil dem Finanzkapitalmarkt Grenzen zu setzen sind. Dem Markt ist wieder eine „Moral des Humanitären“ zuzuführen, in dem die Entfremdung des Geldes zurückgenommen und die Nutzung des Geldes auf die ursprüngliche Funktion begrenzt wird. Der Mensch – nicht das Spekulationsprodukt –  ist wieder in den Mittelpunkt jeglichen Wirtschaftens zu stellen.

Ein Paul Eliott Singer ist in seine Schranken zu weisen. Die argentinische Bevölkerung soll im Gegenzug die Konten seines Hedgefonds in der Größe enteignen, wie die Auswirkungen des unsozialen Handelns des Hedgefondinhabers umfassen.

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